Tierversuche an der Uni: Nachfragen nicht erwünscht

Tierversuche an der Uni: Nachfragen nicht erwünscht

Auch in Düsseldorf gibt es Tierversuche – an der Heine-Uni sind es in jedem Jahr um die 60. Offen umgegangen wird damit nicht.

Düsseldorf. Forschungsfreiheit oder Tierquälerei? Seit Freitag beschäftigt sich das Bremer Verwaltungsgericht mit der Frage, ob Versuche an Affen im Namen der Wissenschaft erlaubt sind. Die Gesundheitsbehörde der Hansestadt will sie aus Tierschutz-Gründen stoppen. Die Uni pocht auf ihre Freiheit. Ein Präzedenzfall möglicherweise auch für Düsseldorf.

Auch hier wird an Tieren geforscht. Offen kommuniziert wird das allerdings kaum. Bei der Heinrich-Heine-Universität, die auf ihrem Gelände eine Tierforschungsanstalt (TVA) betreibt, gibt man sich auf Nachfrage zugeknöpft. Entsprechende Fragen der WZ wurden zunächst gar nicht, und dann nach Wochen schriftlich beantwortet.

Ungefähr 60 Versuche an Tieren wurden demnach im vergangenen Jahr an der Heine-Uni durchgeführt. 99 Prozent der Tiere sind Ratten und Mäuse. Über das restliche Prozent will sich die Uni-Leitung nicht äußern. Wie viele Tiere gehalten werden, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Immerhin: 22 Tierpfleger, vier Tierärzte und eine Biologin sind dort beschäftigt. Als der heutige Campus gebaut wurde, war von Anfang an eine Tierversuchsanlage gedacht. Die derzeitige TVA ist seit 1979/80 in Betrieb.

"Die Universitätsstädte sind die Hauptstandorte für Tierversuche", erklärt Eberhard Jacobs, Sprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Das Amt genehmigt Tierversuche. "Ein Antrag mit dem genauen Vorhaben, Ziel und Zeitangabe wird bei uns eingereicht. Eine Ethikkommission aus Wissenschaftlern und Tierschützern entscheidet darüber", sagt Jacobs.

Ob die Zahl der Versuche in den vergangenen Jahren zugenommen habe, ist von der Uni nicht in Erfahrung zu bringen. "Das Meldewesen habe sich in den letzten Jahren geändert", heißt es. Alternativen zu diesen Versuchen seien nicht möglich: "Sie werden für jedes wissenschaftliche Projekt erwogen. Ausdrücklich ist in jedem Antrag darzulegen, welche Alternativen erwogen wurden."

Alternativen, die Tierschützer durchaus sehen. Immer wieder demonstrieren Studenten gegen die TVA, beispielsweise mit Pfotenabdrücken, die mit roter Farbe auf den Boden gemalt wurden. Einer der wenigen Hinweise auf die Anlage. Von außen ist nicht zu erkennen, was in Gebäude 22.22 vor sich geht. "Studenten erhalten keinerlei Informationen, wenn wir nachhaken. Nichts", klagt Beret Roots vom Ökologie-Referat des Astas.

Dass sich die Universitätsleitung gegenüber den Studenten bedeckt hält, ist laut Veterinärmedizinerin Corina Gericke von "Ärzte gegen Tierversuche", kein Einzelfall: "Es ist üblich, dass aus den Tierversuchslaboren wenig nach außen dringt." Die Vereinigung dokumentiert Tierversuche - und hat in Düsseldorf Forschung an Hunden belegt.

Versuche an und mit Tieren gibt es auch anderswo. Beispiel Henkel: Ein Forschungsschwerpunkt ist die Suche nach Alternativen zu Tierversuchen. Diese werden bei Henkel nach eigenen Angaben nur dann eingesetzt und in Auftrag gegeben, wenn rechtliche Bestimmungen dies vorgeben und keine alternativen Prüfmethoden existieren.

Falls ein Tierversuch erforderlich ist, wird nach dem "3-R-Prinzip" vorgegangen ("Refine", "Reduce", "Replace"). "Refine" heißt, Versuche so zu optimieren, dass die Tiere möglichst wenig belastet werden. Bei "Reduce" geht es darum, die Anzahl der Versuchstiere zu vermindern. "Replacement" bedeutet die Entwicklung und Anwendung von alternativen Methoden, die Tierversuche überflüssig machen.

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