1. NRW
  2. Düsseldorf

Rotes Kreuz: Um Leben zu retten, braucht es Mut

Rotes Kreuz : Um Leben zu retten, braucht es Mut

Das Rote Kreuz bildet in Kursen Ersthelfer aus. Die größte Hemmschwelle ist für viele die Angst, etwas falsch zu machen.

Düsseldorf. Es war einen Tag vor Heiligabend, als ein Mann an der Stadtbahn-Haltestelle Nikolaus-Knopp-Platz plötzlich zusammenbrach. Er hatte einen Schlaganfall erlitten, auf Hilfe wartete er aber zuerst vergebens. Mehr als 20 Menschen gingen an ihm vorbei — ohne zu helfen.

Milan Koluvija, der beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Ersthelfer in Kursen ausbildet, überrascht das nicht wirklich. „Manchmal habe ich selbst in meinem Kurs Probleme, jemanden zu finden, der freiwillig vortritt und das Gelernte vor der Gruppe präsentiert“, sagt er. Während der Fortbildung versucht der Ausbilder, den Teilnehmern die Ängste zu nehmen — damit sie in Zukunft Leben retten anstatt Notfälle teilnahmslos zu ignorieren.

Das können seit Samstag 20 Düsseldorfer mehr. Die Teilnehmer der Fortbildung für Ersthelfer wurden in dem eintägigen Seminar auf verschiedenste Notfälle vorbereitet. Unwissen und Angst davor, etwas Falsches zu tun, seien für Ersthelfer in Notfällen die größten Hemmschwellen, sagt Koluvija. Dabei sei gerade der zweite Punkt der vollkommen falsche Ansatz: „Als Ersthelfer ist man gesetzlich geschützt. Das Einzige was man falsch machen kann, ist nichts zu tun.“

Bei einem Unfall oder Notfall in der Umgebung sollten Ersthelfer einige Schritte einhalten. „Zunächst sollten die dabeistehenden Menschen beruhigt werden und ganz klare Aufgaben verteilt werden“, erklärt der Experte. Eine Person sollte den Notruf wählen, eine andere Gaffer vom Unfallort fernhalten. Koluvija erklärt, wie der Ersthelfer mit dem Betroffenen umgehen sollte: „Er muss dem Betroffenen beruhigend zureden, auch wenn er bewusstlos sein sollte.“ Ist das der Fall, müsse zunächst die Atmung kontrolliert werden. „Ist die vorhanden und normal, sollte man den Betroffenen in die stabile Seitenlage legen und auf den Notarzt warten. Bei nichtvorhandener oder irregulärer Atmung muss man den dann Betroffenen reanimieren.“

Um dieses Unwissen zu bekämpfen, bieten das DRK und andere Anbieter täglich solche Fortbildungen an. Vermittelt werden dabei unter anderem stabile Seitenlage, Reanimation und der Gebrauch eines Defibrillators.

Zum Reanimieren etwa muss man den Oberkörper des Betroffenen frei von Kleidung machen und dann einen Handballen auf das Brustbein des Betroffenen legen. Der andere Handballen liegt auf dem eigenen Handrücken. Dann muss mit Hilfe des eigenen Körpergewichts das Brustbein des Betroffenen eingedrückt werden. Die Frequenz: 100 bis 120 Stöße pro Minute. Nach je 30 Stößen muss der Betroffene zwei Mal beatmen werden. Und zwar so lange, bis der Notarzt eintrifft. „Es ist dabei völlig egal, ob man dem Betroffenen zum Beispiel die Rippen bricht. Mit Wissen und Mut zum schnellen Handeln kann man Leben retten“, sagt Koluvija.

Für Benjamin Quack ist es der dritte Erste-Hilfe-Kurs. Er nimmt freiwillig teil — als einer der wenigen. Für den 30-Jährigen ist es eine Selbstverständlichkeit, sich regelmäßig zu informieren. Von einer verpflichtenden Auffrischung für Autofahrer hält er aber nichts: „Ich denke, dass die Menschen nicht viel lernen, wenn sie aus den falschen Motiven teilnehmen.“ Das beobachtet auch Koluvija: „Die meisten Teilnehmer brauchen den Schein entweder für Führerschein oder Betrieb. Nur wenige kommen freiwillig her.“ Die Debatte um eine verpflichtende Auffrischung dürfte für ihn gar nicht geführt werden: „Alle fünf Jahre sollte man den Kurs nochmal belegen müssen. Da sehe ich die Politik in der Pflicht.“