Gastkommentar: Warum die Kö nicht autofrei werden sollte

Gastkommentar : Warum die Kö nicht autofrei werden sollte

In einem Gastkommentar erklären zwei Mitarbeiter der Immobilien-Firma Engel & Völkers, warum sie eine Kö ohne Autos für falsch halten.

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel wirbt aktuell für eine zumindest teilweise Verbannung des privaten Pkw-Verkehrs von der Königsallee. Er plant, auf der stark durch hochwertigen Einzelhandel dominierten Ostseite der Königsallee die Nutzung durch private Pkw zu untersagen. Welche Risiken entstehen dadurch für die Einkaufsstadt Düsseldorf?

Die Königsallee – ca. einen Kilometer lang und im Hauptteil knapp 85 Meter breit – wurde als Boulevard für alle Verkehrsteilnehmer angelegt. Fußgänger, Pkw und Fahrräder finden ausreichend Raum. Das Aushängeschild für die Einkaufs- und Modemetropole Düsseldorf ist geprägt von der Konzentration internationaler Top-Brands, die sonst in dieser Dichte europaweit nur schwer zu finden ist. Das Nebeneinander von Modelabels wie Chanel, Dior, Hermès, Prada, Louis Vuitton, miu miu und vielen anderen übt eine einzigartige Anziehungskraft auf Kunden aus aller Welt sowie auf Menschen im 100-Kilometer-Umkreis Düsseldorfs aus. Das aktuell bestehende Gesamtkonzept der Königsallee wird bei Händlern, Besuchern der Stadt, sowie auch Eigentümern der entsprechenden Immobilien als nahezu perfekt angesehen. Dieses besondere Einkaufserlebnis gehört zur DNA von Düsseldorf und sollte nicht durch stadtplanerische Experimente, wie jüngst vom Oberbürgermeister beworben, aufs Spiel gesetzt werden.

Bei der geplanten Stilllegung des Prachtboulevards für den individuellen Pkw-Verkehr drohen eingeschränkte Wahrnehmbarkeit der Geschäfte und eine Verknappung der Parkplatzsituation. Der Wegfall von etwa 200 oberirdischen Stellplätzen beeinträchtigt den Ablauf für die Einzelhandelskunden auf der Königsallee erheblich, da ca. 60 Prozent mit dem eigenen Pkw anreisen. Für sie würde das Einkaufserlebnis durch die weiten Wege zwischen den verbliebenen Parkmöglichkeiten und den Geschäften an Attraktivität verlieren. Ausweichreaktionen in andere Lagen oder Städte sind die Folge. Bleiben die Kunden der Hauptzielgruppe erst einmal weg, ist eine Abwanderung von Top-Brands nur eine Frage der Zeit. Dies könnte eine Spirale in Gang setzten, die nur schwer umkehrbar ist.

Statt mit Konzepten aus der Nachkriegszeit des vergangenen Jahrhunderts, wie der Einrichtung von Fußgängerzonen zu hantieren, sollte die Stadt Düsseldorf den exzellenten internationalen Ruf der Königsallee nutzen, um sich als Vorreiter moderner Mobilitätskonzepte zu positionieren. So könnten auf der Königsallee Elektroladestationen für die neueste Generation der mobilen Fortbewegung entlang der Längsparkplätze zur Verfügung stehen. Auch reservierte Zonen für Car-Sharing-Fahrzeuge wären ein Zeichen für moderne Stadtentwicklung. Wenn nicht hier – wo sonst?!

Marc Müller-Kurzwelly, Leiter Wohn- und Geschäftshäuser und Axel Berle, Leiter Gewerbeimmobilien bei Engel & Völkers Commercial Düsseldorf

Mehr von Westdeutsche Zeitung