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Ueckers „Wolkenzyklus“ löste sich in Luft auf

Ueckers „Wolkenzyklus“ löste sich in Luft auf

Junior-Chef einer Spedition wurde am Donnerstag verurteilt. Die Bilder sind bis heute verschwunden.

Düsseldorf. Über Jahrzehnte lagerte Kunstprofessor Günther Uecker alle seine Werke bei einer Spedition an der Wiesenstraße — bis vor drei Jahren. Zwar verschwanden immer mal wieder Bilder beim Transport, manche tauchten aber wieder auf. Doch Ende 2008 war plötzlich eine ganze Kiste mit 14 Aquarellen aus dem Zyklus „Wolken“ im Gesamtwert von rund 150 000 Euro spurlos verschwunden. am Donnerstag musste sich der 42-Jährige Junior-Chef der Spedition wegen Unterschlagung und Betruges vor dem Amtsgericht verantworten.

„Ich habe zu der Familie über viele Jahre ein Vertrauensverhältnis gehabt und bin immer noch erschüttert“, erklärte der 82-Jährige am Donnerstag. Darum sei es notwendig gewesen, die Sache vor Gericht zu klären. Doch am Ende blieb eine wichtige Frage ungeklärt, nämlich wo sich der „Wolken-Zyklus“ befindet.

Im September 2007 war der Karton mit den Bildern von einer Ausstellung in München zurück nach Düsseldorf gebracht worden. Die Lieferung erfolgte außerhalb der Geschäftszeit, so dass die Werke nicht in der von Uecker angemieteten Box, sondern in einer anderen Halle auf der Firmengelände zwischengelagert wurden.

Schon im Frühjahr 2008 sollten die „Wolken“ für eine andere Ausstellung bereitgestellt werden. Doch die Kiste blieb verschwunden. Als die Aquarelle bis zum November des Jahres nicht wieder auftauchten, kam es in der Spedition zu einem heftigen Streit mit dem Kunsthändler, der die Schau organisieren sollte. Der 34-Jährige berichtete sogar von Handgreiflichkeiten: „Es endete damit, dass wir hinausgeworfen wurden.“

Ins Visier der Fahnder kam der Junior-Chef im Dezember des Jahres 2008. Denn da soll er einem Galeristen die Uecker-Bilder zum Kauf angeboten haben. Das Ganze habe sich draußen auf der Straße vor der Galerie abgespielt. „Ich habe gesagt, der Mann solle mit in die Galerie kommen. Doch er meinte, der Aufwand lohne sich nicht“, sagte der 59-jährige Galerist, der inzwischen schwer krank und arbeitslos ist, am Donnerstag aus. Stattdessen habe der Junior-Chef ihm nur einige Bilder gezeigt. Das Ganze habe etwa fünf oder zehn Minuten gedauert. Zum Verkauf sei es nicht gekommen. Es war die letzte Spur vom „Wolken-Zyklus“.

Der Angeklagte, der wegen eines ähnlichen Deliktes vorbestraft ist, verweigerte im Prozess die Aussage und trug somit nichts zur Aufklärung der Sache bei. Er wurde am Ende zu einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt.