Warum Kölner und Düsseldorfer nicht dieselbe Sprache sprechen

Warum Kölner und Düsseldorfer nicht dieselbe Sprache sprechen

Die „Benrather Linie“ ist die Sprachgrenze zwischen Nord und Süd. In einem neuen Buch erklärt ein Wissenschaftler nun „Düsseldorfisch“.

Düsseldorf. Warum heißt es in Düsseldorf „Fläschke“, in Köln aber „Fläschje“? Warum nennt der Kölner einen kleinen Pott „Pöttje“, der Düsseldorfer aber „Pöttke“? Dafür hat Georg Cornelissen eine einfache, aber fundierte Erklärung: „Die Grenze zwischen süddeutschen und norddeutschen Dialekten verläuft durch Benrath.“

Foto: Cornelissen

Wo bei Hauptwörtern im Süden ein „J“ benutzt wurde, setzte sich im Norden das ‚K’ durch. Wie bei ‚Gläske’, ‚Döneke’ oder ‚e bisske’. Diese Grenze nennen Forscher die „Benrather Linie“. Sie verläuft mitten durch den Rhein und erreicht das rechte Ufer dort, wo Benrather Schlosssallee und Bonner Straße aufeinandertreffen.

Dies erläutert Cornelissen, Sprachwissenschaftler vom Landschaftsverband Rheinland, in seinem neuen Buch „Düsseldorfisch“, das er im Heine-Institut vorstellte. Dabei empfahl er, genau an dieser Stelle der Benrather Schlossallee der ‚Benrather Linie’ ein Denkmal zu errichten.

Düsseldorfisch ist Cornelissens Wort-Neuschöpfung. Das entspricht dem, was manche als Düsseldorfer Platt oder Düsseldorfer Umgangssprache bezeichnen — wie man ja auch von Berlinerisch oder Hamburgerisch spräche. Aber das klinge nicht so schön wie Düsseldorfisch, meint Cornelissen. Anders als der Kölner tut sich der Düsseldorfer eh’ schwer mit Mundart. Das habe bereits vor 60 Jahren der Mundartdichter Hans Müller-Schlösser (1884-1956) beklagt.

In der Domstadt pflegen wohlhabende alte Familien ihren Dialekt. In Düsseldorf indes gehörte im 19. Jahrhundert derjenige, der Platt sprach, lange zur unteren sozialen Schicht. Hochnäsig blickte man auf die herab, die nicht des Hochdeutschen mächtig waren oder auf die, die verunglücktes Hochdeutsch sprachen. Das sei, so Cornelissen und die Mundart-Spezialistin Monika Voss, bis heute ein Problem. Obwohl die Düsseldorfer stolz auf ihre ‚Benrather Linie’ sein könnten. „Leider haben sie wegen der Geringschätzung der Mundart wenig daraus gemacht,“ bedauert der in Bonn lebende Experte.

Dabei beruft sich die Wissenschaft, so Cornelissen, auf die Fragebögen, die Georg Wenker 1876 an Lehrer im Gebiet zwischen Emmerich im Norden und der Mosel im Süden schickte. Sie sollten 42 hochdeutsche Sätze in ihren Dialekt übertragen. Aus den Rückläufen seiner Erhebung schloss er auf eine Mundart-Grenze und nannte sie Benrather Linie.

In seinem leicht lesbaren und informativen Buch mit Abbildungen und Grafiken erläutert Cornelissen — fern von allem Fachchinesisch — die Hintergründe dieser Grenze und des rheinischen Regiolekts. Und gibt auch ‚Zugereisten’, also Neu-Düsseldorfern, Informationen darüber, wie der Dialekt die regionale Umgangssprache beeinflusste. Letztere gilt bei vielen auch als die „Dat- und Wat-Sprache“.

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