Streit zwischen Stockheim und Vereinen: Diesmal geht's ums Bier

Karneval : Ärger ums Bier in der Rheinterrasse: Karnevalsvereinen droht Aufpreis

Stockheim schließt Vertrag mit Füchschen. Wer einem anderen „Alt-Sponsor“ treu bleibt, muss eine Art Korkgeld extra bezahlen.

Noch hat die Karnevalssession gar nicht richtig angefangen. Und doch gibt es bereits Ärger. So hat der Caterer Stockheim als Pächter der Rheinterrasse einen Vertrag mit der Hausbrauerei Füchschen abgeschlossen, der etliche Karnevalsvereine auf die Palme bringt. Denn damit darf in der Rheinterrasse oder auch in der Stadthalle bei Karnevalsveranstaltungen eigentlich nur noch Füchschen Alt ausgeschenkt werden. Doch viele Vereine haben Sponsoring-Verträge mit anderen Alt-Brauereien, vor allem mit Schlösser und Frankenheim, aber auch mit Schumacher.

Was nun? Die Vereine stehen vor einem Dilemma. In der Regel werden sie ihrem bisherigen Altsponsor treu bleiben und bei Sitzungen dessen Bier ausschenken. Dann allerdings müssen sie an Stockheim zusätzlich ein „Korkgeld“ (Stockheim nennt das „Handlingspauschale“) entrichten, das anfällt, wenn ein fremdes Bier samt allen Nebenprodukten vom Bierdeckel bis zum Glas im Gastro-Betrieb angeboten wird. Für die Rheinterrasse soll sie bei 430 Euro pro Sitzung liegen.

„Wie sollen wir das denn auch noch bezahlen“?, fragt Dennis Klusmeier, Oberpolier beim Verein „Spiesratze“. Stark betroffen sind die „Karnevalsfreunde der katholischen Jugend“ (Kakaju) mit gleich vier Sitzungen in der Rheinterrasse: „Das ist ein Schlag ins Kontor, zumal Stockheim ja in diesem Jahr auch die Mietkosten stark angehoben hat“, sagt Präsident Thomas Puppe. „Ich schätze, dass wir in dieser Session insgesamt 8000 Euro mehr zahlen müssen.“ Und damit stelle sich die Existenzfrage für den Sitzungskarneval. Unschön sei zudem, „dass Stockheim erst so spät mit der Regelung um die Ecke gekommen ist“, so könnten sich die Vereine kaum noch nach Alternativen umsehen.

Kein Verständnis für die ganze Aufregung hat Stockheim-Geschäftsführer Özgür Günes: „Wir wollen wirklich keinen überfallen, haben Veränderungen stets früh und transparent angekündigt.“ Die neue Füchschen-Regelung etwa werde man in dieser Session noch gar nicht umsetzen, sie greife erst zur Karnevalssession 2019/20, sagt Günes. Er ist sicher, dass die Konditionen für die Vereine immer noch beispiellos günstig seien: „Zeigen Sie mir einen Saal etwa von der Güte des Radschlägersaals, den sie für unter 2000 Euro anmieten können, so etwas gibt es nicht.“ Jahrzehntelang habe Stockheim als Privatunternehmen das Brauchtum sehr gefördert und quasi nur eine symbolische Miete verlangt, „das haben einige als selbstverständlich angesehen, doch ganz so geht das nun nicht mehr“, sagt Günes und erinnert daran, dass Stockheim in diesem Jahr ein Insolvenzverfahren bestehen musste.

Zum aktuellen Bierstreit sagt er: „Wir setzen auf die Partnerschaft mit Füchschen, weil das auch die Kunden möchten.“ Und wenn man dann eine andere Biermarke mit allem Drum und Dran im Hause vorhalten müsse, dann sei das mit ziemlichem Aufwand verbunden, den natürlich am Ende die Kunden tragen müssten.

Und was sagen die den Karnevalisten eng verbundenen Brauereien? „Wir wollen unsere Partnerschaft mit den Vereinen pflegen“, sagt Schlösser-Sprecherin Daniela Balduin, „aber das ist natürlich auch ein Geben und Nehmen.“ Das heißt im Klartext: Wenn vertraglich gebundene Vereine in der Rheinterrasse oder Stadthalle nicht ihr Alt ausschenken, dann wird Schlösser sein Sponsoring so nicht aufrecht erhalten. Balduin: „Das wäre sehr schade. Die Leidtragenden sind die Vereine, viele rufen schon bei uns an und fragen, was sie nun machen sollen.“

Denn die Session wird ohnehin für all die Vereine deutlich teurer, die in der Rheinterrasse eine Veranstaltung ausrichten. Schon zu Beginn des Jahres hatte Stockheim angekündigt, die Saalmieten von bislang 450 auf nunmehr 1800 Euro zu erhöhen. Tatsächlich räumen jedoch auch Vereine wie die Kakaju ein, dass die 450 Euro bislang für Stockheim absolut nicht kostendeckend waren.

Die Vereine haben indes meist keine Alternative, weil in Düsseldorf Hallen und Veranstaltungsräume in den Kategorien 500 oder 700 Gäste Mangelware sind. Der Henkel-Saal an der Ratinger Straße ist vielen dann zu klein, die Stadthalle an der Messe aber zu groß.