Düsseldorf: Von Sprachschätzen und der Benrather Linie

Düsseldorf: Von Sprachschätzen und der Benrather Linie

Der Düsseldorfer Dialekt variiert auch von Stadtteil zu Stadtteil. In einer neuen Reihe erklären wir ab Montag die Herkunft von Mundart-Begriffen.

Düsseldorf. Wer genau hinhört, der erkennt auch die feinen Unterschiede. Heinrich Spohr hört genau hin. Der Mundart-Experte weiß, dass es auch innerhalb der Düsseldorfer Mundart verschiedene Sprachfärbungen und unterschiedliche Wörter gibt. So sagt man etwa — wenn man von jemandem ein Buch haben will — in Volmerswerth: „Jiv mech dat Bohk“, in der Altstadt hingegen: „Don mech dat Bohk“. Spohr erklärt: „In der Altstadt waren die Franzosen, da hat sich das französische ,donner’ für geben etabliert.“

Auch sonst gebe es viele Unterschiede zwischen den Stadtteilen: „Die Benrather zum Beispiel singen beinahe, wenn sie reden. Und die Kaiserswerther wiederum sind näher an der Uerdinger Linie, wo das ,ich’ zum ,ick’ wird.“ Doch woher kommen solche Unterschiede? Spohr: „Deutschland ist kein einheitlicher Sprachraum gewesen. Hierzulande waren rheinische Dialekte verbreitet, deren unterschiedliche Färbung ineinander überging. Erst als das Rheinland preußische Provinz wurde, wollte man eine einheitliche Sprache in allen Landesteilen und hat die Hochsprache gefördert — und gleichzeitig versucht, die Mundart zurückzudrängen.“

Dabei verläuft quer durch Düsseldorf eine der wichtigen deutschen Sprachgrenzen, die Benrather Linie. Nördlich davon — also auch in der Düsseldorfer Mundart — sagt man „make“, südlich davon „machen“.

Die Herkunft von 555 Begriffen der hiesigen Mundart hat Heinrich Spohr im kürzlich erschienenen Buch „Dr Affekat em Zuppejröns“ erklärt. Einige dieser Sprachschätze bringen wir ab heute immer mittwochs und samstags auf dieser Seite — und zwar stets in der blauen Spalte. Heute geht’s los mit der „schäl Sitt“ — damit sind Oberkassel und alle anderen linksrheinischen Stadtteile gemeint. Anders als in Köln fehlt aber hier der negative Beiklang (siehe Spalte links).

Wer Heinrich Spohr live erleben will, kann das übrigens wieder beim Hohe-Straßen-Fest in der Carlstadt am 20. September. Dort hält Spohr traditionell kleine Stegreif-Vorträge — nach Vorschlägen aus dem Publikum.

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