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"Tour de menu" mit immer neuen Trends

Gastronomie : „Tour de menu“ mit immer neuen Trends

Interview Veranstalterin Gabriela Picariello spricht über die Skepsis, vor 20 Jahren Menüs anzubieten. 

Die „tour de menu“ ist eine Erfolgsgeschichte und feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Darauf ist Veranstalterin Gabriela Picariello von der Agentur Rheinlust sehr stolz. Nie hatte sie erwartet, dass sich ihr Projekt derart etablieren würde und sie damit zur Pionierin der Gastro-Events wurde.

Wie entstand damals die Idee zur „tour de menu“?

Picariello: Es gab ja seinerzeit schon die Jazz-Rallye und ich dachte, dass es so etwas auch für die Gastronomie geben müsste. Anregungen dazu holte ich mir im Urlaub in Frankreich und ich war schon immer ein Freund von kleinen Portionen und Menüs mit mehreren Gängen. So entstand die Idee.

Der Start war doch bestimmt schwierig?

Picariello: Oh ja, die erste Veranstaltung war sehr mühselig und schwierig. Ich konnte die Gastronome nur schwer davon überzeugen, ein Menü für einen begrenzten Zeitraum anzubieten. Mit 20 Restaurants sind wir damals gestartet. Mehr konnte ich nicht für die neue Idee gewinnen. Doch schon im zweiten Jahr waren es 35 Lokale, im dritten Jahr 42 und ab dann stets 50 Teilnehmer. Das waren genug, es sollte ja ein exklusiver Rahmen bleiben. Und Menüs, von denen anfangs niemand etwas wissen wollte, stehen heute auf fast jeder Speisekarte – auch außerhalb der tour. Diese tour zu organisieren bedeutet einen enormen Aufwand, aber es macht auch immer viel Spaß.

Wie hat sich die Gastro-Landschaft in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?

Picariello: Es hat sich viel verändert. Gastronomie heute ist sehr kreativ und vielfältig. Es entwickeln sich immer neue Foodtrends und die Konzeptgastronomie rückt ausgewählte Lebensmittel und Themen in den Fokus. Der Gast von heute ist qualitätsbewusst, möchte sich gesund ernähren und lässt sich nichts mehr vormachen. Es gibt eine Kommunikation zwischen Koch und Gast und auch guter Service erfährt Wertschätzung. Der Genuss hat sich etabliert. Die Mehrheit der Gäste will weder Weizenpampe im Brotkorb noch dicke Schweinshaxe auf dem Teller. Chic und genussreich sind ungewöhnliche und ausgefallene Kombinationen, wie es sie früher nur vereinzelt zum Beispiel bei Paul Meister in Robert´s Bistro gab. Die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ gilt heute nicht mehr für die Gastronomie. Wer essen geht, gönnt sich eine Flasche Wein und eine Vorspeise und unterhält sich auch gerne über das Essen selbst.

Viele Gastronomen beklagen jedoch, dass Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung zu teuer sei und der Gast meist nicht bereit sei, den Preis dafür zu bezahlen.

Picariello: Das ist in der Tat noch immer ein großes Problem. Das Bewusstsein der Gäste muss sich noch weiter ändern. Gute Ware braucht noch mehr Wertschätzung und dazu gehört auch die Einsicht, dass wir Fleisch nicht in Mengen brauchen für ein genussvolles Essen!

Was halten Sie von den Bewertungsportalen für Restaurants?

Picariello: Diese Portale werden zu sehr gefüttert mit Infos, die dort nicht hingehören. Schlechte Bewertungen können ein Lokal niederschreiben. Gleichwohl gibt es Gastronome, die Fehler machen. Die Gastronome, die ich kenne, sind schlau und behandeln auch im Reklamationsfall ihre Gäste so, dass sie wiederkommen.

Was soll ein Gast tun, der mit seinem Essen unzufrieden ist?

Picariello: Wenn sich der Gast direkt und aus der Wut heraus beschwert, kann es zu Überreaktionen kommen und dann kann es sein, dass sich auch der Gastronom schwer tut in der Hektik des Geschäftes und aus Angst, dass benachbarte Gäste aufgeschreckt werden. Ich rate, einen sachlichen Brief oder eine E-Mail am Tag danach zu schreiben. Köche sind auf Feedback angewiesen und in ordentlich geführten Restaurants wird diese Kritik bestimmt nicht ungehört verhallen.

Sie veranstalten die „tour de menu“ und den Fischmarkt nun seit 20 Jahren mit großem Erfolg. Ist es bald Zeit für etwas Neues?

Picariello: Ich hätte nie gedacht, dass beide Projekte so erfolgreich laufen würden. So lange sie gewünscht sind, werden sie bleiben. Darüber hinaus möchte ich im kommenden Jahr ein neues Projekt starten, das Konzept dazu steht aber noch nicht.