Svenja Schrickel: Was die neue Denkmal-Chefin vorhat

Svenja Schrickel: Was die neue Denkmal-Chefin vorhat

Die neue Leiterin des Denkmalamtes ist Svenja Schrickel (42). Sie will große Projekte schon im Vorfeld besprechen.

Düsseldorf. Svenja Schrickel (42) stammt aus Herne und ist die neue Leiterin der Unteren Denkmalbehörde. Sie studierte 1995 bis 2003 Architektur in Dortmund, schloss von 2003 bis 2005 ein Denkmalpflege-Masterstudium an der Universität Bamberg an und wurde wissenschaftliche Mitarbeiterin beim baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege. Die letzten zehn Jahre war sie Amtsleiterin in Dortmund. Ihre Vita ist perfekt. Dennoch wollte Planungsdezernentin Cornelia Zuschke beim Pressegespräch partout ein Wörtchen mitreden und zog schließlich auch Ulrike Lapessen von der Bauaufsicht hinzu.

Es wurde ein Gespräch weniger über die neue Amtsleiterin als über die Methode der Bewerbung durch die Stadt Düsseldorf. Zuschke geriet beim Rückblick richtig in Fahrt. „Wir hatten hochwissenschaftliche, mit vielen Titeln versehene Menschen dabei, die wir uns alle angeschaut haben. Aber dann merkten wir auch, wie wichtig der gesunde Menschenverstand ist, die Offenheit gegenüber Einzelfällen und Einzelschicksalen. Eine Denkmalbehörde zu leiten, braucht Erfahrungen im Praktischen wie im Theoretischen und in der Moderationsfähigkeit. Es gibt viele Dinge, die gegeneinander laufen, die aber zusammenkommen müssen.“

Bis dahin sagte die neue Amtsleiterin kein Wort. Und sie kam auch später selten zu Wort. Stattdessen hörte sie sich an, was für Mut und Kreativität sie haben müsse, um den Schutzbedarf des Denkmals mit der Dynamik der Stadt Düsseldorf in Einklang zu bringen. „Wir brauchen jemanden, der offen ist und trotzdem eine Haltung hat.“

Zur Mutprobe ging es zum Südring, Ecke Münchener Straße. Dort hat es nicht nur im letzten Jahr 55 Mal bei Unfällen gekracht, sondern dort steht auch ein Gebäude aus den 1950er Jahren.

Bei jedem Stau ragt es wie ein Mahnmal aus den Blechlawinen hervor. Zuschke: „Dort konstruierten wir einen Fall und stellten Fragen zu einer möglichen Wohnnutzung. Das Gebäude ist ja schallschutztechnisch und energetisch nicht gut. Wir wollten wissen, was sie dem Eigentümer raten würde.“

Hier sprach die neue Amtsleiterin immerhin kurz von der Fassadengliederung und den Vor- und Rücksprüngen in einer Schwarzweiß-Kopie. Die Schatten seien ganz eindrucksvoll gewesen. Diese bewegte Fassade sei „möglichst zu erhalten“. Das Innere habe sie jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht besucht.

Svenja Schrickel, Denkmalamt

Nun hat Schrickels Vorgänger Jörg Heimeshoff in seiner Freizeit das Unmögliche möglich gemacht und alle Baudenkmäler beispielhaft beschrieben und in drei Bänden herausgebracht. Was habe denn die Neue so zu bieten? Die WZ fragte an, ob sie die Betonarchitektur nach dem Zweiten Weltkrieg den Menschen näher bringen wolle, gilt dieser Stil doch gemeinhin als schrecklich.

Nun ließ sich Zuschke das Thema nicht mehr nehmen. Das sei auch ihre Frage gewesen. Und an ihre neue Kollegin gewendet, erklärte sie: „Wir haben sie gefragt, wie man die Denkmalpflege aus dem Elfenbeinturm herausholen könne? Wie können wir erreichen, dass sie nicht immer nur als letztes Glied wahrgenommen wird? Was ist das mit der Heimat?“ An Svenja Schrickel gewendet, lobte sie die einstige Kandidatin: „Diese Fragen haben Sie eigentlich ganz gut beantwortet. Sie wollen große Projekte im Vorfeld besprechen, einen Tag der Offenen Tür machen und sagen, wohin es mit der Denkmalpflege geht.“

Immerhin hakte Svenja Schrickel kurz und durchaus auch bestimmt ein, als es um die Kulissenarchitektur der hiesigen Architekten ging, also all die Neubauten hinter einer alten Fassade. Sie sagte: „Kulissenarchitektur ist kein denkmalpflegerisches Ziel. Aber es zeigt die Sehnsucht der Menschen nach Identität. Deshalb verurteile ich das nicht.“