Wäre das Christkind doch in Düsseldorf-Wersten geboren

Stadt-Teilchen : Wäre das Christkind doch in Düsseldorf-Wersten geboren

Im Süden Düsseldorfs gibt es einen ganz besonderen „Stall“. Hier hätte sich auch das Christkind wohl gefühlt.

Wärst du, Kindchen im Kaschubenlande, wärst du, Kindchen doch bei uns geboren – seufzte Werner Bergengruen in seinem Kaschubischen Weihnachtslied: „Sieh, du hättest nicht auf Heu gelegen, wärst auf Daunen weich gebettet worden.“ Und: „Nimmer wärst du in den Stall gekommen …“.

Diese Zeilen dichte ich spontan um in ein Werstener Weihnachtslied, denn hier habe ich einen ganz besonderen „Stall“ entdeckt, als ich dieser Tage unfreiwillig unterwegs war in diesem Stadt-Teilchen, in das es mich ansonsten eher selten verschlägt. Mein Sport-Club an der Kö wird  dauerrenoviert, also musste ich für meinen Lieblingskurs ausnahmsweise an den Provinzialplatz ausweichen.

WZ-Kolumnistin Inge Hufschlag. Foto: NN

Es kostete mich Einiges an innerer Überredungskunst, meinen inneren Schweinehund dorthin auf den Weg zu bringen. Doch auf halber Strecke zwischen Stadtmitte und Benrath angekommen, nimmt er rasch Witterung auf und zerrt an der Leine, weg vom klotzigen Provinzialbau in Richtung eines kurzen, schmalen Durchblicks von der Siegburger in eine Nebenstraße.

St. Maria in den Benden, eine Kirche, die schon bei ihrer Einweihung mit dem Stall von Bethlehem verglichen wurde. Foto: St. Maria in den Benden

Mitten zwischen Stahl und Glas und Siedlungshäuschen öffnet sich ein unerwartet idyllisches Landschaftsbild: Die Wintersonne scheint tief durch eine Trauerweide, die Wiese ist mit knackigem Raureif bedeckt, junge Mütter schieben Kinderwagen am Seeufer entlang, Schulkinder werfen Steine ins Wasser. Am Rande verwittert ein ehemaliges Ausflugslokal, farblos bis auf  Graffiti-Schmierereien.

Am liebsten wäre ich hier geblieben und um den stillen Deichsee gelaufen, dessen Kultivierung vom Baggerloch zum Landschaftspark Wersten der Bundesgartenschau 1987 verdankt. Genauso wie das beschauliche Düsseldörfchen am Seeufer. Wohnen am Wasser, der wahre Luxus in Düsseldorf. Wie es scheint, nicht nur an dieser Stelle in Wersten. Auf der anderen Seite der Siegburger Straße fahren gerade Baufahrzeuge vor ein verwittertes Jugendstilhaus. Irgendjemand wird wohl in dieser verwunschenen Schönheit Potential entdeckt haben. Die Werstener wissen, was sie an ihren Herbergen haben, davon kündet auch eine Website, und zwar folgende:

www.wohlfühlen-in-wersten.de.

Insgeheim setze ich das neu entdeckte Wersten schon mal auf meine Wohnwunschliste, falls ich noch mal umziehen muss. Vielleicht wird ja bis dahin der einst geplante zweite Bauabschnitt des Düsseldörfchens doch realisiert, und ich könnte hier vor Weihnachten fernab der rummeligen Weihnachtsmärkte zur Ruhe kommen.

Ach, wärst du, Kindchen, doch in Wersten geboren. Dann hätte dich St. Maria in den Benden sicher warm empfangen. Schon bei ihrer Einweihung wurde die  Kirche mit dem Stall von Bethlehem verglichen. Ihr Architekt Emil Steffann wollte mit ihr in einer gottentfremdeten Welt eine Herberge für ein wanderndes, suchendes Gottesvolk errichten. Das ist ihm gelungen. Gerade in der Weihnachtszeit, wenn unter einer Holzkonstruktion über dem Altar die Kirchenbesucher zu Krippenfiguren werden. Lebendige Weihnacht in Wersten.

Und siehe, da waren Hirten auf dem Werstener Feld.