Gastronomie: Von der Kö nach Borkum: Düsseldorfer Gastronomen beleben berühmtes Lokal neu

Gastronomie : Von der Kö nach Borkum: Düsseldorfer Gastronomen beleben berühmtes Lokal neu

Lino Palmieri ist Borkums neue Attraktion. Zusammen mit Selladurai Manivannan kocht der ehemalige Kö-Gastronom im Hotel-Restaurant Miramar. Ein Besuch.

Düsseldorf/Borkum. Schon bei der Überfahrt mit der Fähre von Emden nach Borkum sieht man ihn in Übergröße an Deck. Alterslos und selbstbewusst lehnt er in schneeweißer Kochuniform an seinem ebenso gekleideten Kollegen. Beide strahlen von einem großen Werbeplakat um die Wette: „Lino und Mani kochen im Miramar“ heißt es da.

Foto: Schnabel

Den Coup, die zwei ehemaligen Kö-Gastronomen Pasqualino Palmieri und den in Sri Lanka geborenen Selladurai „Mani“ Manivannan für das renovierte Hotel-Restaurant auf der größten Ostfriesischen Insel zu gewinnen, stielte Barbara Schütte ein. Seit April 2017 sorgt sie als Hoteldirektorin für frischen Wind im altehrwürdigen Hotel „Das Miramar“. Nicht nur die Helden vom Herd, sondern auch die geduldige wie umsichtige Gastgeberin, der Immobilieneigner und zu einem guten Teil auch die gutbürgerliche Kundschaft stammen aus Düsseldorf.

„Von den 70er bis zu den 90er Jahren war das Hotelrestaurant ein berühmtes Fischlokal auf Borkum. Und obwohl wir von den Übernachtungen leben, haben wir unsere komplette Werbung auf die Küche ausgerichtet. Wir wollen an die alten Erfolge des Restaurants anknüpfen“, berichtet Schütte. Für Lino Palmieri schließt sich hier der Kreis seines Lebens: „Der Fischerjunge kehrt zurück ans Meer.“ Jedoch dauerte es fast sechs Jahrzehnte, bis der Junge vom Thyrennischen Meer an der Nordsee strandete. Ein halbes Jahrhundert sorgte er in der Landeshauptstadt für italienische Spitzen-Gastronomie. Im letzten Jahr schloss er dann die Pforten seines letzten Ristorantes.

Und da der umtriebige Rentner nicht für den Ruhestand geschaffen ist, ließ der 70-jährige sich gerne als Gastkoch und Berater des ebenfalls Königsallee-erfahrenen Kollegen anheuern. Nur einen Katzensprung von seinem neuen Arbeitsplatz entfernt. befindet sich der beschauliche Nord-Ost-Strand am Wattenmeer, samt kreischender Möwen am Himmel, Robben auf der Sandbank sowie putzigen Strandkörben und -Buden.

Stets weht ihm eine frische Brise um die Nase (außer in der Küche, in der es derzeit gerne über 50 Grad heiß wird). „Ich fühl mich hier sehr wohl. Das Klima ist gesund, die Leute sind nett, man behandelt mich gut! Und ich finde Ruhe zwischen den Dünen.“

Zudem gibt es einige Parallelen zwischen seiner Gastronomiegeschichte und der des altehrwürdigen Hotels am „Kleine Kaap“, einem Borkumer Wahrzeichen. In den goldenen 70er-Jahren erlebten sowohl Linos Amalfi an der Ulmenstraße als auch das Kurhotel die ersten Höhenflüge als Promi-Restaurant und -Herberge. Rudi Carrell, Helmut Kohl, Roberto Blanco, Howard Carpendale und viele mehr verewigten sich in den Gästebüchern beider Etablissements. „Früher waren in Düsseldorf Seezungen auf toskanische Art ein Renner. Hier ist es wieder so.“ Auch ansonsten wird eine Fusion aus norddeutscher und mediterraner Küche serviert. Es gibt Dorade und Lachs, Pasta und Gnocchi, Perlhuhn und Polenta. Und nach wie vor sind seine Antipasti und Desserts unschlagbar. Die Kreationen der beiden neuen Attraktionen der nördlichsten Düsseldorf-Enklave werden aber längst nicht nur von den Hotelgästen goutiert. Viele Einheimische und Gastronomen schauen ebenfalls gerne im Miramar vorbei, um sich mal was Besonderes in „Klein-Düsseldorf“ zu gönnen.

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