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Düsseldorf: Wald ist Spielplatz für die Kleinen

Düsseldorf : Wald ist Spielplatz für die Kleinen

In der Kita Waldkobolde verbringen die Kinder den ganzen Tag draußen. Für Regentage gibt es jetzt einen Bauwagen.

Düsseldorf. Es regnet in Strömen: Von der Kapuze bis zu den Gummistiefeln steckt Titus in Regenkleidung, zusätzlich geschützt unter einer Plane. Konzentriert schüttet der Vierjährige mit einer Schaufel Wasser aus einer Pfütze in eine kleine Gießkanne. Er liebt es, draußen zu sein — die anderen Kinder des Waldkindergartens haben es sich hingegen in ihrem Wagen gemütlich gemacht.

Denn auch wenn draußen das Abenteuer wartet — wenn es gar nicht geht, verbringen sie gerne auch mal Zeit drinnen, in ihrem neuen Reich. Der neue Bauwagen der Waldkobolde, die als Düsseldorfer Verein im Hildener Westen einen Platz gefunden haben, ist mit allem auf engstem Raum ausgestattet. Er wurde jetzt mit einem Fest eingeweiht.

Ein Kamin, jede Menge Regalbretter für Spiele, ein großes Bett und als Raum im Raum eine Campingtoilette haben darin Platz. Es gibt keine Bau- und Puppenecken — die Kinder kommen mit wenig aus, haben Spaß am Memory oder an einer Kissenschlacht. Fantasie und Bewegung ist das Stichwort, und an einem normalen Tag sind sie ohnehin im Wald.

„In der Natur gibt es jede Menge zu entdecken, jeden Tag aufs Neue, jede Jahreszeit aufs Neue“, erklärt die Kita-Leitung Tanja Meurer. Fast täglich machen sich die Erzieher mit ihrer Gruppe von 18 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren auf an einen der 15 verschiedenen Plätze, die Pädagogen im Garather Forst ausgewählt haben. Einer davon heißt Dinogrube — ein Name, den die Kinder erfunden haben, weil es dort so aussieht, als würde ein Dinosaurier in einem Krater hausen. Ein anderer heißt der Platz der Baumriesen. Dort gibt es stets ein wechselndes Programm.

Zunächst erkunden die Kinder ihre Umgebung: Pflanzen, Bäume, Schmetterlinge, Käfer. Danach gibt es Aktivitäten wie Basteln mit Blüten und Blättern oder Geschichten. Wichtig ist den Erziehern dabei vor allem eins: das eigene Erkunden und Entdecken. „Kinder brauchen nicht viel. Die Natur bietet eine Fülle an Anregungen für selbst ausgedachte Spiele“, sagt Meurer. Stöcke werden zu Zauberstäben, das Gebüsch zur Burg. Auch Bewegung spielt eine große Rolle: über Baumstämme balancieren, klettern, Wege über Wurzeln und durch Mulden finden. Auch im Winter, auch wenn es zwischendrin nieselt — solange die Kinder gut eingepackt und motiviert sind.

Eine Feuerstelle vor dem Bauwagen an der Horster Allee 5 spendet Wärme. Mit diesem Konzept, in der Natur zu lernen, treffen die Waldkobolde — einer von zwei Waldkindergärten in Düsseldorf — durchaus auf Interesse. Die Leitung müsse immer wieder auch mal Eltern absagen. „Meine Kinder sollen so lange es geht hier bleiben. Vorgaben und Stillsitzen kommen in der Schule früh genug“, sagt Silvia Gerigk, die Mutter von Titus und einer sechsjährigen Tochter. „Es ist unglaublich, was die Kinder lernen: Mein Sohn kann mir die unterschiedlichen Arten von Rinden an den Bäumen erklären. Und was das Toben im Wald für seine körperliche Entwicklung tut, ist ohnehin offensichtlich.“ Die Vorschulkinder haben dennoch teils ein extra Programm, um alles zu wissen, was bei Schuleintritt nötig ist.