Umbau im Düsseldorfer Ehrenhof kostet 17 Millionen Euro

Umbau im Düsseldorfer Ehrenhof kostet 17 Millionen Euro

Nun will auch der Direktor des Museum Kunstpalast, Felix Krämer, die Baumängel in seinen Häusern beseitigt haben. Animationen zeigen, wie die Arbeiten den Museumskomplex verändern sollen.

Düsseldorf. Nicht nur Oper und Schauspielhaus, sondern auch das Museum Kunstpalast weist Baumängel auf. Im denkmalgeschützten städtischen Altbau sind sie ein Fass ohne Boden und führten 1979, 1993, 2009 und 2012 zu Schließungen des Betriebs. Vom Pfusch im Bau blieb allerdings auch der neue Kunstpalast, der der Stiftung gehört, nicht verschont. Das beweist etwa der Restaurierungstrakt, der seit 17 Jahren wegen Einsturzgefahr nicht betreten werden darf.

Die Oberbürgermeister Joachim Erwin und Dirk Elbers (beide CDU) hörten geflissentlich über die Klagen der Museumschefs hinweg. Erst das jetzige Kuratorium, mit Thomas Geisel (SPD) an der Spitze, reagiert. Der neue Direktor Felix Krämer beziffert den Sanierungsstau auf 17,2 Millionen Euro. Schon im Sommer will er loslegen, damit für eine neue Ausstellung 25 legendäre Traumwagen durch die Hintertür rollen können.

„Sie sind schnell, schön, exzentrisch und innovativ, die Sportwagen der 1950er bis 70er Jahre.“ So preist Kuratorin Barbara Til vorab die Schau der Sportwagen, die Ende September im Ehrenhof zu sehen sind. Dafür wird der große, hohe Saal im Erdgeschoss zurückerobert. Die gesamte Dienstleistung mit Kasse, Garderobe und Shop kommt ins Foyer. So können die Lamborghinis oder Jaguars über die Laderampe angeliefert und über den Lastenaufzug auch ins erste Obergeschoss gebracht werden.

Die Kosten für den ersten Bauabschnitt sind überschaubar. Sie werden von der Stiftung getragen und gelten zugleich der Ertüchtigung der Garderobe im zweiten Untergeschoss, wo für den Wegfall der Kleiderhaken im Ausstellungssaal neue Stauflächen geschaffen werden müssen.

Felix Krämer machte schon bei seiner Vorstellung klar, er werde erst das Haus zum „Wohnzimmer der Stadt“ machen, bevor er selbst inszeniert. Die Mängelliste ist lang. In den knapp zehn Monaten seiner Amtszeit untersuchte er alle neuralgischen Punkte, mit dem Ziel, Altbau und Neubau zu verzahnen, die Hinterhoftreppen abzuschaffen und sämtliche Bau- und Sicherheitsmängel zu beheben. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er: „Es gab die Haltung, das Dach wird repariert, und dann ist alles wieder gut. Das ist nicht der Fall. Wir müssen vielmehr schließen.“

Der zweite Bauabschnitt wird teuer werden, denn der Museumsmann hält nichts davon, die statischen Probleme unter der auf dem Dach installierten Skulptur „Aurora“ von Arno Breker auf den Sankt-Nimmerleinstag zu verschieben. Außerdem pocht er auf einen Rundgang, wie ihn jedes Museum hat. Die Einheit zwischen Sammlungsflügel und Kunstpalast sei nie vollzogen worden.

Hierfür müssen Wände und Durchgänge geöffnet, Decken und Böden vereinheitlicht werden. Unter der „Aurora“ etwa endet ein Gang, weil bislang kein Geld für die Sanierung der Passage vorhanden war. Damit aber das Museum vom Parterre aus gut aussieht, wurde die Decke weiß gestrichen und der obere Teil der Wände mit weißem Tuch bespannt. Kulissenzauber nennt man so etwas im Theater. Das ist peinlich. Davon hält Krämer nichts.

Ein Rundweg ist nur möglich, wenn die sogenannten Dienstbotentreppen durch neue, freistehende Treppen ersetzt werden, die in den Rubenssaal und auf der anderen Seite des Hauses in die modernen Ausstellungsräume führen. Dazu müssen allerdings die Decken durchbohrt werden.

(So soll der neue Rubenssaal aussehen. Animation: smkp)

Eingehauste Fenster, wie sie das Architekturbüro HPP wegen fehlender Hängeflächen installierte, sollen wieder freigelegt werden. „Raum ist genug da, man muss ihn nur richtig nutzen“, so lautet Krämers Devise. Frische Luft und Tageslicht sind willkommen, der Muff im modernen Trakt wie im Rubens-Raum verschwindet dabei wie von selbst. Nur der Beuys-Raum bleibt vor dem Tageslicht geschützt.

Das heißt: Wenn das Dach in der zweiten Jahreshälfte endlich repariert ist, bleiben der Schütte-Raum und der Creamcheese-Trakt weiterhin eingepackt. Erst kommen, so der zeitliche Ablauf, neue Treppen, und Böden, bessere Wände und ein neuer Aufzug für die Behinderten. Danach wird neu gehängt, wobei auch unbekannte Schätze wie Design, Fotografie und Grafik ins „Cross-over“ der Zeiten und Stile einbezogen wird.

Das Kuratorium mit Oberbürgermeister Thomas Geisel und den politischen Vertretern hat Felix Krämer und dem kaufmännischen Direktor Harry Schmitz (beide bilden den Vorstand der Stiftung smkp) den Auftrag erteilt, eine Entwurfsplanung zu erstellen, die in den „Masterplan Kulturbauten“ einfließt. Erst dann kommt der Ratsbeschluss, der dringend notwendig ist, denn die 17 Millionen Euro sind eine große Stange Geld. In Vorgesprächen hat sich Krämer von den Fraktionsspitzen und von der FDP, die nicht im Kuratorium sitzt, grünes Licht geholt. Deshalb sagt er: „Wenn Verwaltung und Politiker mitmachen, kann ich einen Architekten beauftragen. Wir selbst werden die Bauarbeiten begleiten.“ Sie sind auf drei Jahre bemessen.

Parallel hierzu soll das Restaurierungszentrum im Zwischentrakt saniert werden. Denn nur so kann anschließend das Areal an der Franklinstraße verkauft werden.

(So könnte das neue Café-Restaurant des Museum Kunstpalast im verglasten Durchgang unter dem Belvedere aussehen. Animation: smkp)

Krämers letzter Wunsch gilt einem Café-Restaurant. Es war schon unter der Public-Private-Partnerschaft mit Eon geplant, blieb jedoch wegen der statischen Probleme unerfüllt. Krämer will es in die Mittelachse unterm Belvedere in drei der vier Tordurchgänge legen. Bodentiefe Glasfenster sollen den Blick zwischen Tonhalle und Kricke-Skulptur freihalten und auch eine Außengastronomie möglich machen. Museumsbesucher, Gäste des Robert-Schumann-Saals und Spaziergänger sollen sich dort wohlfühlen. Unter freiem Himmel gibt es Open-Air-Ausstellungen, beginnend mit Tony Cragg aus dem benachbarten Wuppertal.