Wahlplakat: Ärger ums grüne Hakenkreuz

Wahlplakat: Ärger ums grüne Hakenkreuz

Das Nazi-Symbol wird auf dem Plakat in den Müll gesteckt. Zeitzeugen fühlen sich von dem Bild dennoch verletzt.

Düsseldorf. Als Margitta Lehmanns zum ersten Mal an dem Plakat der Grünen Jugend am Heinrich-von-Brentano-Platz in Garath vorbeigelaufen ist, stockte ihr der Atem. Ein schwarzes Hakenkreuz sprang ihr ins Auge. Die 71-Jährige war schockiert - die vielen Nächte in Luftschutzbunkern im Zweiten Weltkrieg, die Jugend zwischen Trümmern, alles war wieder präsent.

Das Plakat ist eine Wahlwerbung der Grünen Jugend NRW - gegen Rechtsextreme. Das Hakenkreuz verschwindet auf dem Bild in einer Mülltonne. Die Jugendorganisation wollte vor der Kommunalwahl aufrütteln, ein Signal gegen das Erstarken rechtsextremer Parteien setzen. "Wir wollten provozieren", sagt die Landessprecherin Verena Schäffer. "Es gibt einfach kein anderes Symbol, das so stark für die Vernichtungspolitik der Nazis steht."

Das kann Margitta Lehmanns nachvollziehen. Doch genau aus diesem Grund ist ihr als Zeitzeugin die Wahlwerbung ein Dorn im Auge. Ganz besonders schlimm sei der Anblick der Plakatierung mit Hakenkreuzen für eine gleichaltrige Freundin, die als Jüdin während der NS-Zeit nach Israel fliehen musste. "Muss man ihr das antun? Für sie ist ein Hakenkreuz ein Hakenkreuz - egal ob in der Mülltonne oder nicht", sagt Margitta Lehmanns. "Wir wollen dieses Symbol einfach im Leben nicht mehr sehen."

Die Frauen haben jetzt auch den Seniorenbeirat der Stadt eingeschaltet. Dessen Vorsitzender Horst Grass kann die Vorbehalte gut verstehen. "Ich finde diese Plakatierung auch nicht gut, sie geht zu weit", sagt Grass. "Man sollte auf die Gefühle der Älteren Rücksicht nehmen." Speziell bei den Grünen sei die Kooperationsbereitschaft mit dem Seniorenbeirat sonst gut.

"Ich habe großes Verständnis für die Gefühle der Senioren", sagt die Grünen-Parteichefin Mona Neubaur. Aber sie stehe hinter der provokanten Wahlwerbung. "Wir haben lange über das Motiv diskutiert", sagt auch Verena Schäffer. Sie will jetzt nochmals Gespräche über die Plakate in der Organisation anregen. Auch mit Margitta Lehmanns sucht sie den Kontakt. "Es tut mir leid, wenn wir jemanden verletzt haben", sagt Schäffer.

Ein Rechtsstreit um ein ähnliches Motiv hatte bereits vor zwei Jahren für Aufsehen gesorgt: Der Bundesgerichtshof urteilte schließlich, dass die Verwendung durchgestrichener Hakenkreuze nicht strafbar ist, wenn die Distanzierung zum Nationalsozialismus deutlich erkennbar ist.

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