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Warum Wildschweine angreifen

Warum Wildschweine angreifen

Der von einer Bache attackierte Radler erholt sich im Krankenhaus. Der Revierförster tadelt die Spaziergänger.

Düsseldorf. Das Röntgenbild von Alexander B.’s Unterschenkel lässt den Betrachter erschauern. Der Schienbeinknochen steht weit auseinander, auch das Wadenbein ist nahe des Kniegelenks gebrochen. Eine schwere Verletzung.

Ein Wildschwein hat sie dem 54-Jährigen am Samstagmittag im Garather Forst zugefügt. "Ich hörte plötzlich ein Rascheln aus dem Unterholz und schon schoss das Schwein auf mich zu", erzählt der aus Russland stammende Mann. "Es erwischte mich voll. Ich hatte unheimliche Schmerzen, konnte nicht mehr laufen", erinnert sich B. Zum Glück kamen kurz darauf Jogger vorbei, die die Feuerwehr alarmierten. Währenddessen hatte das angriffslustige Wildschwein aber noch immer nicht das Weite gesucht. "Es umkreiste mich noch immer in einem Sicherheitsabstand von 20 Metern", berichtet der Garather, der nur wenige hundert Meter vom Waldrand entfernt wohnt.

Die Polizei rief Forstverwalter Dankwart von Dörnberg. Er musste die aggressive Bache - so heißt ein weibliches Wildschwein im Jägerlatein - erschießen. "Das hat mir unheimlich leid getan, aber ich wusste zu dem Zeitpunkt ja nicht, was mit dem Tier los ist. Es hätte weitere Menschen gefährden können", erklärt der 48-jährige Förster. Sei eine Bache verletzt, reagiere sie sehr aggressiv auf jeden Menschen. "Und es standen eine Menge Schaulustige dort herum."

Wie sich herausstellte, war die Bache nicht verletzt, sondern gerade Mutter geworden. "Dann verteidigen sie ihre Frischlinge mit allen Mitteln", erklärt von Dörnberg. Das macht es für den Fachmann noch schlimmer: "Die vier Frischlinge haben alleine keine Überlebenschance. Ich muss sie jetzt finden und auch erlegen. So werde ich ungewollt zum Babymörder."

Von Dörnberg will keine Schuldzuweisung betreiben, aber er weiß, warum Wildschweine, die seit jeher im Garather Forst leben, auf einmal angreifen. "Die Spaziergänger bleiben nicht auf den Wegen, sie lassen ihre Hunde unangeleint laufen und sie füttern die Wildschweine. Dadurch gehen sie auch in den öffentlichen Bereich des Forsts." Im konkreten Fall könnte er sich aber auch vorstellen, "dass irgendjemand die Bache extrem geärgert hat und sie dann auf den gerade zufällig vorbeikommenden Herrn B. losgestürmt ist. Das Tier muss auf jeden Fall extrem gereizt worden sein. Es war eine alte und erfahrene Bache, mindestens sechs, sieben Jahre alt die reagieren erst viel später als junge Tiere."

Auf jeden Fall ist im Moment im Garather Forst besondere Vorsicht angesagt. Der März ist der Monat, in dem die Wildschweine ihren Nachwuchs bekommen. "In den ersten drei Wochen, wenn die Frischlinge noch nicht fluchtfähig sind, werden die Bachen dann besonders schnell aggressiv", erklärt von Dörnberg. Dann sind sie auch gefährlicher als die Keiler - die männlichen Wildschweine. "Die schlagen nur einmal mit ihren Hauern zu, die Bachen verbeißen sich und packen zu wie ein Schraubstock." 100 Kilo war die attackierende Wildsau schwer.

Waldgebiete In Düsseldorf gibt es zusammenhängende Waldgebiete in Angermund und Kalkum, in Grafenberg und Ludenberg, in Eller, Garath und Hellerhof. Der gesamte Düsseldorfer Stadtwald ist über 2000 Hektar groß. Der Garather Forst ist jedoch zum größten Teil Privatbesitz derer von Burgdorff. Der eingezäunte Forst hat 280 Hektar Fläche.

Tierwelt In den Wäldern am Stadtrand gibt es Rehe, Damwild, Rothirsche, Dachse, Füchse, Hasen, Kaninchen und hunderte Vogelarten. Die meisten Tiere sind so scheu, dass die Spaziergänger sie nie zu Gesicht bekommen. Gefährlich kann es nur werden, wenn man die Spazierwege verlässt. Als Radfahrer und Hundebesitzer ist dies streng verboten. Fußgänger dürfen aber abseits der Wege laufen. Die größte Gefahr geht in der Tat von Wildschweinen aus. Allerdings gibt es dieses Schwarzwild freilaufend nur im Garather Forst - und dort auch nur in einem öffentlich nicht zugänglichen Bereich. Weil Spaziergänger aber immer wieder Futter für die Tiere auslegen, kommen die Schweine auch in den öffentlichen Bereich.