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Trotz Corona: Viel los auf Spielplätzen und in Geschäften in Düsseldorf

Düsseldorf : Trotz Corona: Geschäfte geöffnet, auf Spielplätzen war viel los

Viele Düsseldorfer leben einfach weiter wie bis bisher. Zugleich leiden aber viele Geschäfte unter herben Verlusten.

Um Leben und Tod gehe es, sagte Ministerpräsident Laschet am Dienstag, um den Ernst der Lage in der Coronaviruskrise drastisch zu beschreiben. Das sehen viele Düsseldorfer allerdings anders, sie schätzen die Lage ganz offenkundig viel entspannter ein. Anders lässt sich nicht erklären, dass so viele Menschen ihr Verhalten nicht ändern.

Ein paar Beispiele: Am Morgen um kurz vor 9 Uhr warten drei Dutzend Menschen vor der Filiale eines Drogeriemarktes in Unterrath und stürmen dicht gedrängt den Laden, als eine Verkäuferin aufschließt. Ohne jede Rücksicht auf den gebotenen Abstand. „Sie machen mir Angst“, sagt die junge Frau. Als ihre Kollegin ruft, „es gibt noch kein Klopapier“ macht die Hälfte sofort wutschnaubend kehrt.

Nordpark, Reeser Platz, Rheinpark, Hofgarten: Es gibt keinen Spielplatz, an dem keine Kinder mit ihren Eltern oder Betreuern sind. Auch am Nachmittag um 16 Uhr noch, obwohl das Land da längst die Schließung aller Spielplätze verkündet hatte. Die Stadt antwortet noch am frühen Abend zögerlich, die Verfügung des Landes zu den Spielplätzen liege noch nicht vor, teilt das Amt für Kommunikation mit, man werde die Vorgaben des Landes aber zeitnah im Rahmen einer Allgemeinverfügung umsetzen. 

Mittagessen auf dem Carlsplatz: Die Schlange bei Dauser ist nicht ganz so lang, wie sie es an einem so sonnigen Tag ohne Corona wäre, aber lang ist sie allemal. „Die Leute sind dankbar, dass wir auf haben und sie was essen können“, sagt eine Mitarbeiterin. Angst vor einer Ansteckung hat sie nicht, immerhin steht ein Schuld am Tresen mit der Aufschrift: „Lieber Kunde, bitte nur einzeln vortreten.“

Auf der Kö oder im Hofgarten flanieren immer noch viele Menschen, aber nicht nur einzeln oder halbwegs getrennt voneinander, sondern gerne weiterhin in Gruppen oder gar Pulks.

Auch die Mehrzahl der Geschäfte ist am Dienstag noch geöffnet — und zwar nicht nur Supermärkte, Drogerien oder Apotheken. Auf der Schadowstraße haben viele große Bekleidungsgeschäfte auf, in den Straßen der Altstadt bietet sich ein differenzierteres Bild. In manchen Läden wie Timberland, Zara oder Foot Locker hängen bereits Zettel an den verschlossenen Türen, die auf eine Schließung aufgrund der Entwicklungen in Sachen Coronavirus hinweisen. Andere Läden sind noch geöffnet. Man hat den Eindruck, dass sie sich die Waage halten, die geöffneten und die geschlossenen Geschäfte. Geöffnet ist auch das Einrichtungshaus Depot an der Mittelstraße. Die Filialleiterin Alicja Komin sieht sich am Vormittag noch mit einer vollkommen unklaren Lage konfrontiert: „Ich warte auf eine Ansage von der Geschäftsführung“, sagt sie. Die befinde sich gerade noch in der Abstimmung zur neuen Verordnungslage. „Was morgen ist, wissen wir heute noch nicht.“ Allerdings seien die vergangenen Tage nahezu katastrophal gewesen, was die Umsätze angeht. Bis zu 50 Prozent weniger Einnahmen hätte es schon am sonst so umsatzstarken Samstag gegeben.

Von Umsatzeinbußen von 70 bis 80 Prozent spricht René Stenzen, Filialleiter des Schuhgeschäfts Tamaris an der Flinger Straße. Da sei es fast besser, wenn eine Schließung angeordnet wird und der Ausfall der Einnahmen durch staatliche Hilfe aufgefangen wird.

Kirstin Krohn ist leitende Angestellte in der Mode-Boutique Déja Vu an der Kasernenstraße. Seit 33 Jahren arbeitet sie dort, außer der Reihe schließen musste sie nur ein Mal: Vor einem halben Jahr, als es über ihr im Haus gebrannt hatte. „Man kann nur hoffen, dass die Geschäfte Unterstützung bekommen in dieser Zeit“, sagt sie. Die Mieten müssten ja auch weiter gezahlt werden. Genau so wie die Löhne: Mit ihrer Chefin habe sie allerdings Glück, die habe schon angekündigt, sich um ihre Mitarbeiter zu kümmern, und das werde sie auch. Und auch sie kann bestätigen, dass in den letzten Tagen die Umsätze massiv eingebrochen seien. „So wenige Kunden wie aktuell hatten wir nie“, sagt sie. Unter dem Tresen hat sie drei verschiedene Desinfektionsmittel. Damit habe sie mehrmals am Tag die Türklinken, die Theke und dergleichen abgewischt. Aber jetzt sei wohl erst mal Feierabend.

Der Inhaber einer Eisdiele ist noch völlig ohne Plan am Dienstagvormittag. „Ich weiß überhaupt nicht, was ich machen soll“, sagt er. „Aus der lokalen Presse lese ich das eine, aus der überregionalen das andere. Ich habe keine Ahnung, ob ich nun öffnen darf oder nicht.“ Tatsächlich hatte die Stadt kommuniziert, dass Eisdielen nicht zu den Gastronomien gehören, die geöffnet bleiben dürfen. Der Beschluss der Bundesregierung ist da weniger eindeutig. „Und jetzt frage ich mich, wie viel Eis ich heute aus der Tiefkühlung holen soll. Ich weiß es nicht.“