Düsseldorf: Stadt will marode Kämmerei verkaufen

Düsseldorf : Stadt will marode Kämmerei verkaufen

Seit 2014 gammelt das Gebäude in der Altstadt leer vor sich hin. Nachdem alle Sanierungsmodelle gescheitert sind, wird nun ein Käufer gesucht, der den denkmalgeschützten Bau saniert und neu belebt.

Düsseldorf. „Ein Gebäude mit vielen Qualitäten, ein Juwel mit verborgenen Schätzen. Und die Lage ist unschlagbar“: Kämmerin Dorothée Schneider stand am Dienstag weniger als Hüterin der Stadtfinanzen im alten Kämmereigebäude gegenüber vom Rathaus, sondern als Immobilienmaklerin. In blumigen Worten bewarb sie einen maroden Komplex, der mitten in der Altstadt seit mehr als drei Jahren leer vor sich hin gammelt. Und die Stadt Jahr für Jahr viel Geld kostet (insgesamt sind es bis jetzt rund 5,5 Millionen Euro), weil er bewacht und — zumindest ein bisschen — geheizt werden muss. Und weil für die etwa 300 Mitarbeiter von Stadtkasse, Steueramt und Kämmerei natürlich Ersatzbüros angemietet werden müssen. Kein Wunder also, dass die Stadt dieses Geldgrab, das auch der Bund der Steuerzahler bereits in sein Schwarzbuch der Verschwendung aufnahm, los werden will.

Foto: Stadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer

Deshalb schlägt die Stadtspitze nunmehr einen Verkauf des Verwaltungsgebäudes am Marktplatz 5/6 vor — und die Politiker im Bauausschuss folgten dem am Dienstag einstimmig. Offen ist noch, ob nicht auch ein Erbbaurechtsmodell in Frage kommt, bei dem das Gebäude nach 70 Jahren wieder an die Stadt zurückfällt. Egal, welche Variante am Ende gewählt wird: Es ist der letzte Ausweg aus der Kostenfalle. „Es muss endlich etwas passieren, wir können nicht ewig für dieses leere Gebäude zahlen“, sagt Burkhard Albes (SPD).

2012 wollte die Stadt es selbst sanieren, Kostenschätzung: 20 Millionen Euro. Doch es passierte nichts. Ende 2014 war dann schon von 23 Millionen Euro die Rede, da wurde es der Politik (zuerst der FDP) zu bunt, man beschloss, das kostspielige Objekt einem privaten Investor zur Sanierung zu überlassen und dann die Räume zu mieten. Doch die Suche nach einem solchen „Weißen Ritter“ (inklusive Ausschreibung) geriet zum Debakel: „Gerade mal drei Angebote kamen herein. Und davon war keines geeignet“, sagte Schneider.

Foto: Stadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer

Die Frage ist nun, ob die Möglichkeit eines Kaufes ohne den Mieter Stadt nun mehr zahlungskräftige und mit einem derart komplexen Objekt erfahrene Bauherrn reizt. In punkto Nutzung hätten sie mehr Spielraum, wenn die Vorgabe von 70 Prozent der Fläche für städtische Büros wegfällt.

Immer wieder fällt da das Wort „Hotel“. Doch das Gebäude hat es in sich. So weist es keinen einzigen Parkplatz auf. Und beim Rundgang staunt man, was alles in dem viergeschossigen Ziegelsteinbau aus den 50er-Jahren unter Denkmalschutz steht: nicht nur die gesamte Fassade oder Muschelkalkreliefs, Marmorböden, Bronzearbeiten und Lampen — nein auch der Wandputz bis hin zur gelben Farbe oder banale Tische und Stühle aus dem alten Konferenzraum der Kämmerei gehören zu dem, was bleiben muss. Andreas Hartnigk (CDU), der Vorsitzende des Bauausschusses, ist dennoch zuversichtlich: „Zu hören ist ja, dass schon einige Investoren angeklopft haben.“

Stadtspitze und Politik ist wichtig, was in dem Komplex zwischen Rathaus und Uerige nach Sanierung und Umbau passiert. „Neben dem Verkaufspreis spielt das Nutzungskonzept eine große Rolle für uns“, sagte Schneider. Konkret wünscht man sich eine — zumindest teilweise — öffentliche Zugänglichkeit. So gibt es in dem Trakt einen Innenhof, der für Gastronomie geeignet sein könnte. In der Zwischenzeit soll nun der Leerstand kreativ genutzt werden. Dafür wurde die große Kassenhalle im Erdgeschoss für temporäre Nutzungen hergerichtet — im Visier hat die Stadt da vor allem „Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft“. Partys kommen nicht in Frage — weil es keine Toiletten gibt.

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