Starkregen - die unterschätzte Gefahr

Starkregen - die unterschätzte Gefahr

Heftige Unwetter schlagen immer stärker ins Kontor. Wie Städte sich gegen Wetterextreme wappnen können.

Nur wenige zarte Schleierwölkchen stören derzeit den blauen Himmel. Doch so sommerlich schön das Wetter ist, so schnell kann es damit auch wieder vorbei sein, wenn sich schwülwarme Luft ins Rheinland schiebt. Steigt diese Luft in die kühlere Umgebung auf, kondensiert sie und es entstehen Gewitterzellen, die sich spontan und teilweise auch nur örtlich in Starkregen und heftige Unwetter abladen können.

Nicht die Anzahl der Gewitter hat mit den Jahren zugenommen, sondern ihre Heftigkeit: Mancherorts geht die Regenmenge eines ganzen Monats nieder. Besonders hart traf es Ende Mai Wuppertal, die Infrastrukturschäden waren erheblich. Aber auch in Düsseldorf, Neuss und Aachen zählte die Feuerwehr innerhalb von weniger als drei Stunden zahlreiche wasserbedingte Einsätze. Hunderte Keller mussten leergepumpt werden, am Airport konnten die Flieger erst mit Verspätung starten und landen.

Während vor 50 Jahren der langsam und stetig fallende Landregen noch dominierte, macht dieser heutzutage nur noch 39 Prozent der Regenfälle aus. Seit 2000 erleben das Land und NRW mehr und mehr Extrem-Regengüsse, bestätigt der Deutsche Wetterdienst. Hauptursache sei der Klimawandel, sagen Forscher: Eine wärmere Atmosphäre könne mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die dann auch häufiger abregne. „Wir müssen mit einer deutlichen Zunahme von extremen Niederschlägen rechnen“, sagt Stefan Rahmstorf, Leiter des Forschungsbereichs Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das Institut hat globale Regendaten von 1901 bis 2010 ausgewertet. Seit 1980 hätten Starkregen-Ereignisse zugenommen und seien zuletzt um 26 Prozent häufiger aufgetreten als in einem unveränderten Klima, schreiben PIK-Forscher im Fachmagazin Climatic Change. Was können Städte tun, um sich zu wappnen?

Flächen Der Deutsche Wetterdienst fordert die Politik schon seit Jahren auf, weniger Flächen in den Städten zu verbauen. Da der Untergrund das Regenwasser durch die Versiegelung kaum oder nicht mehr aufnehmen kann. „Daher fließt es schneller in Keller und Kanalisation“, sagt Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Rohre Bei einem hohen Überflutungsrisiko empfiehlt die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall Kommunen, größere Rohre einzubauen. Doch das Kanalnetz einer Stadt oder einer Gemeinde kann nicht darauf ausgerichtet werden, dass es jeden Starkregen oder Wolkenbruch sofort ableiten kann. Die Rohre der Kanalisation würden sonst zu groß und teuer werden. Wirksamen Schutz bieten Rückstauverschlüsse, die in die Grundleitung des Gebäudes eingebaut werden. Die Stadt Neuss gibt etwa entsprechende Tipps zur Auswahl des richtigen Rückstauverschlusses. Flutmulden und Senken Experten fordern, dass Neubausiedlungen künftig so angelegt werden, dass der Schutz vor Überschwemmungen so groß wie möglich ist. Die Anlage von Flutmulden, Fließwegen und natürlichem Überschwemmungsgelände ist bisher freiwillig. Auch neue Spiel- und Sportplätze sollten tiefer als Wege oder Gebäude angelegt werden. Vorteil: Bei Starkregen füllen sich erst die Senken, Straßen und Gebäude bleiben länger trocken. Begrünung Mit einer Dachbegrünung kann die Kanalisation bei Starkregen entlastet werden: Ein grünes Dach kann je nach Aufbau und Vegetation 40 bis 99 Prozent des jährlichen Niederschlags speichern. Das Regenwasser fließt zeitverzögert ab beziehungsweise verdunstet auf dem Dach. Gerade bei zunehmendem Starkregen ist die Dachbegrünung eine effiziente Maßnahme, Städte vor Überflutungen zu schützen. Renaturierung Bäche und Flüsse sind bei Starkregen eine Schwachstelle. Schnell wird es für das Gewässer zu eng. Wasserrückhaltebecken, Bachpolder, eine ökologische Ufersicherung und die Renaturierung kanalisierter Bäche können helfen, um Starkregen besser in den Griff zu bekommen. Risikokarten Karten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigen, wo sich bei Regen das Wasser sammelt. Auf den Karten können Einwohner an unterschiedlichen Blautönen erkennen, wie groß die Überschwemmungsgefahr an ihrer Adresse ist. Die Verwendung ist unter anderem aus Datenschutzgründen jedoch umstritten.