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Was das Coronavirus für Düsseldorf bedeutet

Reaktionen : Was das Coronavirus für Düsseldorf bedeutet

Atemschutzmasken sind in den Apotheken fast ausverkauft. China-Restaurants machen Ferien, weil keine Gäste mehr kommen. Die Messe ProWein soll stattfinden.

Das Corona-Virus hat Düsseldorf erreicht. Wenn auch bisher nur in der hermetisch abgeriegelten Station der Uni-Klinik, wo zwei erkrankte Patienten behandelt werden. Aber auch hier wächst die Sorge. Atemschutzmasken sind in den Apotheken praktisch ausverkauft. Das Evangelische Krankenhaus hat seinen Tag der offenen Tür abgesagt und chinesische Restaurants machen Betriebsferien, weil keine Gäste mehr kommen. Trotzdem warnt Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke vor Panikmache: „Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem NRW-Gesundheitsministerium und machen eine kontinuierliche Risiko-Bewertung.“  Bisher seien noch keine weiteren Maßnahmen in Düsseldorf erforderlich.

Wie Meyer-Falcke erklärte, halte man sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Es gebe bisher keinen Anlass für eine Neubewertung der Lage: „Es bleibt bei den Regeln, die jeder einhalten soll. Möglichst oft die Hände waschen, Niesen in den Ellbogen und Türklinken in öffentlichen Räumen mit einem Einmal-Handtuch anfassen.“ Der einfache  Mundschutz, wie viele ihn zum Karnevalskostüm getragen haben, sei nicht mehr als eine Geste. Echten Schutz würden nur Schutzmasken für Profis bieten. Weitergehende Maßnahmen hält der Gesundheitsdezernent nur im Paket für sinnvoll: „Es nützt zum Beispiel gar nichts, wenn wir den Düsseldorfer Flughafen schließen und Köln bleibt offen.“

Einen Appell richtet er an Personen, die befürchten, sie könnten selbst mit dem Corona-Virus infiziert sein: „Die sollten sich nicht einfach in die Straßenbahn setzen und zu ihrem Hausarzt fahren, sondern vorher telefonisch Kontakt aufnehmen.“ Die Praxis könne sich dann darauf vorbereiten, dass es keinen Kontakt mit anderen Patienten gibt.

Deutlich wird die Sorge über das Coronavirus in den Lagerbeständen der Apotheken. Denn dort zeigt sich zumindest in der Innenstadt überall dasselbe Bild. „Heute hat jeder zweite Kunde nach Atemschutzmasken gefragt“, erzählt eine Verkäuferin der farma-plus Apotheke in der Altstadt. Seit Anfang der Woche sei die Nachfrage enorm gestiegen. Auf die Lieferung von Nachschub warte man allerdings schon seit zwei Wochen.

Wann wieder Masken geliefert werden, weiß man auch in der Elefanten-Apotheke nicht. Dort gibt es zwar noch einige von den „dünneren“ Masken, diese würden allerdings kaum Schutz gegen die Viren bieten, so die Auskunft einer Mitarbeiterin. In der vergangenen Wochen hätten Kunden teilweise 50 bis 100 Masken auf einmal gekauft. Ähnlich sieht es auch in anderen Apotheken aus.

Coronavirus-Patienten aus NRW hatten Vielzahl von Kontakten

Die lokale und regionale Wirtschaft bekommt auch längst Auswirkungen des Virus’ zu spüren. Akut sind vor allem Dienstreisen nach China ein größeres Thema in Düsseldorfer Unternehmen. Nach der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes müssen viele umdisponieren, Reisen werden verschoben oder gleich ganz ersetzt durch Video-Konferenzen, berichtet Tobias Havers, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Düsseldorf. Ganz konkrete Rückmeldungen über ausfallende Importe und deren negative Folgen etwa in Form gestörter Lieferketten hat die Kammer lokal noch nicht erhalten, „die Verflechtung der Düsseldorfer Wirtschaft mit China ist aber definitiv eng“, so Havers, weshalb sich viele Firmen nun auf die Lage einstellen und einen Plan B entwickeln müssten. Ein möglicher Effekt von Lieferausfällen aus China – zum Beispiel bei Medikamenten – sind Preissteigerungen, denn knappe Güter werden in aller Regel teurer.

Erhebliche Auswirkungen hat das Virus jetzt schon für Chinesen in Düsseldorf. „Ich kenne drei oder vier Restaurants, die haben Betriebsferien gemacht, weil keine Gäste mehr kommen“, so Dieter Böning, Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft in Düsseldorf. Auch die chinesischen Reisegruppen, die für viel Umsatz sorgen, bleiben seit Wochen aus. Böning selbst ist Geschäftsführer eines chinesischen Chemie-Unternehmens: „Wir hatten in den ersten zwei Monaten Umsatzeinbußen von 50 Prozent. Ich hoffe, dass bis Ende März alles wieder normal läuft. Die Zahl der Neuinfektionen in China ist zurückgegangen. Das beobachte ich jeden Tag.“

Mit Sorge betrachten auch die Veranstalter der Messe ProWein, die am 15. März beginnt, die Entwicklung. „Wir haben zwar nur fünf Aussteller aus China, aber sehr viele aus Italien“, so Pressesprecherin Christiane Schorn. Eine Absage der Messe stehe aber bisher nicht zur Debatte.