Unterbilk: Vom Flanierpark zum Volksgarten

Unterbilk: Vom Flanierpark zum Volksgarten

Der Düsseldorfer Gartenhistoriker Claus Lange lud zum Rundgang durch den Floragarten.

Düsseldorf. Er ist die einzige grüne Oase in den dicht besiedelten Stadtteilen Friedrichstadt, Unterbilk und Bilk — der Florapark. Dass es ihn überhaupt gibt, ist dem bürgerlichen Engagement aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu verdanken, als im Rahmen von Privatiniativen zeitgleich in Düsselthal ein Zoo und in Unterbilk eine Flora gegründet wurden. Eine Aktiengesellschaft sorgte für das notwendige Kapital, die Unterhaltung wurde von den Eintrittsgeldern bestritten. Zumindest in den ersten Jahrzehnten. Bei einem Rundgang durch die mit drei Hektar eher kleine Anlage erklärte der pensionierte Gartenhistoriker der Stadt, Claus Lange, einem guten Dutzend Neugierigen nun die Veränderungen, die der 1876 angelegte Park im Laufe der Zeit erfahren hat.

Pfingststurm Ela hat der Florapark weitgehend unbeschadet überstanden. Drei Bäume waren umgestürzt, einer davon hatte auch die Krone der noch aus den Anfangszeiten des Parks stammenden Zelkovie etwas gerupft. Ansonsten hat sich nicht viel verändert. Zumindest aus heutiger Sicht.

Denn an das pompöse Konzerthaus mit Gartenrestaurant, Palmenhaus und Musikpavillon aus den 1870er Jahren erinnern nur noch alte Bilder. „Aber warum hat man bei der letzten Umgestaltung die Steinblöcke vor der hässlichen Betonmauer zum Karl-Arnold-Haus abgetragen?“ monierte eine Anwohnerin. Darauf wusste Claus Lange auch keine Antwort.

Der 1876 vom Gartenarchitekten Heinrich Grube angelegte Park hat im Laufe seiner fast 140-jährigen Geschichte einige Veränderungen erfahren. Die letzte war vor sechs Jahren, als zwei Eingänge umgestaltet oder neu angelegt wurden. Das Denkmal Adam und Eva wurde versetzt und ist nun zum Schutz vor Vandalismus wieder mit einem Schmuckbeet umgeben. Außerdem wurde vom Eingang Palmenstraße ein neuer Weg zum angelegt.

Dem Stil der Entstehungszeit entsprechend gliederte sich der Floragarten in zwei Teile: den landschaftlichen Teil samt dem geschwungenen See mit seinen vielen kleinen Buchten und und einen geometrisch gestalteten Teil mit dekorativen Teppichbeeten vor den Veranstaltungsgebäuden. Sowie— damals ganz modern — zwei Tennisplätzen.

Der Floragarten war ein Park zum Flanieren, für den Eintritt verlangt wurde und in den 1870er Jahren die Aufgabe des Botanischen Gartens am Hofgarten übernahm, auf dessen Gelände das Stadttheater erbaut wurde. Doch 1902 war diese Aktiengesellschaft pleite und der Park ging an die Stadt. Die Schmuckbeete verschwanden aus Kostengründen, die Wege wurden vereinfacht, der Musikpavillon abgerissen, das Palmenhaus verlegt. An die Stelle der Tennisplätze kam ein großer Kinderspielplatz.

Doch den größten Eingriff brachte das 1959-1960 erbaute und vom Land genutzte Haus der Wissenschaften an der Stelle der zerbombten Konzerthalle. Dafür wurde an der Palmenstraße ein großes Stück aus dem Park herausgeschnitten. Grottenanlage und große Teile der Terrasse gingen verloren, statt dessen grenzt heute eine Betonmauer diesen Parkteil vom eigentlichen Floragarten ab. „Alle Versuche, den Garten um das Karl-Arnold-Haus außerhalb der Veranstaltungen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sind bisher gescheitert“, berichtet Claus Lange.

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