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Udo Heimansberg: „Wir sind Feuer und Flamme für das Kino“

Der Macher des Metropol : „Wir sind Feuer und Flamme für das Kino“

Interview Nach 40 Jahren als Metropol-Chef ist Schluss. Film-Narr und Programmkino-Legende Udo Heimansberg lädt zu seinem Abschied ins Kult-Kino ein.

Mit „Ben Hur“ war es um Udo Heimansberg geschehen. Es sollte die Liebe seines Lebens sein. Aus der Faszination der Leinwand wurde ein Beruf. 1979 übernahm er mit dem Metropol ein Kino „mit schlechten Zahlen“. Mit einer neuen Programmgestaltung hatte das Filmtheater in der Brunnenstraße schnell Erfolg. Das erste Programmkino in Düsseldorf traf mit einer Mischung aus Klassikern und Filmkunst den Nerv des Publikums aus Studenten und Kunstszene. Filmnächte, Monty Python und „Die Blues Brothers“ sorgten für vollbesetzte Reihen.

Als Video und Privatfernsehen in den 90er Jahren das Ende der Goldenen Zeiten des Programmkinos einläuteten, da kam die Rettung ausgerechnet mit dem Kinosterben rund um die Multiplexe. Heimansberg und sein Kompagnon Kalle Somnitz übernahmen nach und nach die Kinos Bambi, Cinema, Atelier und vereinten nun mit dem Oberkasseler Souterrain fünf Lichtspielhäuser in der Düsseldorfer Filmkunstkino GmbH, die der Landeshauptstadt bis heute ein bemerkenswert vielfältiges Filmangebot beschert.

Wenn das Metropol am 1.11. nun sein 40jähriges Bestehen als Programmkino feiert, nimmt Udo Heimansberg (kurz vor dem 70.) dies zum Anlass für einen verspäteten Ruhestand. Zum Abschied hat er sich eine britische Komödie ausgesucht, die selbst Cineasten kaum kennen, natürlich mit einem verschmitzten Hintergedanken: „Die kleinste Schau der Welt“. Beginn ist um 14.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

Mit „Ben Hur“ fing alles an. War das Kino buchstäblich Liebe auf den ersten Blick?

Udo Heimansberg: Ehrlich gesagt, nein. Ich konnte mit dem Titel nichts anfangen und hatte keine rechte Lust auf den Film. Aber mein Vater war begeisterter Kinogänger und der hat einfach gesagt, du kommst jetzt mit. Aber als der Vorhang aufging, da tat sich für mich eine faszinierende Welt auf. Bis heute schaue ich mir den „alten Schinken“ gern an und habe ihn auch immer wieder im Metropol gern gezeigt. Mit diesem Film wurde auch meine Leidenschaft für Filmmusik geweckt.

Mit dem Metropol haben Sie sich selbstständig gemacht. War das mit 29 nicht ein Sprung ins kalte Wasser?

Heimansberg: Ich hatte ja bereits ein paar Jahre Erfahrung als Theaterleiter bei den Filmtheaterbetrieben Goldermann im Savoy und in Duisburger Kinos gesammelt. Aber als mir das Metropol angeboten wurde, fragte mich der Eigentümer Israel Gutmann nicht nach Bilanzen, sondern nach meiner Familie. Ich antwortete, dass mein Vater bereits mit mir die Filme für das Metropol durchkalkuliert hatte. Gutmann sagte nur, „Das ist gut.“ Später erst verstand ich, dass das seine Zustimmung war.

Das Metropol war in den 1980er Jahren sehr erfolgreich, reichte lediglich der Betreiberwechsel zum Erfolg?

Heimansberg: Nein, zur Eröffnung musste ich noch Filme spielen, die von meinem Vorgänger gebucht worden waren. „Zombie“, das war gar nicht nach dem Geschmack der Studenten. Verrückt, heute ist der Film gerade bei denen Kult. Aber mit unseren Filmnächten und Repertoirefilmen wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ hatten wir schnell unser Stammpublikum erobert. Das war verrückt, aber wir hatten die Bude voll mit Filmen der „Marx Brothers“ oder den Heinz Erhardt-Komödien der 50er Jahre. Aber – anders als heute – war das Metropol damals bei Erstaufführungen nicht dabei. Wir waren nur „Bezirkserstaufführungskino“, das hieß, wir mussten auf Neuheiten wie „Shining“ wochenlang warten, bis die Innenstadtkinos die abgespielt hatten.

In der Glanzzeit der Programmkinos konnte man richtig Geld verdienen, haben Sie eine Villa in Oberkassel?

Heimansberg: Nein, ich wohne im Häuschen meiner Eltern in Benrath. Geld hat mir nie viel bedeutet, mein Auto hatte ich damals für 200 Mark vom Schwiegervater abgekauft. Ich habe allerdings viel Geld ausgegeben für die Renovierung des Metropol und für Filmkopien. Ich habe über 500 Kopien gesammelt, für manche habe ich mehr als 2000 Mark hingeblättert. Die sind mittlerweile im Filmmuseum oder verkauft. Außerdem habe ich Schallplatten mit Filmmusik produziert, nicht gerade eine lohnende Investition. Aber ein Luxus in meiner „Villa“ ist ein eigenes Kino unterm Dach – mit Vorhang!

Mitte der 90er Jahre wurde das Kinogeschäft schwieriger, die Zahlen brachen ein.

Heimansberg: Das alte Konzept zog nicht mehr, die Repertoirefilme gab es auf Video und DVD. Wir mussten rechnen lernen. Da habe ich mit Kalle Somnitz, der das Souterrain in Oberkassel betrieb, einen Partner gefunden, der meine Filmleidenschaft mit Finanzverstand ausgleichen konnte. Wenn wir damals unsere Kinos nicht neu aufgestellt hätten, könnte mindestens das Metropol dieses Jahr kein Jubiläum feiern.

Mit der Digitalisierung der Kinos kam noch einmal ein Einschnitt. Film von der Festplatte, ist das noch „Ihr“ Kino?

Heimansberg: Ich habe zwar noch an den alten Ratterkisten im Projektionsraum gelernt, aber ich bin kein Mann der „Vorführer-Romantik“. Für mich haben die digitalen Filme nur Vorteile. Die sind nicht zerkratzt, der Ton ist gut, das Bild immer scharf und die Abläufe sind viel einfacher. Das Bild mag zwar etwas „steriler“ wirken. Aber, wenn ich heute im Atelier einen Film mit der alten 35mm-Technik zeige, beschweren sich die Zuschauer über das unruhige Bild. Die Sehgewohnheiten haben sich da sehr geändert.

Sie haben 40 Jahre Kino auf dem Buckel und sind selbst so etwas wie eine Filmlegende in Düsseldorf.

Heimansberg (lacht): Ach Gott. So fühlt sich das nicht an. Aber ich bin froh, dass ich das Metropol in gute Hände übergeben kann. Vor vier Jahren hat Nico Elze die Geschäftsführung schon übernommen und mit Daniel Bäldle habe ich einen Theaterleiter, der genauso filmverrückt ist wie ich. 40 Jahre sind eine lange Zeit, aber im Rückblick kommt mir vieles wie gestern vor. Vor 25 Jahren kam zu uns ein amerikanischer Regisseur mit einer Punk-Dokumenation ins Metropol. Im Moment läuft sein neuer Film bei uns im Atelier und in tausenden Kinos auf der ganzen Welt. Todd Philips kannte damals kaum jemand, mit „Joker“ fasziniert er jetzt ein Millionenpublikum. Aber ich finde, mit 70 ist auch mal Schluss, und wenn ich Lust habe, komme ich sicher noch mal ins Kino.

Wie sind Sie auf den Abschiedsfilm gekommen?

Heimansberg: „Die kleinste Schau der Welt“ ist eine britische Komödie aus dem Jahr 1957. Sie erzählt von einem Paar, das ein Kino erbt. Leider ist das Haus winzig klein und heruntergekommen, jedesmal wenn der Zug vorbeifährt, erzittert das ganze Gemäuer. Das erinnert mich ein bisschen an die Straßenbahn in der Brunnenstraße. Direkt daneben ist ein ganz modernes Kino und dessen Besitzer will die alte Kiste kaufen, um daraus Parkplätze zu machen. Das verletzt aber den Stolz der neuen Nachbarn und auch die etwas sonderbaren Mitarbeiter wollen ihren Job nicht verlieren. Am Ende steht das Kino in Flammen, aber nicht die alte Bruchbude. Der Film ist etwas Besonderes, auch wegen der Besetzung mit Peter Sellers und Margareth Rutherford. Irgendwie erinnerte mich das Thema an mein Metropol. Wir zünden zwar nicht die Konkurrenz an, aber wir sind Feuer und Flamme für das Kino.