Straßenstrich: Politik weiß nichts von Gewalt

Straßenstrich: Politik weiß nichts von Gewalt

Die Übergriffe von Freiern sind nicht bekannt genug, um Lösungen zu erzwingen.

Düsseldorf. Die Debatte um den Straßenstrich an der Charlottenstraße geht nach der Berichterstattung der WZ weiter. Auch parteiintern bei den Grünen, die das Thema vor Jahren auf die Tagesordnung des Sozialausschusses brachten. Während Fraktionssprecher Günter Karen-Jungen für eine konsequente Bekämpfung des Drogenstrichs plädiert, spricht sich Angela Hebeler, Mitglied im Frauenausschuss für eine Abschaffung des Sperrbezirks aus.

Wie dringend notwendig die politische Debatte über nachhaltige Lösungen ist, bestätigt Staatsanwältin Astrid Röttgen vom Dezernat Sexuelle Gewalt. Sie begleitet seit 15 Jahren Verfahren gegen gewalttätige Freier. "Da kommen hohe Haftstrafen heraus", weiß sie. Prostituierte von der Charlottenstraße würden oft über Stunden gefangen gehalten, gefesselt und mehrfach brutal vergewaltigt.

Diese Fakten seien der Politik bisher unbekannt, erklärt Hebeler. Das Thema solle bei den Grünen nochmals beraten werden. Anklang findet bei ihr das Dortmunder Modell, bei dem Prostituierte, Hilfsorganisationen und Polizei in die Neuorganisation des Strichs mit Sicherheitsboxen einbezogen waren.

"Wenn das Konzept von den Frauen angenommen wird, ist es eine gute Sache", sagt auch Astrid Röttgen. Eine solche gemeinsame Suche nach Lösungen sei "ein wichtiges Signal", so Etta Hallinga von der Frauenberatungsstelle - auch an die Freier: "Die Sicherheit dieser Frauen muss uns am Herzen liegen", fordert sie.

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