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Tuning-Szene im Visier der Polizei: Kontrollen zeigen Wirkung

Verkehr : Tuning-Szene im Visier der Polizei: Kontrollen zeigen Wirkung

1240 Fahrzeuge wurden bis Ende vergangenen Jahres überprüft, 88 aus dem Verkehr gezogen. Ein Veranstalter will nach Köln umziehen.

Zurzeit wird in den Garagen gebastelt und geschraubt. Die Freunde der hochgezüchteten PS-Boliden bereiten sich auf die neue Saison vor. Die beginnt für die Tuning-Fans traditionell Ostern, am „Car-Freitag“, wie sie den Tag getauft haben. In diesem Jahr könnten viele mit ihren hochgezüchteten Karossen aber einen Bogen um Düsseldorf machen. Denn seit mehr als einem Jahr hat die Polizei die Szene im Visier. Wie Ludger Walter, Leiter der AG Tuning, erklärt, zeigt das auch Wirkung: „Zumindest können wir das aus den sozialen Netzwerken entnehmen. Ein Veranstalter hat dort sogar schon angekündigt, dass er nach Köln gehen wird.“

Vier große Einsätze hat die AG Tuning seit September 2017 an der Königsallee durchgeführt, zwei weitere an der Essener Messe, die ebenfalls einer der so genannten „Hot Spots“ für die Liebhaber technisch aufgemotzter Fahrzeuge ist. „Wir haben grundsätzlich drei verschiedene Typen. Das sind die Poser, die Tuner und die Raser. Dazwischen kann es Schnittmengen geben, das muss aber nicht sein“, so Walter.

Poser fahren mit ihren
Schätzen keine Rennen

Wie es zu Düsseldorf passt, sind es hier vor allem die Poser und Tuner, die gerne an den Wochenenden ein paar Runden um die Königsallee drehen, gerne auch mal kurz mit Vollgas und viel Reifenabrieb. Sie werden dort oft schon von „Carspottern“ erwartet, die besonders ausgefallene Kreationen auf vier Rädern fotografieren wollen. Die Poser allerdings investieren viel, um mit ihren Boliden zu protzen. Sie würden ihren Schatz aus Metall aber nie den Gefahren eines Wettrennens aussetzen. Walter: „Eine Raserszene haben wir in Düsseldorf eher nicht. Das kommt höchstens mal in Einzelfällen vor.“

Dje Gefahr, mit einem manipulierten Fahrzeug aufzufallen, ist inzwischen groß. Insgesamt hat die AG Tuning bis zum Ende des vergangenen Jahres 1240 Autos kontrolliert. Dabei wurden 160 Verwarnunbgsgelder bis 55 Euro verhängt.  Dazu kamen 493 Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen, unter anderem, weil die Betriebserlaubnis erloschen oder die Verkehrssicherheit beeinträchtigt waren.

In 16 Fällen wurden sogar Strafazeigen erstattet. Zum Beispiel an einen PS-Fan, der sein Auto mit einer ganz besonderen Idee verändert hatte., Das vordere Nummernschild ließ sich umklappen, so dass es zum Beispiel bei Geschwindigkeitskontrollen nicht mehr identifiziert werden konnte. Da ist es dann nicht mehr mit einem Bußgeld getan. Walter: „Das ist eine Straftat.“

An 404 Tuning-Fans verteilte die Polizei Mängelkarten. Sie müssen Veränderungen an ihren Fahrzeugen wie zu breite Reifen oder falsche Felgen zurückbauen und dann erneut dem Tüv vorführen. 88 Autos wurden sichergestellt. Das könne dann teuer werden, weiß der Chef der AG Tuning.

In den sozialen Medien gab es zunächst jede Menge Spott für die Aktion. „Da kamen dann Kommentare wie: Kümmern Sie sich um Kinderschänder“, berichtet Walter,  „aber das hat sich geändert. Inzwischen finden viele, dass es richtig ist, was wir tun.“ Und anderen vergeht wegen der Kontrollen die Lust, nach Düsseldorf zu fahren. Sie wollen zum „Car-Freitag“ in diesem Jahr mit ihren Wagen lieber gleich eine andere Stadt ansteuern.