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U-Bahn-Bau in Düsseldorf: Politik entscheidet erst 2024 über U81-Brücke

U-Bahn in Düsseldorf : Die U81-Brückelässt noch auf sich warten

Für drei Jahre sollen Brücke und Tunnel genauer geplant werden. Eins ist schon klar: Die Kosten sind erheblich höher als veranschlagt.

Die Politik sieht sich noch nicht bereit zu einer Entscheidung, ob eine neue Rheinbrücke entstehen soll – oder ob die U-Bahn-Linie U81 doch lieber durch einen Tunnel nach Lörick geführt wird. Der Stadtrat wird aller Voraussicht nach entscheiden, beide Varianten weiter zu planen und erst im Herbst 2024 zu entscheiden. Der Ordnungs- und Verkehrsausschuss diskutiert am Mittwoch über das Vorgehen, in zwei Bezirksvertretungen wurde bereits Rückhalt angedeutet.

Schon jetzt ist klar, dass das Großprojekt in beiden Fällen erheblich teurer wird als bisher angegeben: Die Streckenerweiterung inklusive Brücke auf Höhe der Arena würde nach aktuellen Schätzungen 305 Millionen Euro kosten und damit 84 Millionen Euro mehr als im Jahr 2016 ermittelt; als Hauptgrund gilt die allgemeine Preissteigerung beim Bauen. Falls sich die Politik für den Tunnel entscheidet, würden weitere 80 Millionen Euro hinzukommen. Noch völlig unklar ist, ob und wie viel Fördergeld es gibt. Auch in dieser Hinsicht rät die Stadtverwaltung, zunächst beide Varianten weiter zu planen.

Die U81 gilt als wichtigstes ÖPNV-Bauprojekt in der Landeshauptstadt. Schon seit Ende der 90er-Jahre laufen die Planungen. Der zweite Bauabschnitt, um den es politisch derzeit geht, soll das linksrheinische Düsseldorf und die angrenzenden Städte schneller an den Flughafen und die Messe anbinden. Die Strecke soll vom Handweiser in Heerdt durch Lörick laufen, den Rhein über- oder unterqueren und am Arena-Bahnhof an die bestehende Bahnstrecke andocken. Der erste Bauabschnitt, eine neue Strecke zwischen der Haltestelle Freiligrathplatz und dem Flughafen, befindet sich bereits im Bau. Die Zahl der Beteiligten ist hoch, die Interessen sind allerdings gegensätzlich. Bei Anwohnern in Lörick stößt der Plan teilweise auf heftige Ablehnung, in Heerdt erhofft man sich derweil eine Entschärfung des überlasteten Handweisers, wo im Zuge des U-Bahn-Baus ein Tunnel entstehen könnte. Die Politik hatte 2016 entschieden, ein großes Beteiligungsverfahren auszurichten, das in diesem Sommer zu Ende gegangen ist.

Insgesamt 55 Varianten wurden geprüft, darunter viele Ideen von Bürgern. Überraschend hatte sich dabei die von der Stadt lange favorisierte Brückenlösung nicht durchgesetzt. Stattdessen schnitt ein Tunnel über etwa dieselbe Route am besten ab. Geprüft wurden unterschiedliche Kriterien wie Umweltbelange, Fahrzeit oder Klagerisiko. Die Brücke gilt trotzdem angesichts der Mehrkosten für den Tunnel als „wirtschaftlichste“ Variante.

Beide Varianten haben offensichtliche Vor- und Nachteile, die nun genauer untersucht werden sollen. Der Tunnel könnte verträglicher für die Anwohner sein und wäre im Stadtbild kaum sichtbar, die Brücke wäre dafür erheblich günstiger und könnte auch von Radfahrern und Fußgängern genutzt werden.

Das Ratsbündnis aus CDU und Grünen wird der Empfehlung folgen, beide Varianten weiter zu prüfen, auch wenn das Mehrkosten für die Planung in Höhe von sieben Millionen Euro bedeutet. Die Auswirkungen des Großprojekts sind groß und vielfältig, sagt CDU-Fraktionschef Rolf Tups. „Das muss nun tiefer geprüft werden, als es in dem Beteiligungsverfahren möglich war.“ Grünen-Fraktionschef Norbert Czerwinski sieht gute Argumente für beide Lösungen. Für die Grünen stehe außer Frage, dass auch eine Rheinquerung für den Radschnellweg geschaffen werden muss.

Auch das Beteiligungsverfahren hat die Debatte nicht befriedet. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert, dass die Stadt durch die Gewichtung der Kriterien ihren Vorzugsvarianten den Vorrang gebe. Der VCD war mit der Idee gescheitert, stattdessen die Strecke über die Messe Süd und den Seestern zu führen. Unter den verbliebenen beiden Varianten befürwortet der Verein die Brücke. Der Tunnel habe zu viele Nachteile, darunter auch die lange Bauzeit und die hohen CO2-Emmissionen, sagt der Vorsitzende Iko Tönjes. Der langjährige Vorsitzende des Bürgervereins Lörick, Horst Seidenberg, kritisiert derweil die weitere Prüfung des Tunnels als rein „taktisches Manöver“. Er vermutet, dass die Stadtverwaltung am Ende die immer vorgeschlagene Brückenvariante umsetzen will. Der Verein kämpft seit langem gegen die neue Bahnstrecke durch den Stadtteil, Seidenberg lehnt beide Varianten ab.