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Tonhalle: Wenig Weihrauch, aber viel Andacht

Tonhalle: Wenig Weihrauch, aber viel Andacht

Düsseldorfer Symphoniker und der Musikverein gaben zwei Versionen vom „Te Deum“ - von Haydn und von Bruckner.

Düsseldorf. „Te Deum“ hoch zwei: So heißt es beim vorletzten Sternzeichen-Konzert der Saison in voll besetzter Tonhalle. Gleich in zwei Fassungen kredenzen die Symphoniker und der Chor des städtischen Musikvereins den Beginn des feierlichen lateinischen Lob-, Dank- und Bittgesangs. Den Anfang: das „Te Deum“, das um 1800 Meister Haydn der österreichischen Kaiserin bei ihrem Besuch auf Schloss Esterhazy gewidmet hatte. Am Ende: das wesentlich bekanntere und aufwühlende von Anton Bruckner — das nach seiner Uraufführung 1885 einen unvergleichbaren Siegeszug antrat.

Dass dieses Sakral-Opus auch in kleinerer Besetzung ans Gemüt gehen und in metaphysische Sphären heben kann, bewiesen vier Solisten, etwa 100 Musikvereins-Sänger und die Symphoniker unter Mario Venzago. Dem hibbeligen Gast-Maestro gelingt zwar keine Interpretation, die sprachlos macht. Doch immerhin dringt der Schweizer in emotionale und religiöse Höhen und Tiefen Bruckners vor. Und wird für eine beachtliche Leistung, ebenso wie Musiker, Solisten und Chor, gefeiert.

Wuchtig, beinahe wie eine Fanfare, vom Chor gerufen, startet das Werk, das 2011 bei einem Gastspiel des Bayrischen Staatsopern-Orchesters im Vatikan Benedikt XVI. zu Sprachlosigkeit geführt haben soll. Gottesfurcht, Dankbarkeit und Vertrauen dem Schöpfer gegenüber ziehen sich durch die 30 Minuten Musik, die Bruckner in Vorfreude auf das ewige Leben komponiert hat.

Besonders die Passagen, in denen der Chor „a capella“ seine Bitten in die Tonhallenkuppel hinauf sendet, wirken schwerelos. Ein Quantum Weihrauch mag frommen Kirchgängern vielleicht hier fehlen. Doch von Andacht beseelt und beinah körperlos klingen die Solo-Gesänge, eingerahmt von Blechbläsern.

Der lyrisch biegsame Sopran von Anke Krabbe und der leuchtende Oratorien-Tenor von Tomasz Zagorski gleichen Engelsstimmen, die in ein heiteres Jenseits entführen. Gewaltig und versöhnend das Finale in strahlendem C-Dur mit „Erbarme Dich unser“ oder „Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnungen gesetzt“.

Leichter und in Wiener-Klassik-Manier perlt indes Haydns Neun-Minuten Te Deum im Taschenformat. Feierlich schillernd ziehen die Gesänge vorüber und hätten im feinnervigen Symphoniker- Sound vielleicht auch Ihrer Kaiserlichen Majestät gefallen. Zwischendurch wird’s weltlicher. Zumal wenn die Pianistin Alice Sara Ott die Fantasie für Klavier und Orchester von Claude Debussy deutet. Rhapsodisch schwelgend, mit sinnlich elegischen Verzögerungen angereichert — so fügt sich die Deutsch-Japanerin in den Gesamtklang des Orchesters ein.