Streit um Obdachlosen-Haus an der Lessingstraße in Düsseldorf

Düsseldorf : Obdachlosen-Haus: Immobilien-Gesellschaft geht rabiat gegen Bewohner vor

Die Obdachlosen-Initiative Fifty-Fifty vermutet, dass die Bewohner vertrieben werden sollen. Die Stadt will sich jetzt selbst ein Bild machen.

Mit rabiaten Methoden geht weiterhin ein Immobilienunternehmen gegen die Bewohner des Hauses an der Lessingstraße 25 vor. Selbst vorangegangene Gerichtsverfahren hindern die HMS Zweite Grundstücksgesellschaft offenbar nicht daran, weiterhin eine Sanierung des Gebäudes um jeden Preis zu betreiben. Erneut kam es jetzt laut Fifty-Fifty dazu, dass ohne Einwilligung der Mieter eine Wohnungstür ausgebaut wurde, um Heizungen, Böden, Decken und Leitungen herauszureißen. Wasser und Heizung seien abgestellt. Als die beiden Bewohner jetzt nach einem Krankenhausaufenthalt nach Hause gekommen wären, habe sich ihnen ein Bild der Verwüstung geboten, wie Sozialarbeiter Oliver Ongaro schildert.

Diese Methoden waren auch schon vorher angewendet worden, was dann ein Gericht untersagte. Das änderte jedoch nichts daran, dass von den ursprünglich 25 ehemaligen Obdachlosen nur noch sechs übrig sind, die offenbar unter dem Druck der Sanierung das Haus verließen und damit ihre eigenen vier Wände gegen Wohnheimplätze oder Ähnliches eintauschten. Zum Teil zahlte der Eigentümer dafür Abfindungen in Höhe von 2500 Euro, was jedoch mit den Hilfeleistungen für die Rentner oder arbeitslosen Bewohner verrechnet werde, wie Ongaro sagt. „Sie haben faktisch nichts davon. Das Ganze ist entwürdigend.“

Die Stadt will sich nach Angaben eines Sprechers ein Bild von der Situation machen und gegebenenfalls Angebote für die Unterbringung der Bewohner machen sowie ordnungsrechtlich gegen den Investor vorgehen. Der war am Mittwoch nicht zu erreichen.

Das Haus war ursprünglich von Fifty-Fifty finanziert worden und später an die Armen Brüder verschenkt worden. Die verkauften es jedoch nach ihrem Finanzskandal an die Immobiliengesellschaft, was Fifty-Fifty scharf kritisierte. „In zwei Jahren ist unsere gesamte Arbeit zerstört worden“, sagt Ongaro.

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