Urdenbacher feiern Erntedankfest

Urdenbacher feiern Erntedankfest

Nach dem großen Umzug mit bunten Wagen folgt heute der Blotschenball.

Urdenbach. Sie heißen Heckedrisser, Kämpeknicker oder Kämpeflitzer, die Brauchtumsgruppen, die Jahr für Jahr in liebevoller Kleinarbeit ihre Erntewagen mit Blumen und Gemüse schmücken und am ersten Oktobersonntag damit durch Urdenbachs Straßen ziehen.

Viele haben extra für den Umzug Wagen und Schubkarren geschmückt und beladen. Foto: Sergej Lepke

In diesem Jahr gibt es neben den Pädsköpp erstmals auch Obedacher Fischköpp, die ein altes Plattbodenboot im Schlepptau haben. „Schließlich gehörte das Fischen im Rhein zum dörflichen Leben entlang des Stroms“, meint der Mitbegründer der neuen Brauchtumsgruppe, Fred Suchantke. Und ein neuer „Fischköpp“ lässt einen Hecht das Maul aufreißen und fragt „Sushi gefällig?“

Seit mehr als 80 Jahren gibt es den Urdenbacher Erntedankzug. Erwachsen aus bäuerlichen Wurzeln, ist er mittlerweile zur Touristenattraktion für die ganze Umgebung geworden. 45 Gruppen sind diesmal dabei, so viele wie nie zuvor. Manche haben, wie Oldtimerfan Gerrit Jung, zum ersten Mal nach Urdenbach gefunden. Mit seinem Tempo A400 aus dem Jahr 1942 hat er schon Blumen auf der Ladenfläche transportiert, in Urdenbach sind es nun Milchkannen.

Weil sich wie jedes Jahr im alten Ortskern die Menschen an den Straßenrändern knubbeln, weicht so mancher in die Siedlung Urdenbacher Acker aus. Fast jedes Haus in Bereich Woermann-Straße und Peter-Adolphs-Straße hat seine Garage geöffnet und Stühle an den Straßenrand gestellt.

Bei Oma Gebecke zum Beispiel, mit 101 Jahre die älteste Urdenbacherin, treffen sich seit rund zehn Jahren alle Freunde und Verwandte. Auch wer nicht eingeladen ist, bekommt dann ein Stück Kuchen mit. Wenige Schritte weiter, an der Ecke Leutweinstraße/ Sodenstraße grillt ein Trupp junger Leute von der Lüderitzstraße Schnitzel und Würstchen. Der Strom stammt vom Nachbarhaus. „Wir sind mittlerweile zum vierten Mal an dieser Stelle“, erzählt David Podlesainski. Wie viele seiner Freunde auch, ist er in Urdenbach aufgewachsen.

Noch sind er und seine Freunde Zuschauer, aber vielleicht ziehen sie eines Tages beim Zug mit. Denn so sind viele der Brauchtumsgruppen entstanden. Zunächst nur zuschauen — später dann auch selbst mitmachen.

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