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Trinkwasser in Düsseldorf ist gut - Notbrunnen fehlen

Wasserversorgung : Düsseldorfer Trinkwasser ist prima, aber es fehlen Notbrunnen

Der Stadtrat hat ein neues Wasserversorgungskonzept verabschiedet, das trotz aller Fortschritte bei der Wasserqualität mehrere Gefahren offenlegt.

Natürlich: Im Gegensatz zu anderen Regionen in der südlichen Erdhalbkugel mangelt es in Düsseldorf nicht an sauberem Wasser. Dennoch muss die Stadt ein umfangreiches Wasserversorgungskonzept vorlegen, das zukünftige Bedarfe ebenso einbezieht wie den Klimawandel und eine Analyse von potenziellen Gefahren. Erstellt wird es von den Stadtwerken, an die die Stadt die Wasserversorgung per Konzessionsvertrag 2014 übertragen hat. Das aktuelle Wasserkonzept hat Umweltdezernentin Helga Stulgies jetzt dem Stadtrat vorgelegt, der es einstimmig verabschiedete.

Wir beleuchten die wichtigsten Parameter:
Verbrauch: Insgesamt ist der Wasserverbrauch (Brauch- und Trinkwasser) schon lange rückläufig: Seit 1971 sank der Wasserbedarf im Versorgungsgebiet der Stadtwerke mit Düsseldorf, Alt-Erkrath und Mettmann um etwa 40 Prozent von fast 85 auf 51,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Hauptgründe dafür sind Wassereinsparungen im industriellen Bereich, aber auch viele Privatkunden der Stadtwerke setzen — aus Umweltschutzgründen, aber auch in der Folge von Preiserhöhungen — auf wassersparende Techniken und Geräte. Beim Pro-Kopf-Verbrauch ist es ähnlich, der lag 2016 bei durchschnittlich 154,5 Litern (1991: 202,3 Liter); das sind 24 Prozent mehr als im Bundesschnitt, was die Stadtwerke vor allem mit den vielen Berufspendlern erklären.

In Zukunft aber werde der Wasserspartrend im Privatbereich gestoppt, heißt es im Wasserkonzept, die Stadt erwartet eine Stagnation beim Verbrauch. Zum einen wachse die Einwohnerzahl Düsseldorfs laut Prognosen auf 660 000 im Jahr 2030; der Pro-Kopf-Verbrauch werde im Schnitt steigen durch die wachsende Zahl von Single-Haushalten und Hotelübernachtungen. Wie sich der demografische Wandel auf den Wasserverbrauch auswirkt, sei noch nicht absehbar.


Wasserqualität: Durch Erfolge im Gewässerschutz haben sich die Voraussetzungen für die Gewinnung von Trinkwasser in Düsseldorf in den letzten Jahren stetig verbessert. Im Ergebnis erfüllt die Trinkwasserqualität sowohl chemisch als auch hygienisch alle Anforderungen. Sichere Ressourcen sind der Rhein ebenso wie das Grundwasser, das freilich aufgrund von CKW-Belastungen in der Vergangenheit mehrfach saniert werden musste.


Gefährdungen, 1. Verunreinigungen: Trotz aller Verbesserungen sind sowohl bei den oberirdischen Gewässern als auch beim Grundwasser wegen der nach wie vor bestehenden Belastung mit Mikroverunreinigungen und Schadstoffen aus der Landwirtschaft immer noch Maßnahmen zur Verringerung der Einträge erforderlich.

2. Stromausfall
: Bei einem flächendeckenden Stromausfall wird die Wasserversorgung zunächst unvermindert durch die Hochbehälter und Notstromversorgung an den Druckerhöhungsanlagen Heerdt (Sandberg) und Ludenberg (Auf der Hardt) aufrechterhalten. Etwa 24 Stunden lang wäre weiter Wasser verfügbar. Bei einem längeren und großflächigeren Energieausfall wird die Versorgung über die Gaskraftwerke Flingern und „Fortuna“ auf der Lausward wieder hergestellt.


3. Notbrunnen: Aktuell gibt es in Düsseldorf 70 Trinkwassernotbrunnen, von denen die Stadtwerke nur rund 50 uneingeschränkt betriebsbereit halten, weil 17 reparaturbedürftig und drei bereits defekt sind. Das heißt: In einigen Stadtteilen (vor allem im Osten und Süd-Osten) gibt es aktuell keine Trinkwassernotbrunnen. Wenn die Mängel örtlich genau ermittelt worden sind, sollen neue Brunnen installiert werden.


4. Löschwasser: Die Feuerwehr hat 107 Objekte ermittelt, bei denen die Grundschutzmenge durch das vorhandene Trinkwassernetz nicht ausreichend zur Verfügung gestellt werden kann, im Klartext: Dort gibt es im Brandfall nicht genug Löschwasser. Eigentlich soll alle 150 Meter ein Hydrant stehen. Auch hier ist der Osten mit 71 Objekten in den Stadtteilen Grafenberg, Gerresheim, Ludenberg, Knittkuhl und Hubbelrath mit Abstand am stärksten betroffen. Stadtwerke und Feuerwehr sollen je nach Örtlichkeit Lösungen finden, zum Beispiel neue Löschwasserbrunnen oder -behälter.


5. Klimawandel: Extreme Abflüsse und Niedrigwasser aufgrund langer trockener Perioden können die Rohwasserqualität durch eine dann höhere Konzentration chemischer Parameter mindern. Bei Hochwassern kann es zu vermehrter Bakterienbildung kommen. Beide Gefährdungslagen sind laut diesem Wasserversorgungskonzept aber bereits weitgehend beseitigt, etwa durch Pumpwerke. Angesichts der zu erwartenden steigenden Wassertemperaturen soll die Bildung von Zonen mit zu geringen Fließgeschwindigkeiten verhindert werden.