Warum eine Anwaltskanzlei auf eine Betriebskita setzt

Gutes Beispiel : Warum eine Anwaltskanzlei auf eine Betriebskita setzt

Was vor 14 Jahren eine Art Pioniertat war, hat sich bis heute für Cohausz & Florack ausgezahlt.

Das muss der kleinste Kindergarten Düsseldorfs gewesen sein, als die Anwaltskanzlei Cohausz & Florack im Jahr 2005 ihre Betriebskita eröffnete. Denn gerade einmal zwei Kinder spielten dort zu Beginn in den frisch umgebauten Räumen des Unternehmens an der Bleichstraße 14. Man darf das schon eine kleine Pioniertat nennen, was die Partner damals auf die Beine stellten. Die Struktur für U-3-Betreuung war ja längst noch nicht so ausgebaut wie das heute in Düsseldorf der Fall ist, und Betriebskitas waren auch viel seltener als heute. So wurde das Unternehmen sogar mit dem Azur-Award ausgezeichnet, einem Branchenpreis für besonderes Engagement als Arbeitgeber.

„Aber auch heute noch ist so eine Betriebskita längst nicht selbstverständlich“, sagt Ulrike Alice Ulrich, Rechtsanwältin und Partnerin bei Cohausz & Florack und verantwortlich für die Kindertagesstätte. Sie ist die Mutter eines der Kinder gewesen, die vor 14 Jahren den Anfang machten. Heute ist ihr Nachwuchs 15 und 12 Jahre alt. Auch wenn die meisten Unternehmen den Aufwand scheuen, eine Kita zu gründen, steht für Ulrich fest: „Für uns hat sich das sehr gelohnt.“ Und das, obwohl das Unternehmen mit seinen 120 Mitarbeitern ganz andere Voraussetzungen als Konzerne wie die Metro, Henkel oder L’Oreal hat, die ebenfalls Betriebskitas in Düsseldorf unterhalten. Gerade einmal zehn Plätze gibt es in der „CF-Kinder e.V.“

Die Vorteile liegen für Ulrich auf der Hand: Die Kita macht es den Mitarbeitern möglich, falls gewünscht, auch sehr schnell nach der Elternzeit in den Job zurückzukehren. Das war auch der Ursprungsimpuls, die Kita zu gründen. Hinzu kommt: Die Eingewöhnungsphase für den Nachwuchs ist nicht ans Kindergartenjahr gebunden und lästige sowie zeitaufwendige Bewerbungsverfahren in der Kitalandschaft der Stadt fallen weg. Für das Unternehmen sieht Ulrich sogar Standortvorteile: „Bei Bewerbungsgesprächen stellen wir immer wieder fest, dass dieses Angebot sehr gut ankommt.“

Das unterstreicht auch Johanna Torkuhl vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann. „Es kann handfeste wirtschaftliche Gründe für Unternehmen geben, eine Betriebskita zu gründen. Das kann etwa eine Hilfe bei der Suche nach Fachkräften sein.“ Dennoch sagt auch sie, seien die Kitas oder auch Großtagespflegen gerade bei kleineren Unternehmen immer noch Einzelfälle. Sie betont zudem den Vorteil, die Öffnungszeiten der Kita selbst bestimmen und an die Arbeitszeiten anpassen zu können.

Auch Kinder von außerhalb können Platz bekommen

Doch nicht nur für die Eltern und das Unternehmen ergeben sich aus Sicht von Ulrich Vorteile, sondern auch für die Kinder. Da es sich um eine sehr kleine Gruppe mit maximal zehn Kindern handelt und von den drei Erzieherinnen immer zwei da seien, herrsche eine sehr persönliche Atmosphäre.

Übrigens haben auch Kinder von außerhalb des Unternehmens eine Chance, aufgenommen zu werden. Aktuell sind es zwei. Jedoch gehen die Mitarbeiter des Unternehmens vor. „Aber wir mussten noch nie jemandem kündigen. Wir lassen grundsätzlich lieber einen Platz unbesetzt, damit wir immer einen Puffer haben“, sagt Ulrich.

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