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Vorbilder für neues Technisches Rathaus stehen in den Niederlanden

Vorbilder für neues Technisches Rathaus stehen in den Niederlanden

Der Gebäudekomplex am Hennekamp ist marode. Inspirationen hat die Stadt in Utrecht und Venlo gefunden.

Düsseldorf. Für den Standort des neuen Technischen Rathauses gibt es noch zwei Kandidaten, für das Konzept schon klare Vorstellungen. Die neue Adresse wird Moskauer Straße (zwischen Tanzhaus/Capitol und dem Gerichtszentrum in Oberbilk) oder Völklinger Straße (Bilk) lauten. Für die Art des Baus haben sich Delegationen aus Düsseldorf die neuen Rathäuser in Venlo und Utrecht angeschaut. Beides würde einige zentrale Wünsche der Mitarbeiter schon einmal erfüllen. Experten schätzen, dass es rund fünf Jahre dauern würde, bis das neue Gebäude bezogen werden könnte.

Das Technische Rathaus in seiner heutigen Form wird es nicht mehr lange geben. Kämmerin Dorothee Schneider hatte im vergangenen Sommer erklärt, dass die Sanierung der Gebäude an der Ecke von Hennekamp und Brinckmannstraße mehr als 70 Millionen Euro kosten würde. Das wäre bei einem Teil des Komplexes noch wirtschaftlich vertretbar, beim Rest nicht mehr. Folglich ist der Umzug sicher, die Frage ist nur, wohin. Schöner Nebeneffekt für die Stadt: Sie könnte das Gelände mit unmittelbarer Nähe zu A46 und Wehrhahn-Linie verkaufen und mit einer sehr ordentlichen Summe für den Haushalt rechnen.

In Venlo hat die dortige Verwaltung im Oktober 2016 ein neues Gebäude eröffnet. Die Düsseldorfer Delegation mit Oberbürgermeister, Amtsleitern und Architekten traf auf ein Haus, das nach dem Prinzip der Kreislauf-Wirtschaft funktioniert (Fachbezeichnung: cradle to cradle). Es entsteht kein Abfall, alle Teile des Hauses können wieder verwertet werden. Dass das Haus hohen ökologischen Ansprüchen gerecht wird, signalisiert es schon mit seiner Fassade. Sie ist grün, mehr als 100 Pflanzensorten wachsen dort. Und so geht es in dem elfgeschossigen Gebäude mit Platz für 900 Mitarbeiter weiter: Ein Gewächshaus sorgt mit für gute Luft, die Glasfassade ist so konzipiert, dass in allen Jahreszeiten die passenden Temperaturen herrschen, Solarpaneele erzeugen Strom, einfache Abwasser werden im Haus gereinigt. Für all das hat Venlo viel Aufmerksamkeit erhalten, die auch zu anderen Düsseldorfer Ausrichtungen passt. Schließlich will die Landeshauptstadt mit Fahrrad- und E-Mobilitäts-Offensive grüner werden.

In Utrecht faszinierte, dass das Gebäude und die Inneneinrichtung so konzipiert sind, dass die Dienstleistungsbereiche besser zusammenarbeiten und das Ganze für die Bürger zugleich transparenter wird. Die ersten Geschosse sind für den öffentlichen Service vorgesehen, drei Stockwerke dienen als Begegnungsstätten (Plazas). Die Inneneinrichtung soll so flexibel sein, dass sie immer zu den Aufgaben und Projekten der Mitarbeiter passt. Die Düsseldorfer Verwaltungsspitze will noch nach Utrecht reisen, um mehr über die Erfahrungen mit diesem Ansatz zu lernen.

Bei der Suche nach einem Standort gab es auch die Diskussion, ob der Neubau mit der Stadtentwicklung verknüpft werden könnte. Die Überlegung war, einen Stadtteil aufzuwerten, wenn die vielen Beschäftigten der Stadt in ihrem beruflichen Umfeld zu Mittag essen und einkaufen. Garath war ein Name, der in diesem Zusammenhang fiel. Da die Stadt zugleich aber auch um guten Nachwuchs und Fachkräfte kämpfen muss, zeichnet sich eine zentrale Lage ab — etwa Bilk oder Oberbilk.

Die Moskauer Straße würde noch besser zu den Vorstellungen der Mitarbeiter passen als die Völklinger Straße. „Der ÖPNV muss in gewisser Nähe sein, es muss Abstellplätze für die Dienstfahrzeuge geben und eine gute Anbindung ans Radnetz inklusive Ladestationen für E-Bikes“, sagt Stefan Wittstock, stellvertretender Vorsitzender des Personalrats. Außerdem solle die Stadt beim Bau ihrer Rolle als sozialer Arbeitgeber gerecht werden. Dazu zählt Wittstock eine Betriebskita sowie ein modernes System der Publikumssteuerung einschließlich eines Sicherheitskonzeptes. „Der Ton ist in den vergangenen zehn Jahren leider rauer geworden.“

Mit Blick auf den Nachwuchs und die hohen Mieten in Düsseldorf schlägt der Personalrat auch noch vor, in der Nähe des neuen Rathauses ein Wohnheim für Auszubildende zu schaffen.