Warum diese Düsseldorferin gerne Trainerin bei "Sport im Park" ist

Freizeitangebot : Sport im Park: Ein Open-Air-Training mit Überraschungseffekt

Anna Rogalev (19) ist in ihrem dritten Jahr bei Sport im Park als Trainerin dabei. Für sie ist es jedes Mal spannend: Wer und wie viele teilnehmen.

Die Trainerin lächelt. Für sie sind die Bedingungen heute absolut perfekt. Es ist trocken, die Sonne kommt langsam heraus und mehr als 20 freundliche Menschen bilden einen Halbkreis um sie. Die 19-Jährige atmet tief ein, reckt Kopf und Arme gen Himmel. „Lasst uns loslegen!“

Anna Rogalev startet in ihr drittes Jahr als Trainerin bei Sport im Park. Seit 2015 bietet die Stadt das kostenlose Programm an. Unter freiem Himmel, in Parks, auf Grünflächen oder Spielplätzen wird unter professioneller Anleitung trainiert. Heute macht Anna mit ihrer Gruppe auf dem Spielplatz am Tannenhofweg funktionales Training – ein gesundheitsorientiertes Workout, bei dem ausschließlich mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet wird. Bauch, Beine, Po, Arme und Rücken werden gleichermaßen beansprucht. „Das Schöne bei Sport im Park: wirklich jeder kann mitmachen“, betont Anna Rogalev. Sie will mit ihrem Training keinen Teilnehmer überfordern, gleichzeitig geübte Sportler aber auch nicht langweilen. „Ich gebe ein ordentliches Tempo vor, an dem sich die geübten Sportler orientieren sollen. Außerdem zeige ich auch immer etwas schwierigere Varianten einer Übung. Der Rest der Gruppe macht dann die Basis-Übungen im individuellen Tempo“, erklärt sie.

Die Düsseldorferin war zehn Jahre alt, als sie mit Sport-Akrobatik begann. Sie trainierte fünf bis sechs Mal in der Woche, mit 17 unterrichtete sie Gruppen im Leistungszentrum. „Wenn man diesen Sport ausübt, lernt man Eigendisziplin“, sagt sie. Eine Eigenschaft, die ihr auch heute im beruflichen Alltag hilft. Im März hat sich die ausgebildete Fitnesstrainerin selbstständig gemacht. Ihre Kunden: Menschen, die im Personaltraining abnehmen oder Muskeln aufbauen wollen, an ihrer Kondition arbeiten oder ihre Beweglichkeit verbessern wollen. Auch mit Studios arbeitet die junge Frau zusammen. Dass sie dieses Jahr wieder bei Sport im Park dabei ist, freut die 19-Jährige sehr. „Es ist jedes Mal spannend. Man weiß nie, wer kommt, wie viele kommen. Wie beeinträchtigt sie körperlich vielleicht sind“, sagt sie. Und auch das Wetter sei ein Überraschungsfaktor – das Training findet auch bei Regen statt.

Am Montagmorgen in Vennhausen nutzen das Angebot überwiegend ältere Frauen und Männer. Aber auch junge Frauen und Männer, die heute nicht arbeiten müssen oder in Elternzeit sind, nutzen das unverbindliche und kostenlose Sportangebot. Zwei Frauen haben ihre Kinder mitgebracht. Eine davon ist Simone Wollenweber. Ihre 17 Monate alten Zwillinge wuseln auf dem Spielplatz herum, während die Vierfach-Mama versucht, sich in Form zu bringen. „Ich glaube, ich habe das letzte Mal während meines Studiums Sport gemacht“, sagt sie und lacht. Mit ihrem sieben Jahre alten Sohn hat sie vereinbart: Er übt lesen, wenn sie sich fit fürs Longboard macht. „Daran arbeite ich also jetzt.“ Schon im vergangenen Jahr hat sie das Sport-im-Park-Angebot genutzt. „Aber da fand das Training im Veenpark an einer stark befahrenen Straße statt. Da kam man sich immer sehr beobachtet vor“, sagt sie.

Anna Rogalev ist mittlerweile bei den Bein-Übungen angekommen. In der Gruppe ist das erste leise Stöhnen zu hören. Am Rande der Fitnessfläche hat die 19-Jährige ein vertrautes Gesicht entdeckt. Eine 85-jährige Vennhauserin stützt sich auf die Gehhilfe und hebt das Bein im vorgegebenen Takt. Vergangenes Jahr hat die Seniorin noch mittrainiert, heute schafft sie es wegen ihrer Hüfte nicht mehr. „Bei den Dehnübungen mache ich aber noch mit“, sagt sie. Auch Sigrid Lobert ist eine treue Anhängerin des Angebots. „Der Körper will gepflegt werden“, sagt sie. Ihre Rückenprobleme habe sie durch regelmäßiges Turnen heilen können. Auch heute wird die 80-Jährige nach dem Training wieder „gelockert und voller Energie“ nach Hause radeln und sich auf die nächste Runde in der kommenden Woche freuen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung