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Düsseldorf: Von Minouche bis Majdanek: Die 31 größten Prozesse

Düsseldorf : Von Minouche bis Majdanek: Die 31 größten Prozesse

Ehemaliger Richter erzählt Düsseldorfer Justizgeschichte. Ab Freitag ist das Buch von Karl-Heinz Keldungs im Handel.

Düsseldorf. Karl-Heinz Keldungs war immer ein Richter mit Leidenschaft. Obwohl er zuletzt am Düsseldorfer Landesgericht für Bausachen zuständig war, hat den 68-Jährigen auch immer die dunkle Seite der Justiz fasziniert: „Strafrecht ist das, was einen Richter prägt.“ Nach seiner Pensionierung hat der Düsseldorfer die Zeit gefunden, in Archiven und alten Akten zu stöbern: „Die Idee hatte ich schon lange.“ Herausgekommen ist das Buch „Große Strafprozesse vor Düsseldorfer Gerichten“, das Keldungs am Freitag im Goethe-Museum vorstellen wird.

Genau 31 Prozesse hat sich der ehemalige Richter ausgesucht. „Man kann natürlich darüber streiten, was ein großer Strafprozess ist“, räumt er ein. Für ihn ging es darum, Verfahren vorzustellen, die überregional für Schlagzeilen sorgten oder richtungsweisend waren.

„Viele können sich noch an den Namen Minouche erinnern, obwohl der Prozess schon 50 Jahre her ist“, so Keldungs. Kein Wunder, denn das Verfahren hatte alle Zutaten, die eine Sex- and Crime-Geschichte braucht: eine wunderschöne Frau, Liebe, Eifersucht, den ersten Einsatz eines Auftragskillers. Und dazu ein Happy-End. Denn der Millionär schloss am Ende seine Gattin wieder in die Arme, deren Liebhaber ihn umbringen lassen wollte. Das Attentat scheiterte, das Opfer und Minouche lebten bis an ihr Lebensende glücklich zusammen.

Dann wieder gibt es Fälle, bei denen einem das Blut gefriert. „Das Massaker an der Tußmannstraße“ beschreibt den Mord einer vierköpfigen Familie. Der Täter hatte zuerst den Vater umgebracht, dann die 26-jährige Mutter vergewaltigt und getötet. Danach verschonte er auch die beiden kleinen Kinder nicht.

Düsseldorf war aber auch Schauplatz für viele politische Prozesse. Das Verfahren gegen das ehemalige Wachpersonal des Konzentrationslagers Majdanek dauerte fast sechs Jahre und gilt als das aufwendigste in der deutschen Justizgeschichte. Auch gegen den Kanzlerspion Günter Guillaume oder den DDR-Spionagechef Markus Wolf wurde vor dem Oberlandesgericht verhandelt. Keldungs erzählt die Prozesse knapp, authentisch und präzise, die Details sind allerdings manchmal sehr drastisch dargestellt.