Tanzhaus lädt zum Gipfeltreffen der jungen Künstler

Tanzhaus lädt zum Gipfeltreffen der jungen Künstler

Nicht bloß zugucken ist beim Tanzfest ab 29. Januar angesagt. Kinder und Jugendliche stehen selbst auf der Bühne

Düsseldorf. Wie jetzt? Düsseldorf? Die Frage musste sich Mijke Harmsen gefallen lassen, als sie vor knapp einem Jahr beschloss, Berlin zu verlassen, um am Tanzhaus NRW die Leitung des Kinder- und Jugendfestivals „Take-off: Junger Tanz“ zu übernehmen. Berlin gilt als Hotspot für alles, was kreative Unruhe ausstrahlt, dennoch lockte am Rhein ein gewichtiges Argument — die Hip-Hop-Szene. „In Düsseldorf ist sie außergewöhnlich vielfältig“, sagt Harmsen. „Das habe ich weder in Berlin noch in Holland so erlebt.“

Seit acht Jahren kooperiert das Tanzhaus mit ausgewählten Schulen, die Tanz als Unterrichtsfach anbieten. Kinder und Jugendliche wirken bei Produktionen mit, lernen von internationalen Künstlern. Höhepunkt der Angebote ist das Take-off-Festival: Junger Tanz, das einmal im Jahr stattfindet. und dieses Mal am 29. Januar beginnt — Neuerungen inklusive. Harmsen gründete eine Jugend-Compagnie, die am Tanzhaus angedockt ist und sie verlieh der Veranstaltung, die bis zum 7. Februar läuft, erstmals eine thematische Klammer.

Und so stehen die Jungen im Mittelpunkt, denn die Festivalchefin kam nach vielen Gesprächen mit Lehrern zu der Erkenntnis, dass Jungen es heute nach wie vor schwer haben. „Mädchen dürfen alles sein: sexy, cool, zurückhaltend. Empfindsame Jungs aber will niemand haben.“

Eröffnet wird das Festival mit einer Uraufführung von Takao Baba. Der Tanzkünstler und Choreograph kommt aus der Hip-Hop-Kultur und zerpflückt in seiner neuen Produktion Goethes Ballade vom Erlkönig. Deutsche Schüler kommen an dem an dem Werk nicht vorbei und in anderen Ländern steht es für typisch deutsches Kulturgut.

Aber wie fühlt sich typisch deutsch eigentlich an? Wie fühlen sich Nationalitäten überhaupt an? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Takao Baba in seiner Choreografie „Ronin — made in Germany“. Ronin ist die japanische Bezeichnung für einen herren- und heimatlosen Samurai, der in dem Tanzstück Sinnbild ist für die Auseinandersetzung mit Identität.

Musikalisch gibt es in der Uraufführung von Takao Baba neben Drum’n Bass auch echte Klassiker wie Wagner und Kraftwerk zu hören, dies jedoch sicher nicht in vertrauter Version. „Auch das ist Take-off“, sagt Harmsen. „Ein Chance, mit dem Gewohnten zu brechen. Dafür haben Kinder und Jugendliche im Übrigen einen besseren Blick, als wir meinen.“

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