"Toutou" im Theater an der Kö: Eine Liebe mit dem Wau-Effekt

"Toutou" im Theater an der Kö: Eine Liebe mit dem Wau-Effekt

In „Toutou“ verliert ein Paar seinen Hund — und dann die Beherrschung. Die Schauspieler ernten herzlichen Applaus.

Düsseldorf. Sind Sie schon auf den Hund gekommen? Wenn nicht: Nach dem Besuch von „Toutou“ (zu Deutsch: Wauwau) im Theater an der Kö könnten Sie auf den Geschmack kommen. Oder Sie werden endgültig zum Hundehasser. Beides ist möglich in der bitterbösen Komödie von Daniel Besse und Agnès Tutenuit, deren Premiere im Schadow-Arkaden-Theater jetzt gefeiert wurde.

Zumindest kommen beide Parteien voll auf ihre Kosten — Hundenarren sowie Menschen, die lieber auf Distanz zu „kläffenden Kötern“ gehen. Der Humor ist speziell, ganz schön französisch. Denn hinter lockerleichten Dialogen und eleganter Fassade des Luxusappartements von Alex und Chloé verbergen sich Abgründe — seelische, versteht sich.

Er ein erfolgreicher Krisenberater, sie eine findige Projektentwicklerin für Entwicklungsländer: Das Paar hat nach über 20 Ehejahren nur noch ein Thema, seinen Toutou. Ist er nicht süß? Warum guckt er so traurig? Und als Alex ihn eines Abends beim Gassigehen auf den Straßen in einem noblen Pariser Stadtviertel verliert, geraten die beiden in Panik. Der Haussegen hängt schief. Frauchen und Herrchen machen sich gegenseitig Vorwürfe und geraten in Gefühlsschwankungen, die sich zu einem handfesten Ehekrach auswachsen. Sie streiten sich über das leere Hundebett, über die Farbe von Toutou, über alles.

Unverhofft stellen sie ihre Beziehung infrage und kämpfen mit härteren Bandagen als je bei einem Disput über Kindererziehung. Ihr Sohn lebt eh seit langer Zeit in New York. Und da Alex und Chloé niemanden fürs Hundehüten fanden, haben sie ihren Spross noch nie besucht.

Der Reiz des Stücks besteht darin, wie zunächst harmloses Geplänkel im Chaos endet — angestachelt vom gemeinsamen Freund des Paares, Pavel. Wie sich das fein geknüpfte Knäuel von Konflikten löst, erfährt man, wenn man den Theaterabend, auf Tempo getrimmt von Regisseurin Ute Willing, bis zum Ende erlebt. Trotz einiger Schwächen und Durchhänger: Es lohnt sich. Denn mit Gila von Weitershausen und Winfried Glatzeder stehen junggebliebene, alte Theater- und TV-Hasen auf den Brettern, die Hundebesitzer-Pointen geschickt mit emotionaler Tiefe verquicken. Von Weitershausen mimt hinreißend die verstockt zickige Hundenärrin, dann die eifersüchtige Gemahlin oder flirtende Fremdgeherin. Glatzeder, der in den 80er Jahren in Charakterrollen am Schauspielhaus brillierte, näselt, malmt Konsonanten und wandelt sich vom Paulus zum Saulus: Anfangs umsorgender Ehemann, mutiert er zum selbstverliebten Gockel, der plötzlich Hunde verachtet. Eine zwielichtige Rolle bis zum Überraschungs-Finale spielt Klaus Zmorek als Hausfreund Pavel. Herzlicher Applaus für alle.

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