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Von der Uniklinik aufs Schiff

Von der Uniklinik aufs Schiff

Krebskranke Kinder und Jugendliche sind samt Arzt und Schwester eine Woche durchs Wattenmeer geschippert.

Düsseldorf. „Der erste Stopp wurde schon beim Bäcker an der Ecke eingelegt.“ Was so manchen Familienvater auf dem Weg in den Urlaub wohl zur Weißglut treiben würde, bringt Hans-Jürgen Laws eher zum Lachen. Aber der Oberarzt war auch mit einer außergewöhnlichen Truppe unterwegs. Gemeinsam mit einer Schwester, einem zusätzlichen Betreuer und 16 krebskranken Kindern und Jugendlichen hat ihn die Elterninitiative Kinderkrebsklinik nach Holland zum Segeln geschickt — Inselhopping über Texel, Terschelling und Vlieland auf dem Plattbodenschiff „Wilhelmine“.

Noch nicht ganz in Holland angekommen, war allen klar: Ein Bummelurlaub wird das nicht. Die letzten Einkäufe mussten erledigt und die Kojen des über 100 Jahre alten Schiffs bezogen werden. Unter dem Kommando ihrer Skipperin ging es noch am gleichen Tag von Harlingen aus Richtung Wattenmeer. Und wer segeln will, muss auch Segel setzen — und zwar selbst. Die 17-jährige Lena war mit ihrer Mannschaft für das Klüver-Segel zuständig: „Das ist das Segel ganz vorne“, erklärt Lena und schwärmt noch beim Gedanken an den Urlaub. „Es war schon ein tolles Gefühl auf dem Meer. Ich kam mir ganz frei vor.“

2006 wurde bei Lena Leukämie festgestellt. Mittlerweile hat sie die Grunderkrankung überstanden, fährt aber gerne weiter mit den anderen Kindern der Uniklinik in den Urlaub. „Wenn wir zusammen unterwegs sind, spielt es keine Rolle, wer man ist und wie man aussieht“, sagt Lena. Keines der Kinder befindet sich momentan in einer akuten Therapiephase, sagt Oberarzt Dr. Hans-Jürgen Laws: „Eine Reise ist frühestens in der Dauertherapie möglich, wenn die Kinder nicht so Infekt-gefährdet sind.“ Lena hat dennoch ein gutes Gefühl, wenn Laws mit an Bord ist: „Es ist beruhigend, einen Arzt dabei zu haben. Da fühlt man sich so geborgen.“

In erster Linie sollen die Kinder auf dem Schiff mal ein paar Tage ihre Krankheit vergessen können und ganz normale Teenies sein. Und so war es auch, erzählt Lena und muss nicht lange überlegen, was ihr Urlaubshighlight war: „In einem Hafen lag neben uns ein Schiff mit Jungs von der freiwilligen Feuerwehr. Mit denen haben wir uns sofort angefreundet.“ Und dann gibt es da noch den Krimskramsladen, der sich schon im vergangenen Jahr als Einkaufshit entpuppte und gleich in mehreren holländischen Städten zu finden ist. Wassertiere zum Aufblasen, Dekoartikel und Schminke wurden von den Mädels in Massen aufs Schiff getragen.

Auf Texel stand Sonnenbaden und eine ausgiebige Radtour auf dem Plan. Geliehen wurde alles, was der Fahrradverleih zu bieten hatte: Normale Fahrräder, Elektroräder und Tandems. „Nich alle Kinder sind so belastbar. Die fahren dann auf dem Tandem mit“, sagt Laws. Lena gehört dazu. Die Chemotherapie hat ihre Knochen stark geschädigt. Irgendwann braucht sie neue Kniegelenke und eine neue Hüfte. Sie durfte sich hinten aufs Tandem setzen, das Trampeln hat Julien übernommen. „Wir helfen uns eben gegenseitig, ohne groß nachzufragen. Wir verstehen die Probleme des anderen“, sagt Lena.