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Wahre Sammelleidenschaft: Ein Keller voll Fortuna

Wahre Sammelleidenschaft: Ein Keller voll Fortuna

Der Solinger Bernd Bremer ist ein Fortuna-Verrückter und sammelt alles rund um seinen Klub.

Düsseldorf. Es gibt Fans, die sammeln Eintrittskarten. Es gibt Fans, die sammeln Stadionhefte. Es gibt Fans, die sammeln Trikots. Und es gibt Bernd Bremer, der sammelt alles — wirklich alles.

Der 45 Jahre alte Solinger ist ohne Übertreibung Fortuna-süchtig. Das sind zwar viele, gerade in Zeiten des Erfolgs. Doch so ausgeprägt, wie Bremers Liebe zu den Rot-Weißen durch alle Ligen geht, ist sie selten.

Sofern es Familie und Job zulassen, gibt es für ihn nur Fortuna. Egal, wann und wo „die Jungs“ spielen, Bremer ist vor Ort. Ob Heim-, Auswärts- oder Pokalspiel, ob Trainingslager oder Testspiel — die einzigen Spiele, die er in den vergangenen Jahren verpasst hat, waren die, als zeitgleich seine vier Kinder auf die Welt kamen.

Er hat alle Aufstiege erlebt, alle Abstiege, war selbst als einziger Fortunafan (ergänzt nur von seiner Frau) 1989 bei einem Testspiel in Chemnitz — bevor die Berliner Mauer fiel.

Nur wenige Wochen später erlebte Alexander Ryan sein erstes Livespiel bei Leverkusen II. Da Kleinkinder in der Bayarena freien Eintritt haben, durfte er ohne Eintrittskarte rein. Bremer wollte dieses historische Dokument in der vermutlich lebenslangen Fankarriere seines Jüngsten aber unbedingt haben und bestand darauf, ein Ticket zu kaufen. Die verdutzten Blicke der Ordner waren ihm egal, „mein Sohn wird es mir irgendwann danken“, sagt er schmunzelnd.

Um aber in die Fußstapfen des Vaters zu treten, reicht die eine Karte nicht aus. Denn Bremer sammelt alles, was irgendwie in Verbindung zu Fortuna steht. So nennt er nicht nur mehr als 2500 Eintrittskarten seit 1933 sein Eigen, Bremer hat nahezu alle Stadionhefte, Spielankündigungsplakate, Vereinsnachrichten, Bücher, Festschriften, Wimpel, Schals, Trikots — einfach alles, was einem Fortunafan das Herz höherschlagen lässt.

Dazu sammelt er Festschriften und Chroniken aus der „wilden Zeit“ des Fußballs um das Jahr 1900 oder der Weimarer Republik. Er hat eine Olympiamedaille von 1936, alle Eintrittskarten der WM-Endrunde 1954, private Briefe von Paul Janes und dessen Original-Trainerschein, den ersten Kicker, Fotoalben ehemaliger Fortuna-Spieler, Originalzeitungen vom 12. Juni 1933 — dem Tag nach der Deutschen Meisterschaft.

Es sind so viele Eindrücke, die auf einen prallen, wenn man in seinem persönlichen Museum steht, dass man sie gar nicht alle behalten kann. Doch wie kommt man dazu, sich auf diese Art und Weise für die Geschichte eines Vereins zu interessieren? „Alles fing auf einer der vielen Auswärtstouren an“, berichtet der Extremfan.

Ein Freund erzählte ihm von seiner eigenen Sammelleidenschaft — für Bremer der Startschuss, in diesen ihm bislang unbekannten Auswuchs der Fankultur zu schnuppern. „Mittlerweile habe ich ihn längst überholt“, sagt er. Selbst das offizielle Vereinsarchiv hat vermutlich nicht alles, was Bremer sein Eigen nennt.

Vieles hat er im Laufe der Jahre doppelt. „Kleine Sammlungen muss man manchmal komplett aufkaufen, auch wenn einen vielleicht nur ein Stück daraus interessiert.“ Manchmal geht er auch kuriose Geschäfte ein.

Einmal wollte er die Sammlung eines alten Fortunafans kaufen. Dieser wollte zwar kein Geld, die Stücke aber nicht umsonst abgeben. So einigte sich Bremer mit ihm, sich für zwei Jahre nach seinem Tod um die Grabpflege zu kümmern.

Seit 15 Jahren stöbert er täglich im Internet, telefoniert mit Sammlern, inseriert in Zeitungen oder kauft ganze Nachlässe ehemaliger Vereinsmitglieder oder anderer Fans. Immer auf der Suche nach etwas Neuem, etwas Außergewöhnlichem.

Die Karte vom Meisterschafts-Finale 1933 hat er, die vom Finale 1936 auch. „Das Schöne ist“, sagt Bremer, „man ist nie fertig. Ich kann nie sagen, dass ich alles habe.“ So wird es weiter gehen, für ihn und seine Fortunafamily.