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Uhu Urmel wird auf der Dachterrasse in Düsseldorf Wittlaer großgezogen

Naturschutz in Düsseldorf : Uhu Urmel zieht aus, die Liebe zu finden

Der seltene Vogel war als Küken aus dem Nest gefallen und wurde von Christian Bayer gefunden und aufgepäppelt. Inzwischen fliegt er durch den Düsseldorfer Norden und wird immer selbstständiger.

Abends versammeln sich seit einigen Wochen immer wieder die „Paparazzi“ vor dem Haus der Familie Bayer in Wittlaer. Ausgerüstet mit Teleobjektiv und Ferngläsern warten diese allerdings nicht auf das Erscheinen eines Prominenten, sondern auf den Uhu Urmel. Der Vogel mit einer Flügelweite von rund 1,70 Meter fliegt jeden Abend das Haus an, in dem er seit März liebevoll und fachmännisch großgezogen wurde. Dort bettelt er um etwas Futter, bevor er sich dann auf die nächtliche Jagd begibt. „Die muss er sich selber beibringen, da er keine Eltern hat. Aber das klappt täglich besser, denn wir müssen immer weniger zufüttern“, sagt Christian Bayer.

Er ist quasi der Elternersatz für Uhu Urmel, der sein Leben den erfahrenen Jagdhund Cleo zu verdanken hat. Denn am 10. März war Cleo eigentlich mit Christian Bayer in dessen Jagdrevier im Bergischen Land auf der Suche nach einem angefahrenen Reh unterwegs, als Cleo an einer Stelle so lange verharrte, bis Bayer das kleine Uhu-Küken entdeckte. „Ich habe das zunächst für einen faustgroßen Stein gehalten und erst, als sich dieser bewegte, gesehen, weshalb Cleo sich nicht fortbewegen wollte.“ Der kleine Uhu war entweder aus einem Horst gefallen oder von den älteren Geschwistern hinausgeschubst worden. „Den Horst, der sich an einer Felswand befunden haben muss, konnte ich nicht entdecken und deshalb auch das Küken nicht zurückbringen und habe es deshalb mitgenommen“, sagt Bayer.

Denn das Küken, das zu diesem Zeitpunkt rund zehn Tage alt war, hätte die nächsten Stunden ohne Hilfe nicht überlebt, wäre entweder von einem Fuchs gefressen worden oder an den stürmischen und kalten Abend unterkühlt. Bei Familie Bayer befand es sich aber in guten Händen, denn für Vater Christian ist die Aufzucht von Wildtieren kein Neuland. Der erfahrene und gewissenhafte Jäger ist in einer Förster- und Berufsjägerfamilie groß geworden. Er hat beispielsweise schon Wildkäuze, Schleiereulen, Füchse, Rehkitze, Igel und Eichhörnchen groß gezogen und zuletzt im Reihenhaus in Wittlaer auch das kleine Wildschwein Lucky, das sich nun im Düsseldorfer Wildpark befindet.

Ein Uhu war bislang aber noch nicht unter den Schützlingen, weshalb sich Bayer von einem befreundeten Falkner bei der Aufzucht beraten ließ. Und die verlief reibungslos. Zunächst bekam Urmel einen Nestersatz in einer Kiste gebaut. Der Vogel entwickelte sich prächtig und zog schnell aus dem Haus in einen Unterstand auf der Dachterrasse um und erkundete tagsüber den Reihenhausgarten. Zuerst laufend und hüpfend und dann mit ersten Flugversuchen. „Urmel war zu keinem Zeitpunkt eingesperrt, und das Ziel war, dass er in die freie Natur zurückkehrt. Deshalb haben wir etwa auch gar nicht angefangen, ihn auf dem Arm sitzen zu lassen.“ Inzwischen ist der Uhu ein Jugendlicher und nabelt sich Stück für Stück von seinen „Eltern“ ab. Tagsüber schläft er in Bäumen am Schwarzbach, jagt in der Nacht und kommt, wie bei Uhus üblich, nur noch zu Besuch bei den Eltern vorbei. Dann kündigt er sich mit dem markanten und lauten „U-hu“-Ruf an. „Das sind sehr kommunikative Tiere“, sagt Bayer. Er findet es bedauerlich, dass sich einige der Nachbarn davon in ihrer Nachtruhe gestört fühlen, nicht die nötige Toleranz aufbringen, die solch ein Tier verdienen würde. Denn für Bayer ist die Ehrfurcht vor der Kreatur sehr wichtig. Unter anderem spürt er zum Beispiel mit Hilfe von Cleo kleine Rehkitze im Feld auf, bevor diese gemäht werden. „Naturschutz ist meine Passion. Deshalb führe ich für Kinder und Jugendliche auch regelmäßig Waldtage durch, um ihnen die Natur näherzubringen.“ Für ihn ist es einfach nur eine Sensation, dass solch ein seltener, vor einigen Jahren noch vom Aussterben bedrohter Vogel eine Heimat im Düsseldorfer Norden gefunden hat. Wenn auch vielleicht nur bis zum Herbst, denn dann suchen sich die Vögel, die durch ein besonderes Federkleid völlig lautlos fliegen können, ein eigenes Revier, das bis zu 100 Kilometer entfernt liegen kann – und einen Partner. Und den hat Urmel vielleicht schon gefunden. So haben Christian Bayer Berichte erreicht, demnach Urmel mit einem anderen Uhu kommunizieren soll.