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Unverpackt in Düsseldorf: Nudeln aus dem Spender und Seife zum Zapfen

Einkaufen : Unverpackt: Nudeln aus dem Spender und Seife zum Zapfen

Samstag öffnete in Düsseltal ein Supermarkt ohne Verpackungen. Und stieß gleich auf reges Interesse.

Im neu eröffneten Laden in der Rethelstraße sieht es fast schon futuristisch aus, wie die länglichen, mit Grundnahrungsmitteln gefüllten, Glasrohre hintereinander an der Wand hängen. Dabei prangt an jedem Glasrohr und Glaskasten ein Biosiegel. Die Kunden halten ihre von zu Hause mitgebrachten Glasbottiche oder Tupperdosen an die Spender und ziehen an den Hebeln, um sie zu füllen, um sie so weit zu füllen, wie sie es brauchen.

Die mitgebrachten Tupperdosen sind auch das einzige Plastik, das den Weg in dieses Geschäft findet. Das Konzept des „Unverpackt“-Ladens, der am Samstag eröffnete, ist nämlich, dass auf Einwegverpackungen verzichtet wird, um so den Plastikverbrauch zu reduzieren. Deswegen bringen die Kunden ihre eigenen Gefäße mit, wiegen es zunächst, wenn es leer ist, füllen es, wiegen die Differenz und zahlen. Verpackte Waren gibt es nur im Glas, wie zum Beispiel Getränke oder Soßen.

Die Eröffnung machte am Samstag viele neugierig, sodass der Laden den ganzen Eröffnungstag über gut besucht war, und die Besucher kaum die Möglichkeit hatten, sich in Ruhe umzuschauen. Viele, die so ein Konzept nun zum ersten Mal ausprobierten, hatten zunächst sichtlich Berührungsängste, sich selber zu bedienen, und waren beim ersten Versuch vorsichtig, um die Nudeln oder Linsen vernünftig zu dosieren.

Dabei hätte man die Eröffnung fast übersehen können, wenn man am Samstag auf der Rethelstraße in Düsseltal unterwegs war. Außer einem Plakat, das an der Eingangstür angebracht war, gab es keinen Blickfang, der darauf aufmerksam gemacht hätte. Die Leute wurden vor allem über eine Internetkampagne im Vorfeld auf die Eröffnung hingewiesen, wie Teilhaberin Eva Wenndorf erklärt: „Wir werden wahrscheinlich nicht immer so einen Andrang erwarten können, aber das ist ja normal.“ Vor allem junge Eltern sind für dieses Konzept empfänglich, wie sie aus eigener Erfahrung als Mutter weiß: „Wenn man Kinder hat, denkt man auch nachhaltiger. Man will die Welt den Kindern ja in einem guten Zustand überlassen.“

Auch der junge Vater Holger Bartel (46), der sich mit seiner Familie den Laden zur Eröffnung anschaute, will auf jeden Fall häufiger hier einkaufen, auch wenn es für ihn kein Ersatz für einen konventionellen Supermarkt ist: „Ich finde das Konzept sehr gut. Natürlich kann man hier nicht spontan ein Kilo Mehl kaufen, wenn man vorbei geht, und es einem gerade noch einfällt, aber da wir in der Nähe wohnen, kommen wir bestimmt noch mal vorbei.“ Auch viele Studenten sind am Konzept interessiert. Deswegen gibt es die meisten Lebensmittel in günstigerer und in teurerer Ausführung, um niemanden mit zu hohen Preisen abzuschrecken.

Weil nichts weggeschmissen werden soll, fehlt so manches

Das Angebot beschränkt sich nicht nur auf Lebensmittel. Auch andere Alltagswaren wie zum Beispiel Spülmittel und Flüssigseife schwimmen in den Rohren und können gezapft werden. Dennoch kommt das Konzept auch irgendwann an seine Grenzen, wie Geschäftsführer Björn Amend erklärt: „Möglich wäre wahrscheinlich alles, aber nicht unbedingt sinnvoll. Manche Sachen sind so verderblich, dass wir sehr genau kalkulieren müssten“, weswegen es hier auch kein Fleisch gibt: „Wir wollen ja auch nichts wegschmeißen müssen.“ Das ist nämlich der zweite Faktor, der den Betreibern wichtig ist. Deswegen liegen am Ausgang auch ein paar alte Äpfel, die sich jeder für den Weg mitnehmen kann, bevor sie weggeschmissen werden.