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Süchtig nach Panini-Bildchen

Süchtig nach Panini-Bildchen

Fußball: Vor der WM sammeln wieder alle Generationen die Fußballbilder. Bei den Tauschbörsen trifft man Gleichgesinnte und spart Geld.

Düsseldorf. Menschenauflauf am Samstag Mittag in Eller. Sätze wie "Mein Heft ist voll!" oder "Hast du Podolski?" schallen durch die Gumbertstraße. Vor dem Küchengeschäft Walgenbach haben sich über 200 Menschen versammelt. Kinder, Rentner, Studenten und Familienväter. Alle sind nur aus einem Grund hier: Sie wollen Panini-Fußballsticker tauschen. Die kleinen Abziehbilder mit den Konterfeis von den Fußballern aller 32 Teams erfreuen sich vor der Weltmeisterschaft in Südafrika wieder ’mal großer Beliebtheit.

"Vom Kleinsten bis zum Opa", beschreibt Francesco Convertino von einem Zeitungskiosk auf der Kö seine Kundschaft. 1000Bilder verkauft er pro Woche. Genau 638 Bilder passen in das Sammelalbum zur WM. Theoretisch muss der Sammler wenigstens 76 Euro ausgeben, bis sein Heft vollständig ist. Wenn da nicht die vielen doppelten Sticker wären.

Bei der Tauschbörse in Eller sitzen deshalb die Sammler an langen Biertischen zusammen. Bewaffnet sind alle mit einem Stift, einer Liste und mit Tauschmaterial. Davon hat jeder reichlich. Die Zahl der doppelten Bilder wächst, je länger gesammelt wird. Doch ein echter Fan hat damit kein Problem, im Gegenteil: "Dass ich mit anderen Jungs tauschen kann, macht ziemlich viel Spaß", sagt der dreizehnjährige Sven Scherf.

Und so denken viele Panini-Süchtige in Düsseldorf. Die Tauschbörse in Eller etwa verzeichnet einen regen Zulauf. "Aus einem Tisch wurden zwei, dann vier und dann immer mehr", wundert sich Elmar Fedderke, Geschäftsführer des Organisators Walgenbach, über die Eigendynamik der Veranstaltung.

Auch woanders in Düsseldorfer wird kräftig getauscht. "Es ist wirklich wie ein Fieber", sagt Ferry Weber, Inhaber des Z-Kneipenrestaurants an der Weseler Straße. Jede Woche kommen mehr Sammler zur Tauschbörse in das Düsseltaler Lokal. Mit mehr als hundert Besuchern rechnet Weber in den nächsten Wochen.

Für ihre Leidenschaft zahlen die Sammler im wahrsten Sinne des Wortes einen hohen Preis. Sechzig Cent kostet eine Tüte mit fünf Bildern. Die Kosten für die Bilder haben sich seit der letzten WM um zwanzig Prozent erhöht. "Es kommen ganz leicht 100 Euro zusammen", schätzt Urs Gendrong die Gesamtausgaben für die Sticker. Er sammelt mit seinem Enkel Alessandro. Der Achtjährige beklagt ein weiteres Problem: "Deutsche Spieler sind schwer zu bekommen." Das Phänomen der seltenen Bilder kennen Sammler seit jeher - auch wenn Panini immer wieder beteuert, alle 638 Bildchen würden gleich oft gedruckt und eingetütet.

Profi-Sammler Michael Weise hat bereits mehr als 1000 Sticker gekauft und drei Hefte vollständig. "Die Bilder von 0 bis 6 sind sehr selten", meint er. In Internet-Tauschbörsen kosten diese Sticker im Schnitt vier Euro. Langfristig scheint das Geld aber gut angelegt zu sein: So erzielt ein vollständiges Sammelheft der WM 1974 Preise von bis zu 1500 Euro.