Warum es am Gründonnerstag überall so grünt

Warum es am Gründonnerstag überall so grünt

Der Name ist Programm: Wir haben Experten gefragt, warum der Gründonnerstag eigentlich grün ist und wofür die Farbe steht.

Überlegen Sie kurz, was Ihnen alles zur Farbe „Grün“ einfällt. Haben Sie es? Da wäre beispielsweise das Kinderlied „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“, Frösche, der Musical-Song „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“, Grünzeugs, Popeye, Raupen, Kiwis, aber auch Slimer von den Ghostbusters. Okay, das ist jetzt nur eine kleine Auswahl. Und nun aber wieder ernst, denn heute ist ein besonderer Tag.

Foto: JM

Gründonnerstag. Man nennt ihn auch den „Heiligen Donnerstag.“ Er ist verheißungsvoller Vorbote, führt er doch zum Karfreitag hin. Im Christentum wird an diesem Tag des letzten Abendmahls Jesu vor seiner Kreuzigung gedacht. Mit ihm beginnt das sogenannte „Triduum Sacrum“, die Feier der drei Ostertage Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag, an denen des Leidens, des Todes und auch der Auferstehung Jesu gedacht wird. Aber warum ist der Gründonnerstag eigentlich grün? Und wofür steht diese Farbe?

Ralf Breitkreutz, Pfarrer der evangelischen Lutherkirchengemeinde: „Das Grün in Gründonnerstag hat nichts mit der Farbe zu tun. Obwohl es früher Überlieferungen und Bräuche gab, an diesem Tag kein Fleisch, sondern grünes Gemüse zu essen. Zum Beispiel Spinat mit Spiegelei. Das war gerade in der Nachkriegszeit so. Aber das „Grün“ kommt vom Althochdeutschen „Grunen“, was so viel bedeutet wie greinen oder weinen. Denn der Tag erinnert an die Passionsgeschichte. In der Lutherkirche feiern wir heute ein ganz besonderes Abendmahl mit der Gemeinde. Wir werden alle auf Stühlen an einem Tisch sitzen und gemeinsam Brot und Wein zu uns nehmen.“

Volker Struckmeier, Sprachwissenschaftler, über das Wort Gründonnerstag: „Nach Konsultation der einschlägigen etymologischen Wörterbücher kann ich verlässlich sagen: Niemand weiß so ganz genau, warum der Gründonnerstag so heißt, wie er heißt. Relativ gut belegte Annahmen sind, dass in der Woche vor Ostern besonders viele grüne Speisen gegessen wurden. Alternativ auch bestimmte Pfannkuchen, die viele grüne Kräuter enthielten. Das sagt das Grimm’sche Wörterbuch.

Die Woche vor Ostern wurde insgesamt als „grüne Woche“ bezeichnet, weil die Kreuze in der Kirche mit grünen(den) Pflanzen geschmückt wurden. Einige andere Deutungen wie beispielsweise bei Wikipedia gibt es auch noch, die mir aber wohl weniger glaubhaft erscheinen.“

Sandra Hufnagel, Feng-Shui-Expertin, über die Farbe Grün: „Feng Shui ist eine jahrtausendealte chinesische Harmonie-Lehre, die übersetzt „Wind und Wasser“ bedeutet. Sie untersucht die Energie zwischen Raum und Mensch und die Wechselwirkung. Wir beeinflussen unsere Umgebung und die Umgebung beeinflusst uns auch.

Grün gehört zum Element Holz. Es steht für verschiedene Dinge wie den Frühling, Neubeginn, Frische, Erneuerung. Die Elemente sind Wasser, Holz, Feuer, Erde, Metall. Holz wird wiederum von Wasser genährt. Stellen Sie sich eine grüne Wiese vor einem See vor. Da sprießt was, da wächst was. Denken Sie aber auch an Krankenhäuser, hier wird Grün eingesetzt, denn es ist angstnehmend. Auch ein Wohnzimmer in Grün ist anders als ein Wohnzimmer, das in Rot gestrichen wird.

Reiner Wallbaum, Industriedesigner, über die Farbe Grün: „Grün ist eine schöne, androgyne, große und sympathische Farbe. Sie hat ein breites Spektrum und kann vielseitig kombiniert werden. Grün wird mit Hoffnung, Gelassenheit, und Fruchtbarkeit verbunden. Es kann aber auch für das Gegenteil stehen, nämlich Gift oder Wut. Es heißt ja auch „ich werde giftgrün“. Hexen sind häufig grün.

Grün lässt sich bei Konsumgütern wie Thermoskannen, Stiften und Gartenprodukte sehr gut einsetzen, denn es hat eine gute Akzeptanz. Genau wie die Farbe Orange, die auch eine große Akzeptanz hat. Mambagrün war übrigens auch der Ford Mustang von Steve MacQueen. Früher waren viele Maschinen - Werkzeugmaschinen - grün, das sollte beruhigend sein. Heute noch sind viele Werkzeuge von Bosch und Makita grün.“

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