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Trend in Düsseldorf: Ausgehen ins Hotel

Trend in Düsseldorf: Ausgehen ins Hotel

Einige Häuser haben umfangreiche Kulturprogramme entwickelt und holen jede Menge Einheimische in ihre Lobbys und Bars.

Ein gutes Bett alleine reicht nicht mehr. Selbst ein individuell dekoriertes Zimmer braucht noch eine Ergänzung, die dann nicht nur Bar oder Fitnessraum heißen sollte. Das ist — leicht verknappt — die Lage, in der sich Düsseldorfer Hotels heute befinden und auf die sie unterschiedliche Antworten finden. In den Fünf-Sterne-Häusern ist es letztlich die kreative und nimmermüde Auslegung des Begriffs Luxus, in der Liga darunter aber wird es kniffliger und führt in der Landeshauptstadt zu einem Trend: Das urbane Leben beginnt noch im Hotel. Die Häuser laden Musiker, Künstler, Comedians, Autoren, DJs ein und entwickeln sich zu Klein-Kultur-Zentren. Der schöne Nebeneffekt: Die Düsseldorfer gehen nicht mal nur in die Bar oder das Restaurant eines Hauses, sondern werden regelmäßige Hotel-Gäste, ohne je dort zu übernachten.

Trend in Düsseldorf: Ausgehen ins Hotel
Foto: Sebastian Lüdtke

Mit den Besuchern aus der eigenen Stadt erfüllen die Hoteliers einen Wunsch der Gäste mit den drei- bis vierstelligen Anreise-Kilometerzahlen. Dass das Mieten von Zimmern über Portale wie AirB’n’B in jüngster Vergangenheit so beliebt geworden ist, hängt bei weitem nicht nur mit dem Preis zusammen. Die Touristen wollen das lokale Leben so nah und intensiv wie möglich erleben. Ein paar Gerichte aus hiesigen Rezeptbüchern und eine schwer bekömmliche Getränkespezialität alleine reichen nicht mehr, Sehenswürdigkeiten hat jeder auf dem Smartphone. Die Gäste wollen zuhause vom lokalen Leben erzählen, von Begegnungen und Momenten aus dem Alltag der Stadt. Und das geht ziemlich gut, wenn man lokale Künstler hört, sieht, trifft und/oder wenn das Publikum in der Lobby zu weit mehr als der Hälfte aus Einheimischen besteht.

Trend in Düsseldorf: Ausgehen ins Hotel
Foto: Andreas Wellander

In Düsseldorf sind zwei Auslegungen dieser Erkenntnisse zu beobachten. Die einen hängen mal ein paar Bilder auf und veranstalten eine Ausstellung oder beteiligen sich an Düsseldorfer Großveranstaltungen wie dem Photo Weekend oder der Nacht der Museen. Die anderen etablieren Veranstaltungsreihen und bieten mindestens wöchentlich einen Grund zum Wiederkommen. In der letztgenannten Kategorie fallen vor allem zwei Häuser auf: das „me and all“-Hotel an der Immermannstraße und das Hotel „Friends“ an der Worringer Straße. Das eine ist ein bisschen schicker, das andere ein bisschen mehr Rock’n’Roll.

Trend in Düsseldorf: Ausgehen ins Hotel
Foto: Sebastian Lüdtke

Der Publikums-Liebling bei „me and all“ sind die Wohnzimmerkonzerte. Musiker aus der Düsseldorf und dem Umland spielen einmal im Monat in entspannter Besetzung und Instrumentierung in der Lounge in der elften Etage des Hauses. Nächster Gast in dieser Reihe ist am 25. April Lucie Licht, für die auch das schöne Motto gilt „Freier Eintritt, bis die Lounge voll ist“.

Um die Wohnzimmerkonzerte herum sind diverse Facetten von Unterhaltung entstanden: Lesungen in Kooperation mit der Mayerschen, Pop-up-Comedy mit Lars Hohlfeld (erstmals am 11. Juni) und Feierabend-Sets von lokalen DJs. Und auch beim Programm jenseits der Bühne können Düsseldorfer dabei sein: Im Treppenhaus bietet ein Trainer immer dienstags ab 19 Uhr körperliche Ertüchtigung an (Teilnahmegebühr: zehn Euro).

Das Hotel „Friends“ hat reichlich Platz für seine kulturell wertvollen Aktivitäten. 700 Quadratmeter haben Bar und Lobby, das reicht dann sogar für eine Bühne. Der Keller ist für die Kunst und regelmäßig wechselnde Ausstellungen reserviert. Auf der erwähnten Bühne gastieren die Comedians der Show „Acht p.m.“, die Mitglieder des Pop-up-Theaters oder die Krimi-Komplizen. Die Gruppe ist heute Abend ab 20 Uhr mit einem neuen Live-Hörspiel zu erleben. „Spuk auf der Kreuzfahrt“ heißt das dazugehörige Werk.

Orange Room heißt eine der Reihen, die den Akustik-Musikern gewidmet ist (nächster Termin mit Toksi, Haller und einem Überraschungsgast am 6. April, Einlass ab 19 Uhr). Einen Tag früher feiert “Stadtklang“ seine Premiere an der Worringer Straße. Dann spielt das Trio Leo Grande aus Berlin seine unpopuläre Popmusik (19.30 Uhr).

Vier Mal im Jahr ist auch die Reihe „Beats, Bier und Bingo“ im Hotel „Friends“ zu Gast. Bei dieser sehr freien Interpretation des Glücksspiels werden große Showmaster-Qualitäten geboten und es gibt die herrlich unsinnigsten Preise zu gewinnen, die man in Düsseldorf nur sammeln kann.