1. NRW
  2. Düsseldorf

Starthilfe für Flüchtlinge vor der Ausbildung

Starthilfe für Flüchtlinge vor der Ausbildung

Die Jugendberufshilfe will junge Menschen auf die Ausbildung vorbereiten — auch bei unklarem Status des Bleiberechts.

Möglichst wenig junge Menschen ohne Arbeit, das ist das Ziel der Jugendberufshilfe. Die Einrichtung kümmert sich dabei nicht nur um Schulabbrecher, die keinen Job finden, sondern seit Jahren auch um geflüchtete Jugendliche. Ein Modellprojekt richtet sich an alle, die derzeit nur geduldet sind und daher noch nicht wissen, wie viele Jahre sie bleiben dürfen.

28 Teilnehmer starteten in den ersten beiden Jahren, jetzt, im dritten Durchlauf, sind 21 dabei. „Die jungen Menschen kommen beispielsweise aus Afghanistan, sie sollen und wollen arbeiten — aber die klassische duale Ausbildung ist aus formalen Gründen nicht möglich“, erklärt Peter Walbröl, der das Projekt leitet. „Zusammen mit den Behörden vor Ort haben wir eine Lösung erarbeitet, so dass sie doch einen anerkannten Abschluss machen können.“

Ausbildungen mit von der IHK anerkannten Prüfungen seien dabei in den Bereichen Metall verarbeitende Industrie, Gastronomie und Soziales — beispielsweise in der Pflege — möglich. Die Jugendberufshilfe kooperiert dabei mit verschiedenen Berufskollegs. Die Jugendlichen gehen dort zur Schule, erleben die Praxis in Betrieben, bekommen zusätzlich speziellen Förderunterricht und Sprachunterricht. Eine Sozialpädagogin steht ihnen bei Fragen im Alltag und beim Gang durch den Behördendschungel zur Seite.

„Gerade wenn es um Fachsprache geht, haben die Jugendlichen es nicht leicht. Sie lernen ja gerade erst die deutsche Sprache und Schrift“, sagt er. Einer der ersten Teilnehmer sei sogar Analphabet gewesen. „Woher sollen sie wissen, was eine Flügelmutter ist — oder dass ein Betriebswirt wenig mit einem Koch zu tun hat?“, erklärt Walbröl. Auch wie Multiple-Choice-Fragen zu beantworten sind oder wie ein Laptop funktioniert müssten einige von ihnen zunächst lernen.

Die Berufsschullehrer werden daher für die Arbeit mit den Flüchtlingen zunächst selbst geschult — besonders mit Blick auf die Sprache. Eine Lehrerin der Jugendberufshilfe steht zusätzlich bereit, um Arbeitsblätter mit den jungen Auszubildenden noch einmal durchzugehen und Fragen zu klären, auf die vielleicht erst einmal keiner kommen würde.

Formulare, Verträge, Versicherungen, Einkommensteuer-Erklärung, Schreiben von der Ausländerbehörde — die Liste der bürokratischen Hürden sei vielfältig. Auch hier helfen Fachkräfte, füllen Dokumente mit den Jugendlichen zusammen aus oder haken noch mal bei den Behörden nach.

Um sich wohl zu fühlen, anzukommen, gehöre jedoch noch mehr, meint Walbröl. „Um sich besser kennenzulernen, wird auch mal zusammen gekocht; wir machen Ausflüge oder helfen dabei, dass die jungen Menschen eine Wohnung finden, um in Ruhe lernen zu können — oder einen Platz im Sportverein bekommen.“

Die Arbeit trage Früchte. Von 28 Teilnehmern der ersten beiden Jahre haben zwei auf eine Schule gewechselt, um später Abitur machen zu können. 24 haben im Anschluss an ihren Abschluss eine Stelle erhalten. Der Erfolg habe Gründe: „Die jungen Leute sind sehr motiviert und diszipliniert. Für sie geht es um viel — um ihre Existenz. Sie wollen sich hier ein Leben aufbauen.“