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Studie: Gute Noten für Düsseldorfs Taxifahrer — mit Ausreißern

Verkehr : Studie: Gute Noten für Düsseldorfs Taxifahrer — mit Ausreißern

Insgesamt kommt die Branche bei den anonymen Testfahrten gut weg, einige schwarze Schafe trüben das Bild.

In einer Studie kommen Düsseldorfs Taxifahrer deutlich besser weg als oft gedacht. Es wird jedoch auch deutlich, dass einige wenige schwarze Schafe das positive Gesamtbild trüben. Genau dort will die Taxigenossenschaft nun ansetzen.

In Auftrag gegeben hatte die Untersuchung die Taxigenossenschaft in Abstimmung mit der Industrie- und Handelskammer (IHK), die auch einen kleinen Teil mitfinanzierte, sowie Düsseldorf Marketing (DM), die das Büro Scholz als Gutachter vermittelte. Auslöser war ein Frontalangriff von Messechef Werner Dornscheidt im Jahr 2017 während der Medica auf die Taxi-Branche. Deshalb versuchte das Büro Scholz auch Unterschiede während und nicht zu Messezeiten bei der Servicequalität herauszufinden. So lief die Untersuchung sowohl während als auch nach der Medica im Jahr 2018. Kurz vorweggenommen: Unterschiede ließen sich laut Studie nicht feststellen.

Kern der Untersuchung waren mehr als 50 verdeckte Testfahrten unterschiedlicher Akteure, vom Geschäftsmann bis zur Mutter mit Kind. Unterm Strich steht eine Schulnote von 1,5 für die Freundlichkeit der Fahrer, allerdings sind zwei Ausreißer nach unten nicht berechnet worden. Sonderwünsche wurden nur einmal bei 54 Fällen nicht erfüllt. Auch für das Klima im Auto gibt es die Note 1,5, nun jedoch schon ohne vier Ausreißer. Zusätzlicher Kritikpunkt: neun Mal war die ID-Karte des Fahrer nicht sichtbar. Noten im Einserbereich gibt es für die Sauberkeit des Fahrzeugs sowie die Kleidung des Fahrers.

Deutlich wichtiger sind natürlich die Noten für Fahrverhalten und Streckenführung. Die Bewertung des Fahrstil steht hier stellvertretend für den Gesamteindruck: viele gute Fahrer stehen einigen sehr schlechten gegenüber. Die Gesamtnote 2,0 beinhaltet drei Mal ein Ungenügend. Keine Klagen gibt es immerhin für die gewählte Streckenführung. Nur eine negative Auffälligkeit gibt es bei der Abrechnung.   Auf dem Weg vom Flughafen zur Messe wurde per Taxameter abgerechnet, obwohl hier ja eine Pauschale von 20 Euro gilt. Ansonsten fiel den Testern bei den Bezahlvorgängen nichts Negatives auf.

Die Ergebnisse der so genannten „Mystery-Fahrten“ decken sich zudem mit den Einschätzungen sowohl von befragen Fahrgästen als auch von Taxi-Bestellern wie Hotels. Auch hier liegen die Noten allesamt im Einserbereich, bis auf eine Ausnahme. Der Preis wird von den Fahrgästen nur mit der Note 2,9 bewertet. Hotels wünschen sich zudem ein besseres System, wie der Fahrgast auch das für ihn bestellte Taxi erkennt und umgekehrt.

Schulungsprogramm
für schwarze Schafe

Fazit des Büros Scholz: Auf 50 tadellose Fahrer kamen drei extrem schlechte. Hier sagt nun Dennis Klusmeier, Vorsitzender der Taxigenossenschaft, zu, diese schwarzen Schafe noch genauer ins Visier zu nehmen. „Wir werden ein weiterentwickeltes Schulungsprogramm anbieten“, kündigt Klusmeier an. Sollte das nicht fruchten, könne der Ausschluss aus der Fahrtenvermittlung folgen. Um auch weiterhin die Qualität der Fahrten genau im Blick zu behalten, haben IHK, Taxigenossenschaft und Düsseldorf Marketing auf den Weg gebracht, dass seit Mai eine Gruppe von rund 100 Stammkunden nach jeder Fahrt einen von der DM programmierten Fragenkatalog im Internet abarbeitet. Auch über die Bewertungen in der App von Taxi Deutschland sollen schwarze Schafe schnell gefiltert werden können.

Insgesamt stellt Klusmeier allerdings fest: „Das Ergebnis deckt sich mit unserer Wahrnehmung. Wir sind nicht so schlecht, wie einige behauptet haben.“ Auch IHK-Verkehrsreferent Thomas Vieten bewertet das Ergebnis positiv. Er ist zudem froh, dass nun Licht ins Dunkel gebracht werden konnte, nachdem es zum Knatsch zwischen Messe und Taxigenossenschaft gekommen war.

Überrascht zeigt sich Frank Schrader, Geschäftsführer Düsseldorf Marketing: „Ich hätte gedacht, dass wir es mit einem grundsätzlichen Problem zu tun haben“, so oft habe er Beschwerden von Gastronomen und Hoteliers gehört. Er führt das auf ein psychologisches Phänomen zurück, wonach extreme negative Erlebnisse eher in Erinnerung blieben und so die Gesamtwahrnehmung prägten. Schrader betont zudem, dass Taxifahrten oft eine Visitenkarte für die Stadt seien und deshalb bei Besuchern eine große Bedeutung für die Wahrnehmung von Düsseldorf hätten.

Um dieses Erlebnis weiter zu verbessern, haben sich IHK, DM und Genossenschaft zwei Dinge vorgenommen. Zum einen soll ein System entwickelt werden, durch das in Hotels Taxi und Kunde besser zugeordnet werden können. Zum anderen soll die Abfahrt am Flughafen besser organisiert werden. Schrader denkt an Vorbilder wie Paris und Palma de Mallorca, wo mehrere Taxis zugleich in eine Zone vorfahren dürfen, in der wartende Fahrgäste dann gleichzeitig in unterschiedliche Autos einsteigen können.