Teststrecke für automatisiertes Fahren in Düsseldorf

Digitale Mobilität : Automatisiertes Fahren: So waren die ersten Testfahrten in Düsseldorf

Auf der Teststrecke für automatisiertes Fahren sind die ersten Autos und Busse unterwegs. Wir waren dabei - auch als ein PKW im Parkhaus ganz alleine seinen Weg findet.

Ab sofort sind die speziell ausgerüsteten Autos, Busse und Fahrräder auf der 20 Kilometer langen Teststrecke für automatisiertes Fahren in Düsseldorf unterwegs. Das Besondere in der Landeshauptstadt im Vergleich zu anderen Projekten dieser Art in Deutschland: Die Versuchsreihen können auf Autobahnen und in der Innenstadt durchgeführt werden, so dass nahezu sämtliche Verkehrsszenarien des Alltags miteinbezogen werden können. Konkret führt die Route über Abschnitte der A 52 sowie A 57, das Heerdter Dreieck, das Vodafone-Parkhaus, den Rheinalleetunnel, die Rheinkniebrücke und die Herzogstraße. Bis auf eine Ausnahme nehmen die Fahrer allerdings nicht die Hände vom Lenkrad. Vielmehr geht es um die Vernetzung des Straßenverkehrs und die dafür benötigte Güte der Informationsübertragung sowie Weiterverarbeitung. Nach der Präsentation am Montag des von Bund, Land und Partnern getragenen 14,8 Millionen Euro teuren Projekts von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, OB Thomas Geisel und Beigeordneter Cornelia Zuschke im Rheinbahnbetriebshof standen erste Testfahrten auf dem Programm.

Autofahrt 1 Die Zukunft der digitalen Mobilität sieht unscheinbar aus. Auf einem Bildschirm, wie man ihn von Navigationssystem kennt, ist ein kleines, Grün zeigendes Ampelsymbol zu sehen, darunter laufen die Sekunden rückwärts. Sie zeigen an, wie lange es noch dauert, bis die Ampel an der Ecke Herzogstraße, Elisabethstraße auf Rot umspringt. Möglich macht die Anzeige im kleinen Opel der ZF-Gruppe ein mit Computertechnologie vollgestopfter Kofferraum. Über die kommuniziert das Auto mit dem Verkehrsleitrechner der Stadt und so auch direkt mit der Ampel, die ihre Signale per installierten W-Lan-Sendern und Mobilfunktechnologie weitergibt.

Hin und wieder springt die Zeitanzeige für die Ampelphasen jedoch. Yosef Dalbah hinterm Steuer erklärt: „Die Anzeige kann trotzdem richtig sein, wenn sich die Ampel einem nahenden Bus anpasst.“ Sehr zuverlässig sei bislang allerdings tatsächlich der Ist-Zustand, bei der Prognose wolle man nun noch exakter werden, was irgendwann für selbstfahrende Autos entscheidend sei.

Im Rheinalleetunnel zeigt das High-Tech-Navi die erlaubte Höchstgeschwindigkeit an, die könnte über den Verkehrsleitrechner bei Baustellen oder Unfällen in Sekundenschnelle angepasst werden. Zudem könnten Spurwechsel empfohlen oder vor einer Tunnelsperrung gewarnt werden.


Autofahrt 2 Wie aus dem Nichts meldet sich die Roboterstimme. „Achtung, Unfall voraus.“ Ein Warnsymbol erscheint auf dem Navi. Was hier ein vorwegfahrendes Auto simuliert, würde im Ernstfall innerhalb einer Sekunde von einem ausgelösten Airbag als Mobilfunk-E-Call an die Fahrzeuge in der Nähe abgesendet. Der nächste Schritt in der von Ford und Vodafone erprobten Anwendung: Ein hinter der Test-Kolonne fahrender Rettungswagen sendet über LTE ein weiteres Signal. „Rettungsgasse bilden“, sagt die Computerstimme. Veranschaulicht wird die auf dem Bildschirm.


Autofahrt 3 Auf dem Dach des Vodafone-Parkhauses nimmt der Mann hinterm Steuer des selbstfahrenden Autos der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen die Hände hoch. Das Auto fährt selbstständig, langsam, aber stetig in Richtung Parklücke, in die es schließlich rückwärts rollt. Hier kommen die Tests dem autonomen Fahren am nächsten. Ziel: Man stellt sein Auto in Zukunft vor dem Parkhaus ab, drückt den Knopf einer App und das Auto parkt selbstständig.

Das Auto ist hier mit einer digitalen Karte vom Parkhaus gespeist worden. Ein Sender, der die Parkplatzbelegung über Ultraschall misst, funkt den zentralen Rechner an, über den nun das Ziel des Autos programmiert wird. Ein 360-Grad-Laserscanner auf dem Dach kann zudem die Umgebung im Blick halten und auf Hindernisse reagieren.

Bus Ein kleines quadratisches Display zeigt in 16 Bussen an, wie die kommenden Ampeln geschaltet sind. Die Fahrer sollen so ihre Geschwindigkeit besser anpassen oder Türen an der Haltestelle für Nachzügler noch einmal öffnen können, wenn sich eine frühere Weiterfahrt nicht lohnen würde. Vorstand Klaus Klar stellt klar: „Die Entscheidung liegt immer beim Fahrer.“


Fahrrad Für die Düsseldorfer nutzbar werden könnte als erstes eine App, die für Radler getestet wird. Auf dem Smartphone lässt sich ablesen, wie weit die nächste Ampel entfernt ist und wie lange die Grün- oder Rotphase noch anhält. Peter Maier von Gevas Software: „Die Stadt hat Interesse, wir hoffen auf eine positive Entscheidung nach der Testphase.“

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