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Stille Trauer anstelle von politischem Populismus

Stille Trauer anstelle von politischem Populismus

Ruhige Töne bei ökumenischem Gottesdienst und einer Lichterkette an der Königsallee.

Düsseldorf. Innehalten, Anteil nehmen und zusammenrücken: Fernab jeder politischen Diskussion galt das Augenmerk am Samstag denjenigen, die von dem Erdbeben in Japan und seinen Folgen getroffen worden sind. In der Johanneskirche gab es am Nachmittag einen ökumenischen Gottesdienst, in der Dämmerung haben 400 Menschen mit Fackeln und Kerzen eine Lichterkette an der Kö gebildet.

In einem Moment wie diesem werde den Menschen bewusst, wie zerbrechlich sie sind, sagte Superintendentin Henrike Tetz in ihrer Ansprache. „Ein Windhauch — und wir verdorren.“ Tetz drückte genauso wie Stadtdechant Rolf Steinhäuser ihre Verbundenheit und ihr Mitgefühl mit den Opfern, deren Angehörigen, den Helfern und den Verwundeten aus. Sie betonte: „Hier in Düsseldorf gibt es viele Menschen, die Kontakt zu Japanern haben.“ Auch ihnen solle der Gottesdienst bei der Verarbeitung der Ereignisse helfen.

Die beiden obersten Kirchenleute der Stadt waren jedoch nicht die Einzigen, die in der gut besuchten Johanneskirche sprachen. Yasuki Hayashibara, Pfarrer der Japanisch-Evangelischen Gemeinde Köln-Bonn, sowie Schwester Hildegard aus dem Japanischen Konvent Düsseldorf richteten das Wort an ihre trauernden Landsmänner.

Eine andere Art von Trauerarbeit wurde auf der Kö geleistet. Schüler des Theodor-Fliedner-Gymnasiums hatten dazu aufgerufen, mit Fackeln eine Lichterkette entlang des Kö-Grabens zu bilden. „Anstatt der Opfer zu gedenken, wurde die Situation in Deutschland gleich für eine politische Debatte genutzt“, sagte Julius Oblong verärgert. Hans Hosten ergänzte: „Natürlich muss auch die Energiepolitik diskutiert werden, aber diese Debatte sollte getrennt von Trauerveranstaltungen geführt werden.“

So waren politische Symbole oder Banner an der Kö fast nicht zu sehen. „Gut, dass der Adressat heute mal nicht die Politik, sondern die Opfer sind“, sagte Christian Doobe und Angelika Jahn pflichtete ihm bei: „Ich bin bei den Menschen in Japan. “

Durch den Verkauf von Fackeln haben Julius Oblong, Hans Hosten und Jan Meyn etwa 700 Euro gesammelt, die sie ans Rote Kreuz spenden wollen.

Am Montag um 18 Uhr wird erneut eine Mahnwache mit anschließender Demonstration gegen die Atomenergie am Grabbeplatz gehalten.