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„Wa Wa“ in Düsseldorf wird kleiner, hat dafür aber zwei Vorboten

Kultur : „Wa Wa“ wird in diesem Jahr kleiner, hat dafür aber zwei Vorboten

Bevor sich Künstler Ende August an der Flurstraße treffen, gibt es in Flingern zwei Rundgänge.

In Geschichten über Düsseldorfer Kultur-Veranstaltungen kommt man schon fast ohne das C-Wort aus. Corona ist zwar die Ursache dafür, dass Festivals nicht unter dieser Bezeichnung und auch anders als geplant stattfinden. Ansonsten aber haben die Macher ziemlich zügig ziemlich gute Konzepte entwickelt. Das Asphalt-Festival ist auf eine Seebühne am Schwanenspiegel gewechselt, das New-Fall-Festival hat sich eine Sommerausgabe mit Konzerten im Ehrenhof verpasst. Das jüngste Beispiel für kreative Krisenbewältigung kommt aus Flingern – und ist auch dort geblieben. Der Verein Kabawil hat die Termine, die unter dem Titel „Wa Wa“ laufen, in der Hauptsache für den 26. bis 30. August geplant, ein bisschen los geht es aber schon am 15. und am 22. August. Der Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen ist frei. Die meisten von ihnen finden unter freiem Himmel im 2000 Quadratmeter großen Hof des Vereins statt. Es gelten die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln.

Zu Kabawil muss man zwei Geschichten erzählen. Fangen wir mit dem Verein selbst an: Den gibt es seit 2003. Er organisiert Workshops und Kulturprojekte, in denen Künstler, Pädagogen und Kulturmanager, viele davon mit migrantischen Wurzeln, Interessierten künstlerische Techniken vermitteln und die kreativen Arbeitsprozesse begleiten. Seit 2008 ist Kabawil in Flingern zuhause. Im Hinterhof an der Flurstraße 11a stehen 300 Quadratmeter mit Probe- und Aufführungsräumen sowie Studios zur Verfügung. In der Corona-Zeit haben der Verein und die Künstler, die mit ihm verbunden sind, viele Formen gefunden, trotzdem zu arbeiten. Sie haben Konzerte aufgenommen und ins Internet gestellt, Tanztheater-Training per Videochat und für Schulen ermöglicht, Diskussionen mit Kindern im Livestream organisiert.

Einen wichtigen Teil der Kabawil-Arbeit bildet das Festival, das dieses Jahr seine vierte Runde erleben sollte. Eigentlich dauert es zehn Tage und heißt das „Wa Wa“. Diese Lautmalerei hat viele Bedeutungen, sagt die Kabawil-Projektleiterin Petra Kron, sie beschreibt einen Baum in Westafrika, eine Figur in „Urmel aus dem Eis“, eine Sprache, ein Gitarrenpedal – und steht damit für die Vielfalt, die Kabawil kulturell wie menschlich ermöglichen möchte. „Wa Wa“ ist in diesem Jahr kein Festival, sondern besteht aus verschiedenen Veranstaltungen an fünf Tagen.

Die Vorboten sind Rundgänge mit besonderen Themen. Die Künstlerin und Musikerin Miki Yui und der Musiker Thomas Klein starten am 15. August um 17 Uhr eine akustische Tour durch den Stadtteil und präsentieren den Teilnehmern Fieldrecordings, Klangschichtungen, Kompositionen und Hör-Übungen. Eine Anmeldung ist bis zum 12. August unter klein@kabawil.de erforderlich. Der Treffpunkt für den Rundgang wird nach Anmeldung bekannt gegeben.

Eine Woche später besucht der Musiker Stefan Schneider mit seinen Teilnehmern fünf Keller in Flingern. Sein Gedanke: In der modernen Großstadt finden wir nur noch sehr selten natürliche Höhlen, haben aber unter der Oberfläche ein weit verzweigtes Geflecht aus Unterbauten, Kanälen und Kellern, die dem Tageslicht und dem öffentlichen Blick entzogen sind. Kellerräume haben dabei unterschiedlichste Funktionen und werden als Lagerraum, Wohnort, Laden, Garage, Arbeitsraum oder Werkstatt genutzt. Eine Anmeldung ist bis zum 19. August unter info@kabawil.de erforderlich.

Das Hauptprogramm des Festivals beginnt mit einem Abend des Wortes. Die Besucher hören Texte aus verschiedenen Schreibwerkstätten, einen Rapper, eine Poetry Slammerin und Geschichten von wohnungslosen Frauen. Am 27. August (18 Uhr) eröffnet der Verein eine Doppel-Ausstellung mit Schwarz-Weiß-Bildern von Lukas Godec und Fotos in sehr lebendigen Farben von von Kwame Acheampong. Zudem werden auf dem Podium schwarze Deutsche über die Frage „In welchem Düsseldorf wollen wir leben?“ diskutieren. Studierende der Hochschule Düsseldorf fahren mit ihrem Ü-Wagen in den Hof und strahlen Videos aus, die sich Gäste angucken können, wenn sie einen Teppich mitbringen und sich neben den Wagen setzen.

Höhepunkt von „Wa Wa“ ist am 29. August ab 12 Uhr das Nachbarschaftsfest. Dort wird es Tanz auf Distanz und von den Gruppen des Vereins geben, eine Summ-Meditation im Freien, internationales Essen (Geschirr und Besteck müssen die Besucher mitbringen) sowie Musik von Steve Savage und der Kabawil-Family-Band, die alle ihre Stücke selber schreibt und komponiert.