Symbolisches Wochenende für den Düsseldorfer Handball

Handball in Düsseldorf : Die Vikings sind tot, es lebe der BHC

Symbolisches Wochenende für den Handball: Die Vikings spielen am Samstag zum letzten Mal als Düsseldorfer Zweitligist, der Bergische HC dafür am Sonntag im vollen Dome.

Einmal fiel der Name dann doch, aber eben nur einmal, und auch nicht gerade in einem schmeichelhaften Zusammenhang. „Die Vikings sind ja jetzt Geschichte“, sagte Burkhard Hintzsche am Donnerstagabend. Da saß Düsseldorfs Stadtdirektor und Sportdezernent auf einem Podium im Rather Dome und sprach mit anderen Gästen über „die Entwicklung des Handballstandorts Düsseldorfs“. Und es war schon bemerkenswert, dass es dabei nicht ansatzweise um den HC Rhein Vikings ging, der die Stadt seit zwei Jahren in der zweiten Bundesliga vertritt. Aber für Hintzsche und andere Entscheidungsträger im Düsseldorfer Sport spielen sie halt keine Rolle mehr, sie sind: Geschichte.

Streng genommen stimmt das natürlich nicht. Zwar lebten die Vikings von Beginn an über ihre Verhältnisse, waren schlecht gemanagt und stürzten im zweiten Jahr sportlich ab, aber sie werden auch in der nächsten Saison Handball spielen. Dann allerdings nicht mehr in der zweiten Liga und auch nicht mehr im Castello in Reisholz. Sie ziehen als Absteiger zurück nach Neuss, wo sie ursprünglich herkamen.

Für die Agentur „Sportstadt Düsseldorf“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den heimischen Spitzensport zu fördern, sind sie schon länger gestorben. Bereits im Winter kündigte die Sportstadt ihren Sponsorenvertrag, als letztes Zeichen, dass das Projekt, einen eigenen Profiklub dauerhaft in Düsseldorf zu installieren, gescheitert ist. Es folgte eine öffentliche Schlammschlacht mit Klagen und Vorwürfen.

Vikings-Gesellschafter hat die Stadt verklagt

Nun entscheiden Gerichte, ob Vikings-Gesellschafter Thomas Koblenzer wirklich seine 759 673,98 Euro zurückbekommt, die er über die Jahre in die Vikings investiert haben will. Und die er als verloren ansieht, weil die Stadt durch die Kündigung des Sponsorenvertrags ihre Zusagen nicht eingehalten und dem „gemeinsamen Handball-Projekt die wirtschaftliche Grundlage entzogen habe“, wie Koblenzers Anwalt schreibt. Es wird wohl noch dauern, ehe feststeht, ob es zum Prozess kommt oder die Stadt das Kapitel Rhein Vikings endgültig beenden und sich einem neuem zuwenden kann.

Das hat sie längst getan. Und als hätte es jemand arrangiert, steht das Pfingstwochenende symbolisch für die Zukunft des Düsseldorfer Handballs. Nachdem die Vikings am heutigen Samstag (18 Uhr) in Dormagen ihr letztes Spiel als Düsseldorfer Zweitligist bestreiten, steigt einen Tag später (15 Uhr) das größte Spiel des deutschen Handballs im Rather Dome. Dort spielt der Bergische HC gegen die SG Flensburg-Handewitt. Der Aufsteiger kann seine Überraschungssaison mit dem Sprung auf einen Europapokalplatz krönen, der Tabellenführer kann Deutscher Meister werden (siehe Seite 9).

Mehr als 10 000 Zuschauer werden erwartet. Es soll ein Festtag werden. Einer, der in Zukunft häufiger wiederholt werden soll. Bis 2022 läuft der Vertrag zwischen der Stadt Düsseldorf und dem Fusionsverein aus Solingen und Wuppertal. Weil es im Bergischen keine große Halle gibt und die Neubaupläne nach mehreren gescheiterten Anläufen in der Schublade verschwunden sind. Also kommt es zur nächsten Zweckehe: Der BHC braucht für seine Spitzenspiele eine große wie moderne Spielstätte, um dauerhaft wachsen zu können, Düsseldorf hat eben jene Halle, die bis auf die knapp 30 Eishockey-Heimspiele der DEG und ein paar Konzerte meist ungenutzt in der Gegend herumsteht.

BHC wird seine Wurzeln im Bergischen behalten

Die Pläne im Düsseldorfer Rathaus hatten ursprünglich vorgesehen, dass die Vikings der Verein werden, der die städtischen Hallen mit Leben füllt. Zwar waren sie kein gewachsener Verein, sondern „Retorte“, wie der damalige Geschäftsführer Rene Witte unumwunden zugab, aber das sollte kein Hindernis sein. Als der Neusser HV und der ART Düsseldorf ihre Kooperationspläne Anfang 2017 mit einer ausgewachsenen Pressekonferenz vorstellten, schien nur der Himmel das Limit zu sein. Da träumte Oberbürgermeister Thomas Geisel nicht nur von großen Handballspielen im nahezu gänzlich ungenutzten Castello, sondern gleich auch vom Dome oder sogar der Arena.

Nun kommt es wirklich so: Im Dome kommt der BHC bis zu sechsmal pro Saison für seine Topspiele vorbei, in der Arena wird 2024 das Eröffnungsspiel der EM ausgetragen. Deswegen möchte bei der Sportstadt auch niemand von einem Desaster sprechen, wenn es um die Vikings geht. Schließlich hätten die der Stadt die Tür zum Profihandball geöffnet, die nach diversen gescheiterten Projekten wie HSG oder HSV geschlossen schien. Aber auch wenn nun andere kommen, endet mit dem heutigen letzten Spiel der Vikings ein düsteres Kapitel der Düsseldorfer Sportgeschichte. Eins, in das eine siebenstellige Summe öffentlicher oder zumindest halböffentlicher Gelder geflossen ist. Und das wohl der letzte Versuch war, einen eigenen Spitzenklub zu etablieren.

Kein Platz neben Fortuna und DEG

Düsseldorfs Sportpublikum hat zum wiederholten Male bewiesen, dass es sich lediglich für zwei Vereine begeistern kann: die Fortuna und die DEG. Hinzu kommen einzelne Events wie der Start der Tour de France, der Marathon oder Welt- (Tischtennis) und Europameisterschaften (Triathlon). Veranstaltungen, die zeitlich begrenzt sind, aber eben nicht dauerhaft die Herzen der Fans erobern und das Interesse der heimischen Wirtschaft wecken. Das dürften bald auch die kürzlich in die dritte Liga aufgestiegen Basketballer der ART Giants feststellen müssen.

So investieren die Stadtoberen ihr Geld lieber in Events. Als etwas anderes können auch die Gastspiele des BHC nicht gelten, der auch langfristig kein Verein werden dürfte, mit dem Düsseldorf jubelt und weint. Das weiß auch Hintzsche: „Die Wurzeln des BHC werden im Bergischen Land bleiben“, sagte er am Donnerstag. Das sieht BHC-Geschäftsführer Jörg Föste ähnlich. Erstens will er seine seit Jahren treuen Fans aus dem Bergischen nicht verprellen, zweitens baut der Klub im Bergischen gerade für sieben Millionen Euro ein Leistungszentrum. Düsseldorf bleibt für ihn die Ausnahme. Sinnbildlich dafür steht die Fassade des Domes. Am Freitag wurde dort neben dem großen DEG-Wappen das Logo des BHC angebracht. Nächste Woche kommt es wieder weg.

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