Verkehrswende in Düsseldorf: Auf der Kaiserstraße läuft es nicht rund

Verkehrswende in Düsseldorf : Neuer Radweg: Auf Kaiser- und Fischerstraße läuft’s nicht rund

In Düsseldorf wird die Verkehrswende mit Umweltspuren und neuen Radwegen eingeläutet. Auf der Nord-Süd-Achse haben die Autos weniger Spuren. Folge: Mehr Stop-and-Go – mehr Abgase?

Seit gut fünf Wochen gibt es den neuen Radweg auf der Kaiserstraße-Fischerstraße. Zwischen Jägerhofstraße und Klever Straße sind seit dem 16. April auf der sogenannten Nord-Süd-Achse des Radhauptnetzes Radwege angelegt worden. Teilweise gab es auf der Strecke schon vorher Radwege. Beispielsweise vor dem Ergo-Gebäude. Dort gibt es jetzt einen doppelten Radweg. Weniger Platz für Autos hat aber nicht zu weniger Autos geführt. Der vermehrt stockende Verkehr wirft nun auch die Frage nach zunehmender Umweltbelastung auf.

Die Radfahrstreifen sind zunächst als Versuch geplant

Diese „abschnittsweise Umverteilung des Straßenraums zu Gunsten des Fahrradverkehrs“ wurde von der Stadt zunächst als Versuch beschlossen. Man hält sich die Option offen, die Radwege wieder zu entfernen. Daher seien die Markierungen in einer Form angebracht worden, die „keine Schäden an der Fahrbahn verursacht“. Bei einem positiven Ergebnis sollen die Radfahrstreifen dauerhaft markiert werden. Im Umkehrschluss müsste das heißen, dass die Spuren im negativen Fall wieder entfernt werden können. Wie so ein negativer Fall aussieht, konkretisiert die Stadt nicht.

Richtig flüssig läuft der Autoverkehr auf der Nord-Süd-Achse noch nicht. Konkret kommt es in den letzten Wochen — besonders im Berufsverkehr — zu langen Staus auf der Strecke. Die Strecke war schon vorher sehr stark befahren. Jetzt fährt die gleiche Menge Autos auf weniger Platz. Heißt in der Praxis: Weniger Autos kommen über die vielen Ampeln. Die Autofahrer müssen häufiger anhalten. Zwischen Kö-Bogen-Tunnel und Klever-Straße muss man als Autofahrer in den Stoßzeiten meistens neunmal anhalten und wieder anfahren. So wird der Stop-and-Go-Verkehr noch erhöht – nimmt die Umweltbelastung dadurch nicht zu? Wie bei der Straße mit den schlechtesten Luftwerten in Düsseldorf, der Corneliusstraße, über die jeden Tag zahllose Autos im Schneckentempo schleichen? Anders als auf den Straßen mit den neuen Umweltspuren in Bilk und Pempelfort sieht die Stadt auf der Kaiserstraße keine besondere Umweltbelastung, das teilte ein Stadtsprecher auf Nachfrage mit, Messstellen würde es seines Wissens auf dieser Strecke auch nicht geben.

Hinzu kommt, dass der Fahrradweg für die von Süden kommenden Autofahrer unvermittelt beginnt. Im Kö-Bogen-Tunnel ist der Verkehr noch dreispurig, auf der Kaiserstraße ist die dritte Spur mittlerweile ein Radweg. Viele Autos fahren zunächst noch auf dem Radweg, ziehen dann unvermittelt nach links – grundsätzlich gefährlich sowohl für Auto- als auch für Radfahrer.

Die Verkehrssituation auf der Kaiserstraße-Fischerstraße wird sich erst wieder beruhigen, wenn mehr Autofahrer auf das Fahrrad umsteigen. Gleichzeitig muss das Fahrradnetz in Düsseldorf noch attraktiver gestaltet werden. Solange sich die Radwegqualität alle 500 Meter ändert (Radweg, Bürgersteig, gemischter Fußgänger/Fahrradweg, Baustelle, kein Radweg), werden nicht mehr Pendler auf das Rad umsteigen. Noch läuft es nicht rund auf den Straßen. In den Sommerferien soll das Radnetz wieder erweitert werden. Dann plant die Stadt einen Radweg auf der Ost-West-Achse Klever-Straße und Jülicher Straße.

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