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Start fürs Düsseldorfer Autokino mit Traumwetter und Kinderkrankheiten

Neues Kino für Düsseldorf : Start fürs Düsseldorfer Autokino mit Traumwetter und Kinderkrankheiten

Gelangweilte Corona-Isolierer mischten sich am Mittwochabend auf dem Messeparkplatz mit echten Autokino- oder Lindenberg-Fans. In den hinteren Reihen gab es Sichtprobleme.

Am Himmel über dem Messeparkplatz P1 glimmt noch ein Rest Orange, als die große Leinwand allmählich in die Höhe fährt. Das Autokino in Düsseldorf ist am Mittwoch zu Traumwetter gestartet und hat das Flair der 1960er zurück an den Rhein gebracht. Problem: Autos sind seither deutlich höher geworden. Mit Sichtbehinderungen durch SUVs wollte man sich in den hinteren Reihen so gar nicht arrangieren – also rangierte man.

Volker Kadereit und Ralf Lethen aus Krefeld hatten es richtig gemacht: Um 19 Uhr und somit eine halbe Stunde vor Einfahrt standen sie im Cabrio vor den Parkplatztoren – und hier geht es nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Freunde ergattern einen Logenplatz ganz vorn, wo der Blickwinkel zur Leinwand schön steil ist. Was sie erwarten? „Abwechslung, einfach mal raus“, sagt Kadereit. „Man kann ja nichts mehr unternehmen.“ Beide sind aber auch eingefleischte Udo-Fans und haben durch eine Facebookgruppe erfahren, dass der Film „Lindenberg! Mach dein Ding!“ für die Premiere des Düsseldorfer Autokinos auf dem Programm steht. Aus ihrem Autoradio klingt der Moderator der Anreise, der von einem Container in der Mitte des Parkplatzes alle Fahrer bittet, sich jetzt mal hören zu lassen. Hier natürlich nicht mit Applaus, sondern einem ohrenbetäubenden Hupkonzert.

So richtig gemütlich haben es sich die Niehsens in ihrem Auto gemacht. Auf dem Armaturenbrett liegt ein Deckchen mit zwei Gläsern Rotwein darauf, auf der Mittelkonsole ist ein Picknick mit Brot, Dips, Würstchen und anderen Knabbereien bereitet. „Es ist eine tolle Idee und unser Platz ist super“, freut sich Theo Niehs. „Wir waren bestimmt 30 Jahre nicht mehr im Autokino.“ Damals habe man noch eine Heizung und einen Lautsprecher in den Wagen gehängt bekommen. Heute geht es mit Autoradio und lauem Aprilwetter komfortabler. Vergangene Woche Samstag hatte er gleich um 7 Uhr morgens Tickets gebucht, danach noch Mails an Freunde mit dem heißen Tipp geschickt – aber da war schon lange nicht nur der erste Abend im neuen Kino, sondern gleich die komplette Startwoche ausverkauft.

Marion und Theo Niehs haben es sich mit Rotwein und Picknick gemütlich gemacht. Foto: Juliane Kinast

Wenige Minuten vor avisiertem Filmbeginn schieben sich noch immer die Autos auf das Parkplatzgelände. Erst mit zehn Minuten Verspätung hebt sich die Leinwand zu dem Medley aus Filmtiteln, das Besucher des Open-Air-Kinos im Rheinpark kennen - leise, aber in Dolby Surround aus Hunderten Autoradios durch Fensterscheiben, die entgegen der Anweisung des Veranstalters D-Live nicht geschlossen sind.

Auch die Einhaltung der 1,50-Meter-Abstände klappt zum Start in der hinteren Hälfte des Kinogeländes eher mäßig. Und endgültig aus ist es mit der Corona-Prävention, als eine Frau an die Scheibe eines Vans klopft, der soeben ein Stück nach rechts umrangiert hat und ihr in der Reihe dahinter nun die Sicht nimmt, um die Fahrerin aus wenigen Zentimetern Entfernung sodann zu unterrichten: „Nä! Das geht so nicht!“ Auch ein BMW-Fahrer neben der erbosten Besucherin wendet sich an einen der orange gekleideten Ordner. „Wir üben doch noch“, beschwichtigt der. „Ist auch für uns das erste Mal.“

Volker Kadereit (vorne) und Ralf Lethen aus Krefeld sind eingefleischte Lindenberg-Fans. Foto: Juliane Kinast

Weiter hinten wird noch ganz knapp vor Filmbeginn kräftig umgeparkt. Konflikte entstehen zwischen modernen hohen Fahrzeugen – SUVs – und modernen flachen Fahrzeugen – Sportwagen. Ein Audi-TT-Fahrer ersucht eine Ordnerin um Hilfe: „Ich sehe nicht mal den halben Bildschirm ...“ Neben ihm lugt schon ein weiterer Autofahrer aus der geöffneten Tür. „Oh, darf ich da mitfahren?“ Für alle, die jetzt noch nicht gucken können, bleibt nur die letzte Reihe mit viel Luft zum Vordermann.Um 21 Uhr liegt Stille über dem Parkplatz. Ein startendes Flugzeug stört die Idylle kurz mit seinem Dröhnen – aber startende Flugzeuge sind ja selten. Debora Stender und ihr Freund Youssef stehen auch weit hinten – der Sound aus dem Radio ist top, das Bild eine bewegte Briefmarke. Autokino-Verehrerin Debora ist dennoch zufrieden: „Es ist immerhin in Farbe“, jubelt sie lachend. „Wenn man zwei Wochen zu Hause gesessen hat, ist es eine nette Abwechslung.“ Und um diese ging es den meisten Premierengästen im Autokino wohl an diesem April-Sommerabend.

Auch Veranstalter D-Live zeigte sich nach der Premiere zufrieden: Wartezeiten für die an- und abreisenden Autofahrer hielten sich in Grenzen, zuletzt hätten alle gut sehen können, die Rückmeldungen seien durchweg begeistert. Gute Vorzeichen also für die weiteren Veranstaltungen im neuen Autokino, das mindestens einen Monat lang bleiben soll. Alle Infos:

www.autokino-duesseldorf.de