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Streik: Schülern droht Geldbuße

Streik: Schülern droht Geldbuße

Bildungsstreik: Tausende demonstrierten für bessere Bildung. Schulleiter drohen dafür teilweise mit harten Konsequenzen.

Düsseldorf. Zehn Uhr Mittwochmorgen, der Campus ist wie leergefegt. Studenten vom Bildungsstreik-Team ziehen durch die Hörsäle und versuchen, die wenigen Kommilitonen, die zum Ende des Semesters noch in der Uni sind, für die große Demo zu mobilisieren. Doch kaum einer steht auf. "Hört sich nach einer blöden Ausrede an - aber ich muss wirklich für eine Prüfung lernen", sagt Studentin Michaela Wilken.

Schon lange beklagen Experten, die Jugend werde immer unpolitischer und gerade Studenten hätten angesichts straff durchorganisierter Stundenpläne keine Zeit mehr für politisches Engagement. Und doch waren es letztlich mehrere Tausend, die am Mittwoch ab 11 Uhr durch die Innenstadt zogen, um gegen Turbo-Abi und Studiengebühren, aber für eine bessere Bildung zu demonstrieren.

Den Löwenanteil des Protestzuges stellten - laut den Veranstaltern - die Schüler. Schon am Morgen sammelten sie sich an den Schulen. Zum Geschwister-Scholl-Gymnasium musste sogar die Polizei ausrücken, weil sich dort statt der erwarteten 50 rund 500 Schüler trafen.

Dabei könnte der Streik gerade den Schulpflichtigen erheblichen Ärger eintragen. "Schüler haben kein politisches Streikrecht", erklärt Thomas Breuer, Sprecher des Schulministeriums. Die Schulpflicht gehe vor Demonstrationsrecht. "Nachmittags hätten sie die gleiche Aufmerksamkeit."

Das wiederum bestreitet Bezirksschülervertreter Kai Inboden: "Schüler haben schon oft außerhalb der Unterrichtszeit demonstriert - da hat es kaum jemand wahrgenommen. Diesmal ist das Echo enorm." Einige Schulleiter würden ein Auge zudrücken und den Demo-Tag womöglich nicht einmal in unentschuldigten Fehlstunden anrechnen. Andere drohten aber angeblich sogar mit Bußgeldern bis 80 Euro. "Wir helfen den Schülern, dagegen vorzugehen", sagt Inboden.

Auf Sanktionen werden Konrad Grossmann, Direktor des Friedrich-Rückert-Gymnasiums, und Heinz Gniostko, Leiter der Hulda-Pankok-Gesamtschule, nicht verzichten. Zwar begrüßen beide das Engagement der Schüler. Aber: "Wer unentschuldigt gefehlt hat, muss dafür gerade stehen", sagte Grossmann.

Trotz der Aussicht auf den Fehlstundenvermerk im Zeugnis zogen laut Polizei fast 3000 Demonstranten durch die City - nach Angaben der Organisatoren wuchs ihre Zahl in der Altstadt sogar auf rund 7000. Angesichts der hohen Beteiligung an den Demonstrationen in ganz NRW zeigt sich Inboden optimistisch für den landesweiten Protest in Düsseldorf am Samstag: "Die 10000er-Marke können wir knacken."